Wirtschaft

Trump plant Hilfspaket für die Frackingindustrie - Demokraten sind gegen Unterstützung von „Öl-Milliardären“

Als Reaktion auf den Ölpreisverfall, der durch einen Preiskampf zwischen Russland und Saudi-Arabien ausgelöst wurde, plant das Weiße Haus ein Bail-out für die US-Fracking-Industrie.
12.03.2020 12:00
Aktualisiert: 12.03.2020 12:00
Lesezeit: 2 min
Trump plant Hilfspaket für die Frackingindustrie - Demokraten sind gegen Unterstützung von „Öl-Milliardären“
Mitarbeiter auf einer Bohranlage von Tekton Energy. (Foto: dpa) Foto: Deutsche Rohstoff

Nach einem Bericht der Washington Post plant das Weiße Haus, ein Hilfspaket für die Frackingsindustrie zu schnüren. Zuvor hatten sich diverse Fracking-Manager bei der US-Regierung angesichts des drastischen Ölpreisverfalls über die Tatenlosigkeit der Politik beschwert. Bemerkenswert ist, dass Harold Hamm von Continental Resources, der US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf 2016 unterstützte, offen zugab, dass er sich an das Weiße Haus gewandt habe. Seine Aussage, wonach er sich aber “nicht direkt” an das Weiße Haus gewandt habe, sorgte für Irritationen.

Berichten zufolge hat Hamm am vergangenen Montag persönlich zwei Milliarden US-Dollar durch seinen 77-prozentigen Anteil an Continental Resources verloren. Hamm sagte, die Regierung sollte “jede Maßnahme in Betracht ziehen, die sie ergreifen könnte, um die amerikanischen Interessen zu schützen, damit sie von keiner fremden Regierung ungerechtfertigt benachteiligt wird”, berichtet die Post.

Das geplante Hilfspaket würde dem Blatt zufolge zinsgünstige Kredite an Fracking-Unternehmen umfassen, da der Zugang zu Krediten weitgehend eingeschränkt wurde.

Die Demokraten im US-Kongress sträuben sich weitgehend gegen Hilfen für “Big Oil”. Als “Big Oil” werden die weltweit sieben größten Ölkonzerne umschrieben. “Anstatt die Taschen von Big Oil zu füllen, arbeiten die Demokraten an Gesetzen zum Schutz der finanziellen Sicherheit der arbeitenden Familien, die von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen sind”, sagte Evan Hollander, Kommunikationsdirektor des House Appropriations Committee (Haushaltsausschuss des US-Repräsentantenhauses). "Egal wie viele Öl-Milliardäre alles verlieren und Präsident Trump anrufen, die Demokraten des US-Repräsentantenhauses werden sich weiterhin auf die wirklichen Bedürfnisse des amerikanischen Volkes konzentrieren”, sagte Hollander gegenüber Oilprice.com. Diese Aussage ist deshalb interessant, weil die Demokraten zwischen 2008 und 2016 genug Zeit gehabt hatten, um sich um die “wirklichen Bedürfnisse des amerikanischen Volkes” zu kümmern, dies aber nur bedingt taten.

Anne Bradbury, Chefin von AXPC, einer Industriegruppe, die 25 unabhängige Öl- und Gasproduzenten vertritt, sagte gegenüber der Post: “Wir glauben an das System des freien Marktes und werden uns für Strategien einsetzen, die gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Marktbeteiligten unterstützen”. In einem späteren Interview sagte Bradbury, dass AXPC nicht darauf aus sei, ein Bail-out zu fordern.

Am Mittwoch sagte Finanzminister Steve Mnuchin, dass die Hilfe für schwache Branchen wie Fluggesellschaften, Kreuzfahrten und die Ölindustrie nicht als “Bail-out” bezeichnet werden sollte. “Ich möchte klarstellen: Dies ist kein Bail-out (...) Es kann jedoch bestimmte Branchen geben, die stark vom Reisen betroffen sind und Probleme mit der Kreditvergabe haben.”

Der Aussage von Mnuchin schenken Analysten keinen Glauben. “Es klingt für mich nach einer Rettungsaktion. Wir werden Einzelheiten sehen müssen, aber wenn Sie es mit einer Sonderbehandlung für eine Branche oder einen Wirtschaftszweig zu tun haben, ist dies fast per Definition ein Bail-out”, so Paul Winfree von der Heritage Foundation.

Unterdessen berichtet Bloomberg, dass Öl-Lobbyisten die Trump-Regierung dazu drängen, Öl für die strategische Ölreserve (SPR) aufzukaufen, um einen Teil des Überangebots auf dem Markt aufzufangen.

Ob es am Ende tatsächlich zu einem Bail-out in der Fracking-Fndustrie kommt, bleibt ungeklärt. Doch ein hochrangiger Regierungsbeamter sagte der Post unter der Bedingung der Anonymität, dass der Plan für ein Bail-out politisch nur schwer umzusetzen sei.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
27.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
27.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Microsoft-Aktie im Fokus: US-Konzern bietet 60.000 Mitarbeitern Abfindungen an
27.10.2026

Der US-Softwarekonzern Microsoft bietet rund 60.000 Beschäftigten in vier Ländern einen freiwilligen Abschied gegen eine Abfindung an....

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Technology-Aktie zwischen KI-Boom und China-Risiko: Was Anleger jetzt beachten sollten
27.10.2026

Nach heftigen Kursschwankungen steht die Micron-Aktie erneut im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Der Speicherchiphersteller profitiert...

DWN
Politik
Politik EZB-Zinsentscheid: Bleiben die Zinsen stabil oder deutet Lagarde schon die nächste Erhöhung an?
27.10.2026

In dieser Woche stehen zwei Zinsentscheidungen an. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed, am Donnerstag folgt der EZB-Zinsentscheid.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wolfgang Grupp junior: Audis Vier-Milliarden-Werk in den USA verschärft die Standortdebatte in Deutschland
27.10.2026

Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp junior kritisiert den Fokus auf den politischen Auftritt des Audi-Chefs in den USA. Er fragt...

DWN
Politik
Politik Was passiert, wenn Ägypten in den Krieg im Nahen Osten eintritt
27.10.2026

Ägyptens Parlament hat Präsident Abdel Fattah al-Sisi grünes Licht für militärische Unterstützung Saudi-Arabiens gegeben. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Allianz-Prognose: Unternehmensinsolvenzen bleiben auf hohem Niveau
27.10.2026

Mehr und mehr Unternehmen werden zu Sanierungsfällen: Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet dieses und nächstes Jahr mit nahezu je...