Wirtschaft

Corona-Virus: Airlines geraten in schwere Turbulenzen - aber Lufthansa könnte sogar profitieren

Das Corona-Virus beschwert der Luftfahrt Milliarden-Verluste. Aber die Lufthansa könnte gestärkt aus der Krise hervorgehen.
13.03.2020 14:34
Aktualisiert: 13.03.2020 14:34
Lesezeit: 2 min
Corona-Virus: Airlines geraten in schwere Turbulenzen - aber Lufthansa könnte sogar profitieren
Ein Airbus A380 der Lufthansa. (Foto: dpa) Foto: Silas Stein

Die Luftfahrt befindet sich in Aufruhr. Die nachlassende Nachfrage nach Flügen aufgrund der Corona-Krise sowie das in der Nacht zu Sonnabend in Kraft tretende Einreiseverbot in die USA treffen die Branche äußerst hart. An deutschen Flughäfen beträgt der Rückgang des Passagier-Aufkommens je nach Standort zwischen 20 und 40 Prozent, wie der Pressesprecher des „Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft“ (BDL), Ivo Rzegotta, den Deutschen Wirtschaftsnachrichten sagte.

In einer Presse-Erklärung des internationalen Luftverkehrs-Verbands „International Air Transport Association“ (IATA) heißt es, dass die Branche mit ihren weltweit rund 2,7 Millionen Beschäftigten enorm unter Druck stehe. Weltweit rechnet die IATA mit einem Gesamt-Verlust für die Fluglinien von 113 Milliarden Euro im Jahr 2020. Im Gespräch mit den DWN wies Rzegotta darauf hin, dass diese Zahl vom 5. März stamme, als das US-Einreiseverbot noch nicht galt. Deshalb würden die Verluste höchstwahrscheinlich sogar noch um einiges höher liegen.

Der Präsident der IATA, Alexandre de Juniac, spricht von „außergewöhnlichen Zeiten“, die Airlines würden unter „enormen Cash-Flow-Druck“ geraten. Der Hamburger Luftfahrt-Journalist Andreas Spaeth schlug im Gespräch mit den DWN in die gleiche Kerbe: „Die derzeitige Lage für die Luftfahrt ist vermutlich die schlimmste jemals, die Auswirkungen des Corona-Virus übertreffen sowohl jene des 11. September 2001 als auch jene der Finanzkrise 2008. Vor allem weil die Lage und weitere Auswirkungen so unabsehbar sind und das Problem so global. Die daraus entstehenden Beschränkungen und Verunsicherungen von Reisenden sind Gift für die Branche.“ Rzegotta sagte den DWN, dass die Luftfahrt eine für Krisen besonders anfällige Branche sei. Zum einen, weil auf eine Periode geringer Nachfrage in aller Regel keine Periode stärkerer Nachfrage folge, wie bei anderen Branchen üblich: „Die meisten Passagiere, die ihren Flug gecancelt oder gar nicht erst gebucht haben, werden diesen Flug nicht nachholen.“ Zum anderen, weil die Fixkosten so hoch seien: „Personalaufwendungen und Abschreibungskosten für die Flugzeuge laufen weiter, unabhängig davon, wie hoch die Passagierzahl ist.“

Verschlimmert wird die Situation durch das heute Nacht in Kraft tretende Einreiseverbot in die Vereinigten Staaten. Allein vom Schengen-Raum aus gehen normalerweise jeden Tag durchschnittlich 550 Flüge in die USA. Im Jahr 2019 flogen über 45 Millionen Passagiere vom Schengen-Raum aus über den großen Teich, das entspricht rund 125.000 pro Tag. Der Markt hatte einen Wert von 20,6 Milliarden Dollar, wobei Deutschland mit vier Milliarden sowie Frankreich mit 3,5 Milliarden besonders betroffen sind.

