Politik

Irakischer Premier klagt an: Trumps Söldner haben unsere Polizisten ermordet

Der irakische Präsident Adel Abdul-Mahdi behauptet, US-Präsident Donald Trump habe Söldner oder US-Soldaten irakische Sicherheitskräfte erschießen lassen. Ein Bericht der BBC lässt die Anschuldigungen glaubhaft erscheinen.
26.01.2020 11:00
Lesezeit: 2 min
Irakischer Premier klagt an: Trumps Söldner haben unsere Polizisten ermordet
Hat US-Präsident Donald Trump Söldner oder US-Soldaten beauftragt, irakische Sicherheitskräfte zu erschießen? (Foto: dpa)

Der irakische Ministerpräsident Adel Abdul-Mahdi hielt am 5. Januar 2020 im Rahmen einer Parlamentssitzung eine überaus interessante Rede (die DWN berichtete). Allerdings wurden nur Auszüge im Fernsehen ausgestrahlt, nicht die ganze Rede, weil Parlamentssprecher Mohammed Al-Halbousi - der eine enge Beziehung zu Washington unterhält - für eine Kürzung des Video-Feeds sorgte. In westlichen Medien fand die Rede überhaupt keine Beachtung.

Um die Inhalte der Rede einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, leitete einige Abgeordnete die Rede an die arabische Nachrichtenagentur "Idaat" weiter. Die veröffentliche die Rede. Demzufolge sagte Abdul-Mahdi unter anderem:

“Die Amerikaner haben das Land zerstört und verwüstet. Sie haben sich geweigert, den Bau der Stromversorgung und der Infrastruktur zu vollenden. Sie haben mit dem Wiederaufbau des Irak gefeilscht.”

Die US-Regierung habe versucht, auf diese Weise über den Öl-Handel des Iraks komplett zu bestimmen, so Abdul-Mahdi. Und weiter: “Dies lehnte ich ab und entschloss mich, nach China zu gehen, wo ich ein wichtiges und strategisches Abkommen abschloss. Trump versucht heute, diese wichtige Vereinbarung rückgängig zu machen."

Der amerikanische Präsident soll starken Druck auf ihn ausgeübt haben, so Abdul Mahdi, sogar damit gedroht haben, Unruhen im Land zu initiieren und ihn und seinen Verteidigungsminister zu ermorden: “Nach meiner Rückkehr aus China rief mich Trump an und bat mich, das Abkommen zu kündigen. Das lehnte ich ab, woraufhin er mit massiven Demonstrationen drohte, die mich stürzen würden. Tatsächlich begannen anschließend die Demonstrationen (...) Ich habe meinen Rücktritt eingereicht, und die Amerikaner bestehen bis heute darauf, dass das China-Abkommen gekündigt wird."

Tatsächlich kam es zu Protesten, in deren Verlauf Demonstranten erschossen wurden. Doch wer waren die Schützen? Berichten der BBC zufolge wurde nicht nur auf Demonstranten, sondern auch auf die anwesenden Sicherheitskräfte gefeuert - und zwar von den selben Schützen.

Laut Abdul Mahdi habe ihm sein Verteidigungsminister berichtet, dass es sich um eine dritte Partei gehandelt haben muss: "Söldner oder US-Soldaten?" Trump habe ihn auf jeden Fall anschließend wieder angerufen: "Er drohte mir und meinem Verteidigungsminister mit unserer Ermordung, falls wir diese dritte Partei öffentlich zum Thema machen würden.”

Seitdem die USA den iranischen General Qassem Soleimani und den irakischen Milizenführer Abu Mahdi al-Muhandis Anfang dieses Monats getötet haben, wird von vielen Seiten immer wieder betont, dass ihr Tod notwendig gewesen sei, um eine unmittelbare Gefahr für das Leben von Amerikanern abzuwenden. Während sich die Situation zwischen dem Iran, dem Irak und den USA zumindest vorerst tatsächlich erheblich entspannt zu haben scheint, lohnt es sich, die jüngsten Spannungen zwischen den USA und dem Irak und dem Iran im Zusammenhang mit China zu bewerten.

