Politik

DWN Eilmeldung: Anschlag auf Unterwasser-Pipeline in Syrien, Ölpest droht

In Syrien haben Unbekannte einen Anschlag auf eine Unterwasser-Pipeline begangen. Die Regierung in Damaskus versucht, den Schaden zu beheben, bevor es zu einer Ölpest kommt.
28.01.2020 13:00
Aktualisiert: 28.01.2020 13:20
Lesezeit: 2 min
DWN Eilmeldung: Anschlag auf Unterwasser-Pipeline in Syrien, Ölpest droht
Die Öl- und Gasinfrastruktur Syriens. (Grafik: EIA)

Das technische Personal des syrischen Ministeriums für Öl und Bodenschätze ist derzeit dabei, die Schäden, die aus einem Anschlag mit Sprengkörpern gegen das Pipeline-Netzwerk in Banias resultieren, zu untersuchen und zu reparieren, um die Pipeline wieder in Betrieb zu nehmen. Zuvor hatten unbekannte Taucher Sprengkörper amWs Pipeline-Netzwerk von Banias, das sich unter dem Meeresspiegel befindet, angebracht.

Die Sabotage sei “professionell” gewesen, sagte der stellvertretende Leiter der syrischen Gesellschaft für Öltransport gegenüber einem lokalen Radiosender und fügte hinzu, ein ausländischer Staat habe die Täter koordiniert.

TankerTrackers.com, ein US-amerikanisches Unternehmen, das die iranischen Öllieferungen nach Syrien genau verfolgt, sah einen Tag, nachdem Explosionen die Pipelines außer Betrieb gesetzt hatten, den iranisch gekennzeichneten Öltanker Stark I vor der Küste von Banias ankommen.

Syrien ist stark von Ölimporten über das Mittelmeer abhängig, wobei ein Großteil des Öls aus dem Iran stammt. Vor dem Ausbruch des Syrien-Konflikts im Jahr 2011 produzierte das Land nach Angaben der Nachrichtenagentur AP rund 350.000 Barrel pro Tag (Bpd). Derzeit werden durchschnittlich rund 24.000 Bpd produziert, während der Verbrauch bei etwa 136.000 Bpd liegt.

Die Öl- und Gasterminale in Latakia, Banias und Tartus werden von Russland und der Regierung in Damaskus kontrolliert. Doch entscheidend ist die Öl- und Gasinfrastruktur im Osten des Landes, da sich dort die Eingangspunkte der Pipelines befinden. Middle East Oil & Gas News (MEES) führt aus: “Die staatlich kontrollierte Produktion fiel Anfang 2016 von 387.000 Barrel pro Tag im ersten Quartal 2011 auf 7.700 Barrel pro Tag. Angesichts der Tatsache, dass die Öl-Exporte im Jahr 2010 30 Prozent der Einnahmen, also 4,1 Milliarden Dollar, ausmachten und die Devisenreserven, blieb die Verbindung von Feldern im Osten mit der nachgelagerten Infrastruktur im Westen für die Regierung während des gesamten Krieges unerlässlich.”

Im Jahr 2013 unterzeichnete der russische Energiekonzern Soyuzneftegas den ersten Offshore-Explorationsvertrag mit Syrien für Block 2, der sich in den Gewässern zwischen Latakia und Banias befindet. Doch das Projekt konnte aufgrund des Syrien-Konflikts noch nicht durchgeführt werden.

Oilprice.com berichtet: “Russland ist nicht das einzige Land, das Syrien beim Wiederaufbau seines Öl- und Gassektors hätte helfen können - auch der Iran könnte mithelfen. Dem Iran fehlen jedoch die Mittel, um massiv in die syrische Infrastruktur zu investieren (...) Europäische Unternehmen dürften sich erst dann für Syrien interessieren, wenn das EU-Embargo aufgehoben wird.”

Im Sommer letzten Jahres hatte es einen ähnlichen Vorfall gegeben. Am 22. Juni 2019 beschädigten Sprengsätze die Unterwasser-Pipelines, mit denen Rohöl von Tankern zur Banias-Raffinerie im westsyrischen Tartus geliefert wurde. Der Vorfall hatte damals eine Ölpest verursacht, meldet die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: US-Aktien schließen uneinheitlich, während sich die Rendite 10-jähriger Anleihen 5,2 Prozent nähert
24.09.2026

Erfahren Sie, welche Kräfte die Wall Street aktuell in Atem halten und was das für Ihre Anlagen bedeutet.

DWN
Politik
Politik Debatte im Bundestag: Neuer Anlauf für umstrittene Widerspruchsregelung bei Organspenden
24.09.2026

Tausende schwerkranke Patienten warten dringend auf ein Spenderorgan wie eine Niere oder eine Leber. Um die Zahl der Transplantationen zu...

DWN
Politik
Politik Tiefe Gräben beim Staatsvertrauen: Wie die Bürger das politische System bewerten
24.09.2026

Während eine breite Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland nach wie vor auf die Qualität der Demokratie vertraut, offenbart eine neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Audi China-Modelle: Diese Elektroautos will Audi in Deutschland stoppen
24.09.2026

Audi entwickelt Elektroautos eigens für China, doch plötzlich stehen sie bei Händlern in Deutschland. Was wie ein Erfolg der eigenen...

DWN
Politik
Politik EuGH-Urteil zu Energiepreisen: Grundsatzentscheidung stärkt Rechte der Verbraucher und widerspricht dem BGH
24.09.2026

Jahrelang zu hohe Beträge für Wärme gezahlt? Nach einer Grundsatzentscheidung des Europäischen Gerichtshofs verjähren...

DWN
Technologie
Technologie Rückgang bei Industrierobotern: Deutschland droht im weltweiten Wettlauf den Anschluss zu verlieren
24.09.2026

Trotz seiner führenden Rolle bei der industriellen Automatisierung in Europa gerät der Standort Deutschland im globalen Vergleich ins...

DWN
Politik
Politik Atempause beim Tanken vorbei? Spritpreise steigen wieder an
24.09.2026

Autofahrer müssen nach einer kurzen Verschnaufpause an den Zapfsäulen wieder mit höheren Ausgaben rechnen. Obwohl Benzin und Diesel im...

DWN
Technologie
Technologie Experten schlagen Alarm: Forderungen nach grundlegendem Umdenken bei KI-Konzernen
24.09.2026

Angesichts potenziell unkontrollierbarer Gefahren durch Künstliche Intelligenz dringen Fachleute auf neue Regeln für die führenden...