Der IATA-Präsident fordert aufgrund der Situation Staatshilfen. De Juniac: „Es sind sofortige Hilfsmaßnahmen notwendig, um Airlines über die Krise hinweg zu helfen. Der Staat muss mit allen nur irgend möglichen Mitteln die Branche durch diese extremen Umstände hindurchführen. Solche Mittel wären zum Beispiel die Verlängerung von Kreditlinien, die Reduzierung von Preisen für die Nutzung von Infrastruktur-Einrichtungen sowie Steuer-Erleichterungen. Ohne Staatshilfe wird die Branche ernsthafte finanzielle Probleme bekommen.“

Was die Situation in Deutschland anbelangt: Die Bundesregierung hat Steuererleichterungen und unbegrenzte Kredithilfen für Unternehmen angekündigt. Speziell zur Situation der Airlines sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), das Corona-Virus habe „gravierende Auswirkungen auf die Branche“. Staatshilfen sind also alles andere als unwahrscheinlich.

Die Lufthansa hat mittlerweile für den Zeitraum vom 29. März bis zum 24. April 23.000 Flüge gestrichen. Das bedeutet einen Umsatzverlust in Milliarden-Höhe. Rund die Hälfte der aus 780 Flugzeugen bestehenden Flotte steht still. Besonders der Ausfall der Nordamerika-Flüge schmerzt: Sie gelten als besonders profitabel.

Jetzt kommt allerdings der Clou: Den Kölnern könnte die Corona-Krise mittelfristig sogar nützen. Andreas Spaeth gegenüber den DWN: „Die Lufthansa ist die vom USA-Einreisestopp am stärksten betroffene europäische Fluggesellschaft. Gleichzeitig ist sie finanziell gut aufgestellt und handelt dieses Mal, anders als etwa 2008, sehr proaktiv, indem sie frühzeitig Routen und Flugzeuge aus dem Flugplan genommen hat. Daher denke ich, dass die Lufthansa vielleicht sogar am Ende profitiert, weil andere Wettbewerber wie etwa Norwegian die Krise vermutlich nicht überstehen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

DWN
Politik
Politik Grundrechte in Gefahr? BND-Reform sieht weitgehende Befugnisse vor und sorgt für Streit
24.09.2026

Eine geplante Gesetzreform zur Stärkung von BND und Verfassungsschutz heizt die politische Debatte in Berlin an. Während Koalition und...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Michael: Soll ich die Vonovia-Aktie kaufen, wenn die Politik mit der Enteignung von Wohnungen droht?
24.09.2026

Die Vonovia-Aktie bietet einen schönen Abschlag auf den Vermögenswert und eine Dividendenrendite von sieben Prozent. Doch ist jetzt der...

DWN
Technologie
Technologie Elektroautos überflügeln in Europa reine Verbrenner
24.09.2026

Im August stieg ihr Anteil auf deutlich mehr als ein Viertel. Doch ohne Subventionen könnte der Boom schnell nachlassen, warnen Experten....

DWN
Politik
Politik Trump-Xi-Gipfel: Warum Trump China jetzt nicht provozieren kann
24.09.2026

Donald Trump empfängt Xi Jinping mit allem Pomp, den Washington zu bieten hat. Doch sechs Wochen vor den Zwischenwahlen kann sich der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft wächst wieder: Institute verdoppeln Prognose
24.09.2026

Die deutsche Wirtschaft kommt wieder in Bewegung: Führende Institute verdoppeln ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr. Doch hohe...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Gründer starten neues Unternehmen
24.09.2026

Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci bauen neben dem Mainzer Pharmakonzern ein neues Unternehmen auf. Mit Arife wollen sie...

DWN
Immobilien
Immobilien Vonovia bietet Soldaten neuen Wohnraum
24.09.2026

Die Bundeswehr wächst, doch in einigen Städten fehlt es schon heute an passenden Wohnungen für Soldaten. Vonovia bietet nun eine...

DWN
Politik
Politik Grönland-Abkommen mit Trump: Eine Frage bleibt offen
24.09.2026

Wir waren in New York dabei, an einem historischen Tag für Dänemark. Als die Erleichterung einsetzte, kam jedoch auch eine Erkenntnis...