Wirtschaft

Illegale chinesische Textilarbeiter brachten das Corona-Virus nach Italien: Doch Europa hat keine Kraft, sich gegen Peking aufzulehnen

Corona hat seinen Ursprung in China. Dazu kommt, dass illegale chinesische Textilarbeiter einen großen Anteil daran haben, dass sich das Virus in Italien und anschließend in Europa ausbreiten konnte. Um ja keine Kritik aufkommen zu lassen, spielt das Reich der Mitte jetzt in Europa den fürsorglichen Helfer. Doch anstatt einmal Klartext mit Peking zu reden, bleibt Europa tatenlos.
28.03.2020 12:09
Lesezeit: 7 min
Illegale chinesische Textilarbeiter brachten das Corona-Virus nach Italien: Doch Europa hat keine Kraft, sich gegen Peking aufzulehnen
Eine chinesische Näherin. (Foto: dpa)

Seit Tagen überschwemmen staatliche Einrichtungen und Unternehmen aus China die von der Corona-Epidemie betroffenen Länder mit milden Gaben, vor allem mit Gesichtsmasken, aber auch mit Schutzanzügen, Beatmungsgeräten und ähnlichen Hilfsmitteln. Naturgemäß werden diese Geschenke gefeiert. Der durchsichtige Grund für die Aktionen ist aber der Versuch, die Verantwortung Chinas für die weltweite Verbreitung des Virus vergessen zu lassen. Mit den Präsenten gekoppelt sind Anschuldigungen gegen die USA und Italien, die das Virus angeblich schon vor Monaten erkannt, jedoch verschleiert hätten.

China hat das Auftreten des Virus verheimlichen wollen

Mit dem Getöse können die chinesischen Propagandisten eine Tatsache nicht aus der Welt schaffen: Der chinesische Arzt Li Wenliang hat im Dezember letzten Jahres das Auftreten eines SARS-ähnlichen Virus festgestellt und dies auch der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Statt zu reagieren, sperrten die Behörden den Mann ein – kurz danach starb er unter mysteriösen Umständen im Gefängnis. Man braucht nicht lange zu rätseln: Hier wurde, wieder einmal, die in Chinas kommunistischer Diktatur übliche Praxis angewendet, ein Problem zu leugnen und jene, die darüber sprechen, mundtot zu machen. Der Aktion scheiterte jedoch, weil die vielen zahllosen Erkrankungen und Todesfälle einfach nicht zu verheimlichen waren.

Ein Reiseverbot ab Januar hätte die Epidemie verhindert

Prompte Maßnahmen nach Lis Warnung hätten die Katastrophe in China und die weltweite Ausbreitung verhindert, daran kann die derzeit laufende Kampagne der chinesischen Regierung nichts ändern. Das Problem entstand, weil zum chinesischen Neujahr hunderttausende Chinesen aus aller Welt und insbesondere aus Italien und Spanien für etwa zwei Wochen nach Hause fuhren und bei der Rückkehr das Virus mitbrachten. Ein Reiseverbot hätte zwar für Unmut gesorgt, weil das Neujahrs- oder Frühlingsfest von großer Bedeutung für Chinesen ist, aber die Infektion von mittlerweile Hunderttausenden rund um den Globus wäre nicht erfolgt.

Nach dem Neujahrsfest reisten tausende Chinesen zurück nach Europa und in die USA

Der Neujahrstag in China war der 25. Januar 2020, gefeiert wird üblicherweise etwa zwei Wochen, also flogen um den 7. Februar herum viele Chinesen wieder zurück in den Westen, vor allem nach Italien und nach Spanien. Die Inkubationszeit dauert etwa 14 Tage und findet in Wellen statt, wenn Infizierte andere anstecken. Konsequenterweise entwickelte sich die Epidemie zwei bis drei Wochen später: In den beiden Wochen ab dem 2. März gab es in Italien über 9.000 und in Spanien über 8.300 Infizierte. Auch in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, wo ebenfalls viele Chinesen leben und arbeiten, begann sich das Virus auszubreiten. Mittlerweile gibt es weltweit fast 500.000 Infizierte und über 20.000 Tote.

Made in China wird seit längerem hinter „Made in Italy“ versteckt

Dass besonders Italien von der Epidemie betroffen ist, hat neben anderen Faktoren einen entscheidenden Auslöser: Norditalien wurde in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum der chinesischen Industrie und insbesondere der Bekleidungsbranche. Die erstaunlich preisgünstigen Produkte, die mit der Bezeichnung „Made in Italy“ in vielen Boutiquen europaweit zu kaufen sind, kommen tatsächlich aus Italien, sind aber chinesische Waren. Ein offenes Geheimnis ist die Anwesenheit zahlloser illegaler Einwanderer aus China.

