Wirtschaft

Industrie-Misere in Deutschland zieht ganz Europa nach unten

Der drastische Auftragsrückgang in der deutschen Industrie zieht die gesamte EU-Wirtschaft in Mitleidenschaft. Analysten sprechen von einer “Industrial Horror Show”.
10.02.2020 17:00
Lesezeit: 1 min
Industrie-Misere in Deutschland zieht ganz Europa nach unten
Kräftiger Gegenwind für die deutsche Wirtschaft 2019. (Foto: dpa) Foto: Wolfgang Kumm

Der Abschwung in der deutschen Industrie hat sich verstärkt, nachdem die Aufträge im Verarbeitenden Gewerbe im Dezember zum zweiten Mal in Folge zurückgingen, was den Prognosen einer Erholung widersprach und die Auftragseingänge für 2019 zum schlechtesten seit über einem Jahrzehnt machte. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland gingen im Dezember gegenüber dem Vormonat nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom Mittwoch um 2,1 Prozent zurück. Von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Plus von 0,6 Prozent erwartet.

Der Rückgang beim Verarbeitenden Gewerbe hat das Wachstum in der Eurozone insgesamt belastet, obwohl er teilweise durch widerstandsfähige Konsumausgaben ausgeglichen wurde. Während die jüngsten Umfragedaten Hoffnungen auf eine Stabilisierung des industriellen Niedergangs geweckt haben, hat der Ausbruch des Coronavirus in China Bedenken hinsichtlich der wahrscheinlichen Störung der globalen Lieferketten des Verarbeitenden Gewerbes geweckt.

EZB-Chefin Christine Lagarde sagte diese Woche, dass der jüngste Einbruch der Wirtschaft “eine weitere Unsicherheitsstufe” verliehen hat.

Insgesamt gingen die deutschen Industrieaufträge im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent zurück. Carsten Brzeski von der ING Bank meint, die “Industrial Horror Show geht weiter”. Die Financial Times zitiert Brzeski: “Trotz einiger vorläufiger positiver Anzeichen von weichen Daten, die auf ein Ende des Einbruchs in der Fertigung hindeuten, sieht die harte Realität völlig anders aus.“

Die Inlandsbestellungen deutscher Hersteller stiegen um 1,4 Prozent, die Auslandsbestellungen gingen um 4,5 Prozent zurück. Bei Investitionsgütern und Konsumgütern gingen die Bestellungen drastisch zurück, bei Vorleistungsgütern nahmen sie zu.

Die exportorientierte deutsche Wirtschaft wurde durch den Handelskrieg zwischen den USA und China, die Unsicherheit über den Brexit und einen starken Rückgang der Automobilindustrie, die mit neuen Emissionsvorschriften und einer Verlagerung auf Elektrofahrzeuge zu kämpfen hat, in Mitleidenschaft gezogen. Die Exporte aus dem Automobilsektor des Landes, in dem direkt und indirekt fast drei Millionen Menschen beschäftigt sind, gingen im vergangenen Jahr um 13 Prozent zurück.

Europas größte Volkswirtschaft wuchs im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent - die schwächste Entwicklung seit sechs Jahren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Infrastruktur-Finanzierung: Bauindustrie fordert neue Debatte über Pkw-Maut
22.06.2026

Die deutsche Bauindustrie schlägt zur dauerhaften Sanierung des Verkehrsnetzes die Einführung einer Pkw-Maut vor. Durch den Wechsel von...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg wird für Netanyahu zur politischen Falle
22.06.2026

Benjamin Netanyahu drängte Donald Trump zum Krieg gegen Iran. Doch nun droht ausgerechnet dieser Iran-Krieg den israelischen Premier...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fast 400 Jahre Biergeschichte – Brauerei Wolters beantragt Insolvenz
22.06.2026

Die Insolvenz reiht sich in einen bundesweiten Markttrend ein: Anhaltende Absatzschwäche und gestiegene Rohstoff- und Energiekosten machen...

DWN
Politik
Politik Schläge, Mobbing, Übergriffe: Zunehmende Gewalt an deutschen Schulen
22.06.2026

Gewalt an staatlichen Schulen ist in Deutschland trauriger Alltag für viele Schüler und Lehrer. Wie verbreitet Übergriffe, Mobbing und...

DWN
Politik
Politik AfD: Parteigründer Lucke fordert AfD-Grundsatzbeschluss
22.06.2026

Der frühere Vorsitzende Bernd Lucke kritisiert den Umgang mit seiner ehemaligen Partei - fordert aber auch einen großen Schritt der AfD....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsbedingte Kündigung wegen Stellenabbau: Die wichtigsten Fakten
22.06.2026

Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage erleben viele deutsche Arbeitnehmer derzeit eine Kündigungswelle. Häufig begründen...

DWN
Politik
Politik Kliniksterben: Marienhospital insolvent - Jede zweite Klinik vorm Aus
22.06.2026

Marienhospital in Stuttgart vorm Aus: So könnte es jeder zweiten Klinik im Land ergehen. Was der Chef des Krankenhausverbands zur...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Entwicklung: Warum die Euphorie am Goldmarkt kippte
22.06.2026

Was ist das: Es steigt mit dem Dröhnen eines Düsenflugzeugs in die Höhe, fällt aber lautlos wie ein Segelflugzeug? Es war in aller...