Fakt ist: China versucht seit geraumer Zeit, im Iran und im Irak Fuß zu fassen. Im Oktober 2019 hatte der Irak damit begonnen, 100.000 Barrel Rohöl pro Tag (bpd) nach China zu exportieren. Die Importeure der Öl-Lieferungen waren die chinesischen Firmen "Zhenhua Oil" sowie "Sinochem". Einen Monat zuvor hatte die irakische "Basra Oil Company" (BOC) einen Vertrag mit einem chinesischen Unternehmen über die Erschließung und Fertigstellung von 80 Ölquellen auf dem riesigen Majnoon-Ölfeld in der südirakischen Provinz Basra unterzeichnet. Ein weiterer Vertrag zwischen BOC und der "Iraqi Drilling Company" über die Bohrung an 43 Ölquellen im Majnoon-Ölfeld mit geschätzten Kosten von 255 Millionen US-Dollar wurde ebenfalls unterzeichnet. Die beiden Verträge wurden bei einer Zeremonie in Basra unterzeichnet, an der auch der irakische Ölminister Thamir al-Ghadhban teilnahm. “Die Unterzeichnung der beiden Verträge ist Teil der Pläne von BOC, die Ölförderrate in Majnoon bis 2022 auf 400.000 Barrel pro Tag zu erhöhen”, zitiert die Nachrichtenagentur Xinhua al-Ghadhban. Majnoon ist eines der reichsten Ölfelder der Welt mit geschätzten Reserven von rund 38 Milliarden Barrel Rohöl. Hinzu kommt, dass die Regierung in Bagdad bekannt gab, der Initiative zur Neuen Seidenstraße beitreten zu wollen.

Die Umstände lassen den Schluss zu, dass die USA über Chinas Präsenz im Irak nicht weniger besorgt sind als über Chinas Präsenz im Iran. Das liegt daran, dass China über die Mittel und die Fähigkeit verfügt, nicht nur die Kontrolle der USA über den irakischen Öl-Sektor, sondern das gesamte Petro-Dollarsystem, von dem der Status der USA als finanzielle und militärische Macht direkt abhängt, dramatisch zu untergraben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Glücksspielregulierung 2026: Wie OASIS und LUGAS den Wirtschaftsstandort prägen

Wer die Entwicklung des deutschen Glücksspielmarktes über die vergangenen zwei Jahrzehnte verfolgt, erkennt eine Branche im radikalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vom PKW zum Panzer: Europa braucht keine neuen Fabriken für Rüstung
18.06.2026

In den letzten Monaten gibt es Diskussionen darüber, dass Automobilhersteller einen Teil ihrer ungenutzten Kapazitäten für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Streit um die Arbeitszeit: Scharfe Kritik an Plänen für flexibleren Achtstundentag
18.06.2026

Die Pläne des SPD-geführten Arbeitsministeriums zur Arbeitszeitflexibilisierung stoßen auf harten Widerstand. Wirtschaft und der...

DWN
Politik
Politik Gentechnik ohne Label: EU macht den Weg für neue Züchtungen frei
18.06.2026

Genverändertes Obst und Gemüse landet in der EU bald ohne spezielle Kennzeichnung im Supermarktregal. Das Europäische Parlament hat den...

DWN
Politik
Politik Verfassungszoff ums neue Heizgesetz: Droht der Koalition eine Klatsche in Karlsruhe?
18.06.2026

Das geplante Heizgesetz der schwarz-roten Koalition wackelt: Ein neues Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags bescheinigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation bleibt hartnäckig: Ifo sieht nur kurze Erholung
18.06.2026

Die deutsche Wirtschaft steckt in der längsten Stagnationsphase seit 1949 fest. Mit dem erhofften Kriegsende im Iran hellen sich die...

DWN
Politik
Politik Nato 3.0: Weniger USA, mehr Europa
18.06.2026

Die USA ziehen sich militärisch weiter aus Europa zurück und erhöhen den Druck auf ihre Verbündeten. Vor dem Nato-Gipfel wachsen die...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditklemme 2026: Wird Finanzierung zum Problem?
18.06.2026

Nicht der abgelehnte Kredit ist das größte Risiko für Deutschlands Mittelstand – sondern der Antrag, der gar nicht mehr gestellt wird....

DWN
Politik
Politik Ukraine greift Putin an: Drohnen schlagen tief in Moskau ein
18.06.2026

Mitten während eines internationalen Gipfels trifft die Ukraine eine der wichtigsten Ölraffinerien Moskaus und setzt damit ein deutliches...