Wirtschaft

Russische Analysten: Wie sich das Corona-Virus auf den Ölpreis auswirkt

Russland ist eine der wichtigsten Öl-Nationen der Welt. Das Land steuert pro Jahr etwa zehn Prozent zur Weltölproduktion bei und liegt damit global auf dem dritten Rang. Folglich sind die Russen ausgewiesene Experten, wenn es um die Bewertung der Ölpreise geht. Und da Öl in Dollar gehandelt wird, verfügen sie auch über eine äußerst hohe Kompetenz in Bezug auf den Dollar-Preis.
06.02.2020 12:27
Lesezeit: 2 min
Russische Analysten: Wie sich das Corona-Virus auf den Ölpreis auswirkt
Wie entwickelt sich der Ölpreis? Hier die norwegische Plattform Statfjord A in der Nordsee. (Foto: dpa). Foto: Oyvind Hagen

Drei russische Fachleute haben sich in der Presse dazu geäußert, wie sich die Preise von Öl und Dollar entwickeln.

ÖLPREIS

Natalia Orlowa, Chefvolkswirtin der Alfa-Bank

„Vor dem Auftauchen des Corona-Virus war die Stimmung an den Märkten noch optimistisch. Doch als es sich dann ausbreitete, wendeten die Marktteilnehmer „die Theorie des Schwarzen Schwans” an, um die Auswirkungen des Erregers zu bewerten. Diese besagt, dass ein Ereignis eingetreten ist, dass unvorhersehbar ist und dessen Konsequenzen nur schwer abschätzbar sind. Wenn sich alles beruhigt und die Situation schnell unter Kontrolle kommt, dann dürfte die Preisspanne zwischen 60 und 65 Dollar je Barrel liegen. Doch wenn die Lage weiterhin angespannt ist und klar wird, dass China eine gesalzene Rechnung dafür bezahlen muss, und sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft dadurch vielleicht sogar verlangsamt, dann kann sich das Niveau möglicherweise auf 55 Dollar je Barrel verringern.”

Wasilij Solodkow, Direktor der Wirtschaftshochschule in Moskau

„Wenn sich die Epidemie in China weiter ausbreitet, dann können die Ölpreise sogar auf Niveaus zwischen 55 und 57 Dollar je Barrel sinken.”

Wladimir Bragin, Direktor für Finanzanalyse und Makroökonomie des Investmenthauses Alfa Capital Management Company

„Sehr wichtig wird sein, wie sich der Faktor China entwickelt. Der Preiskorridor kann zwischen 54 und 60 Dollar je Barrell liegen. Im ungünstigten Fall könnten eine bedeutende Verringerung des Ölverbrauchs durch China im Transportwesen und ein Rückgang der Touristenzahlen eintreten. Dies würde zu einer Begrenzung der wirtschaftlichen Tätigkeit führen. Dann dürfte der Ölpreis auf ein Niveau von 55 Dollar je Barrel. Ich glaube nicht, dass es noch geringer werden wird, weil dann die OPEC die Förderquoten begrenzen wird.”

DOLLAR-PREIS

Natalia Orlowa

„Ich denke, dass sich der Kurs nur wenig bewegen wird und auf einem Niveau zwischen 1,10 und 1,11 Dollar pro Euro bleibt. Großbritannien hat beschlossen, sich aus der EU zurückzuziehen. Es war eigentlich klar, dass der Brexit auf eine konstruktive Art und Weise über die Bühne geht. Deshalb waren die negativen Konsequenzen für den Euro bereits im Preis mitberücksichtigt.”

Wasilij Solodkow

„Das einzige, was auf die Entwicklung des Dollar gegenüber dem Euro hätte beeinflussen können, wäre das Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten Donald Trump gewesen. Doch ist eine positive Entscheidung ausgeblieben. Deshalb dürfte das Niveau weiterhin zwischen 1,10 und 1,11 Dollar pro Euro bleiben.”

Wladimir Bragin

„Ich denke, es wird eine leichte Abschwächung geben, dann beträgt die Spanne zwischen 1,09 bis 1,11 Dollar je Euro. Doch dürfte dies nicht durch den chinesischen Faktor verursacht werden. Dies ist einfach nur eine Tendenz des Euro, schwächer zu werden. Der Brexit ist schon vollzogen, dies ist bereits klar. Doch kann ich immer noch keine genaue Prognose abgeben, wie sich das Ausscheiden Großbritanniens auswirkt.”

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama DAK-Auswertung: Weniger Krankmeldungen – psychische Leiden rücken in den Fokus
21.07.2026

Weniger Krankschreibungen, aber neue Herausforderungen: Eine aktuelle Auswertung zeigt überraschende Entwicklungen bei den Fehlzeiten in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Automarkt kollabiert: Deutsche Autobauer zahlen den Preis
21.07.2026

China war jahrzehntelang die Gewinnmaschine der deutschen Autoindustrie. Nun brechen dort die Verkäufe westlicher Marken ein, während...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Ölpreis steigt auf 91 Dollar, während Trump erklärt, der Iran werde für US-Todesopfer „um ein Vielfaches zahlen“
20.07.2026

Welche Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten und wo Anleger jetzt genau hinschauen sollten.

DWN
Technologie
Technologie Atem-Biometrie: Wird unser Atem bald zum neuen Passwort?
20.07.2026

Passwörter lassen sich ändern, ein Atemmuster nicht. Forscher wollen Menschen künftig daran erkennen, wie sie ein- und ausatmen, und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Median-Entgelt: Einkommen steigen, doch die Lohnlücke besteht weiter
20.07.2026

Mehr Geld auf dem Gehaltszettel, sinkende Unterschiede zwischen Frauen und Männern und deutliche regionale Abweichungen: Die aktuellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Yuan in Afrika: Wie Peking den Kontinent an sein Finanzsystem bindet
20.07.2026

Der Dollar dominiert die Weltwirtschaft, doch in Afrika baut China längst eine alternative Zahlungsroute für den Yuan auf. Was Handel und...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie stabilisiert sich nach Rückschlag: Aufträge stützen, Analysten bleiben vorsichtiger
20.07.2026

Die Rheinmetall-Aktie ist nach einem turbulenten Juni mit leichten Gewinnen in die neue Börsenwoche gestartet. Neue Aufträge und volle...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kodano: Polnischer Optikriese nimmt Deutschland ins Visier
20.07.2026

Mehr Filialen, künstliche Intelligenz und Gespräche über gleich drei mögliche Übernahmen: Der polnische Optikkonzern Kodano wächst...