Finanzen

Macron drängt Merkel: Milliarden aus ESM-Fonds sollen freigegeben werden

Die französische Regierung erhöht den Druck auf die Bundesregierung, die im ESM-Fonds gespeicherten Milliarden freizugeben. Schon die Schaffung des Fonds war höchst umstritten, nun dürfte der Streit weitergehen.
24.03.2020 15:50
Lesezeit: 2 min
Macron drängt Merkel: Milliarden aus ESM-Fonds sollen freigegeben werden
Merkel und Macron. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Frankreich macht in der Corona-Krise Druck auf Deutschland, den europäischen Kreditfonds ESM leichter zugänglich zu machen. Davon würden die von der Pandemie besonders hart getroffenen Länder Italien und Spanien wohl am meisten profitieren. Deutsche und andere europäische Ökonomen sprachen sich am Dienstag ebenfalls dafür aus. In der Bundesregierung wird neben den jüngsten Hilfspaketen für die Wirtschaft ein Konjunkturprogramm erwogen, der ESM soll aber zunächst tabu sein.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire sagte am Dienstag, der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) sei geschaffen worden, um Krisen zu bekämpfen - und müsse jetzt auch genutzt werden. Dafür sollten nicht zusätzliche Voraussetzungen geschaffen werden. Am Abend sollte es eine Telefonschalte der Finanzminister der Euro-Länder geben. Dabei sollte es auch um Vorschläge der EU-Kommission gehen, wie der ESM nun angezapft werden könnte. Er hat ungenutzte Kreditlinien in Höhe von 410 Milliarden Euro. Der Fonds wurde in der Staatsschuldenkrise ins Leben gerufen, um Ländern zu helfen, die Probleme haben, sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen.

Le Maire sagte, er rechne mit einer Einigung auf europäischer Ebene in den nächsten Tagen. Auch Italien hat bereits gefordert, ohne Auflagen Zugang zu ESM-Geldern zu bekommen. Das stößt aber unter anderem in reicheren Staaten wie Deutschland und den Niederlanden auf Widerstand. "Es geht nicht um einen grundsätzlichen Strategiewechsel", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Die Eurogruppe werde nach praktikablen Lösungen suchen.

Widerspruch kam von einer Gruppe von 13 europäischen Wirtschaftswissenschaftlern um DIW-Präsident Marcel Fratzscher und Ifo-Chef Clemens Fuest. Sie plädieren dafür, dass der ESM Corona-Kredite gewähren sollte. Damit ließen sich die Risiken für die wirtschaftliche Stabilität aller EU-Länder verringern. Ferner könnten EU-Staaten ihre Maßnahmen gegen die Pandemie zu geringen Kreditkosten intensivieren. Die derzeit diskutierten Euro-Bonds - Anleihen aller Euro-Staaten - wären aus Sicht Fratzschers zwar ein effektives Mittel in der Krise. Im Gegensatz zu Kreditlinien könnten sie aber nicht schnell genug eingeführt und wirksam werden.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz schrieb in einem Brief an die SPD-Bundestagsfraktion, die Regierung werde in den nächsten Wochen regelmäßig abwägen, wann das wegen der Ansteckungsgefahr des Virus weitgehend heruntergefahrene öffentliche Leben in den Normalmodus zurückgebracht werden könne. Die Gesundheit der Bürger sei dabei der entscheidende Maßstab. "Sobald die Kneipen, Kinos und Geschäfte wieder öffnen können, werden wir zielgenaue Entscheidungen treffen, um die Konjunktur zu beleben." Ökonomen fordern ein solches Konjunkturprogramm, um nach der schweren Rezession, die für 2020 erwartet wird, nächstes Jahr wieder durchstarten zu können. Ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte Reuters, die Überlegungen dazu seien noch in einem sehr frühen Stadium. "Es gibt noch keine konkreten Vorschläge."

Altmaier nannte das gerade von der Regierung auf den Weg gebrachte und 750 Milliarden Euro schwere Hilfspaket für die deutsche Wirtschaft nur einen ersten Schritt. Man dürfe die Perspektive für "einen neuen Aufschwung nach der Überwindung der Krise" nicht aus dem Blick verlieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Immobilienmarkt unter Druck: Strategien für Käufer und Verkäufer im aktuellen Zinsumfeld

Der Immobilienmarkt in Bremen befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Nach Jahren des kontinuierlichen Preisanstiegs...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Krankenkassen verzocken Millionen mit Immobilienfonds
06.08.2026

220 Millionen Euro Beitragsgelder sind laut Medienberichten durch riskante Investments verloren gegangen, weitere Verluste drohen. Nun...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Börsencrash in China: Warum Peking Banken rettet, aber die Wirtschaft nicht
06.08.2026

Chinas Wirtschaft gerät gefährlich ins Rutschen, doch Peking verweigert die erwarteten Konjunkturhilfen. Stattdessen entstehen neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rhein-Niedrigwasser: Minister will Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen kippen
06.08.2026

Das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein bringt Lieferketten unter Druck und zwingt die Politik zu ungewöhnlichen Maßnahmen....

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
06.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BYD Sealion 5 im Test: Viel Auto für vergleichsweise wenig Geld
06.08.2026

Der BYD Sealion 5 verbindet viel Platz, hohen Komfort und einen erstaunlich großen Aktionsradius. Als Plug-in-Hybrid schafft er im Test 80...

DWN
Technologie
Technologie Hedgefonds zittern: Hacker greifen Wall-Street-Giganten an
06.08.2026

Zu den Zielen der Angriffe gehörten Point72, Millennium Management, Two Sigma und Citadel. Die Angreifer versuchten über gefälschte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 19 Prozent auf alles?: Ifo-Chef plädiert für höhere Mehrwertsteuer
06.08.2026

Teurere Lebensmittel – und dafür eine Gutschrift vom Staat für Menschen mit geringen Einkommen? Das schlägt ein führender deutscher...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie: Rekordgewinn stärkt Position im Übernahmekampf mit Unicredit
06.08.2026

Mit steigenden Gewinnen wollte die Commerzbank-Aktie ihre Unabhängigkeit untermauern. Die jüngste Zwischenbilanz fällt positiv aus. Doch...