Tausende Chinesen arbeiten in Italien unter elenden Bedingungen

In der Region waren in der Vergangenheit zahlreiche bekannte italienische Textil- und Bekleidungsbetriebe tätig, die unter dem Druck der Billigkonkurrenz aus Asien – insbesondere aus China – pleitegingen. Lange standen die Fabriken leer. Seit einigen Jahren steigen aber die Löhne in China kräftig, nicht zuletzt, weil die Wohnungen extrem teuer sind und die staatliche Wirtschaftslenkung sich dem Druck der Lohnforderungen nicht entziehen kann. Somit ist die Fabrikation in Europa wieder attraktiver, allerdings noch nicht zu den in Europa üblichen Kosten. Also werden tausende Chinesen nach Italien gebracht, die sich mit – für Europäer unakzeptablen – Bedingungen zufriedengeben. Viele Mitarbeiter schlafen in den Fabriken und begnügen sich mit einem Mindestgehalt. Die italienischen Behörden tun nichts, weil die heimische Wirtschaft belebt wird und Steuern fließen. Die Eigentümer der Industrie-Ruinen sind unterdessen froh, dass sie die leeren Anlagen verkaufen oder vermieten können.

In ganz Europa trägt man Billigwaren aus dem chinesischen Italien

Die in den Fabriken hergestellten Produkte sind – aus den oben genannten Gründen – billig. Boutiquen-Besitzer aus ganz Europa sind froh, unweit vom Heimatort einkaufen und zudem in attraktiven Schauräumen die für das eigene Sortiment passende Ware auswählen zu können. Zwischen den niedrigen Fabrik-Preisen und den ebenfalls recht niedrigen Verkaufspreisen bleibt eine Marge, die die kleinen Läden ganz ordentlich leben lässt.

Das hier geschilderte System hat sich in gleicher Weise auch in Spanien entwickelt und hat zur Anwesenheit tausender Chinesen geführt, die zum Neujahrsfest unterwegs waren. Somit erklärt sich, warum gerade in diesen beiden Ländern die Epidemie sich so rasch und so stark verbreitet hat. Nicht zu übersehen ist, dass die Zahl der Unternehmen, die europaweit von Chinesen in den verschiedensten Branchen übernommen wurden, schon dicke Branchenbücher füllen und in diesen Betrieben naturgemäß viele Chinesen tätig sind. Auch beschäftigen nicht wenige europäische, auch deutsche Fabriken, die nicht unter chinesischem Einfluss stehen, Gastarbeiter aus dem Reich der Mitte.

Das Gesundheitswesen in Italien und Spanien wurde kaputt gespart

Doch zurück zu Italien und Spanien: Die besonders große Präsenz von Chinesen ist nicht der einzige Grund für die Corona-Probleme der beiden Länder. Vor allem die atypisch hohe Zahl von Todesfällen ist auf besondere Umstände zurückzuführen.

  • Die Lebenserwartung in Spanien beträgt 83,4 Jahre und ist die höchste in Europa. An zweiter Stelle folgt Italien mit 83,1 Jahren. Senioren sind naturgemäß weniger resistent.
  • Die Menschen werden zwar älter als anderswo, leiden aber unter chronischen Krankheiten, wobei vor allem Diabetes und Alzheimer zu erwähnen sind.
  • In beiden Ländern werden nur jeweils zwischen acht und neun Prozent des BIP für das Gesundheitswesen aufgewendet. Davon übernimmt der ständig unter Geldnot leidende Staat (der den Gesundheitssektor wahrlich kaputt gespart hat) nur etwa drei Viertel. Ein Viertel der Kosten muss privat bezahlt werden, dies ist in Wirtschaften mit Arbeitslosenraten von 14,5 Prozent in Spanien und zehn Prozent in Italien für viele kaum machbar. Zum Vergleich: In Deutschland werden 11,4 und in Österreich 10,4 Prozent des BIP für das Gesundheitswesen aufgewendet, also deutlich höhere Anteile von einer höheren Wirtschaftsleistung.
  • Die Versorgungslage in Italien und Spanien ist folglich unzureichend und das System ständig überfordert. Eine zusätzliche Belastung wie COVID 19 treibt die Spitäler in eine Krise.
  • In erschreckender Weise büßen nun – nicht nur, aber vor allem – die Alten für die schlechte wirtschaftliche Lage der beiden Länder, für die mangelnde Qualität der öffentlichen Einrichtungen und die ungenügende Ausstattung der Infrastruktur.

Eine schwache Wirtschaft wirkt wie eine Einladung an China

Die schlechte wirtschaftliche Lage der beiden Länder bildete den entscheidenden Faktor, der China den Zugang zu ihrem jeweiligen Markt bescherte. Die Aufnahme der aufstrebenden Großmacht in die Welthandelsorganisation (WTO) Ende 2011 schuf zudem die Rahmenbedingungen. Zwar kamen aus Brüssel Appelle, man möge auf EU-Ebene das Verhältnis zu China klären, doch waren die chinesischen Milliarden-Investitionen zu verlockend. Diese Investitionen erfolgten in allen Bereichen, von der Stahlindustrie über die Hochtechnologie, die angesprochene Bekleidungsbranche bis hin zur Immobilienwirtschaft. Spanien und Italien boten sich auch als Stützpunkte für die von China betriebene „Neue Seidenstraße“ an: Die Häfen von Triest und von Genua sind nun wesentliche Stützpunkte auf diesem Weg. Ebenso die spanischen Häfen Valencia und Bilbao.

Wenn auch hier der Fokus auf Spanien und Italien gerichtet ist, so ist doch festzuhalten, dass China den Hafen Duisburg in Deutschland unter Kontrolle hat, in Marseille stark engagiert ist, Seebrügge in Belgien, Piräus in Griechenland und andere dominiert. Die OECD weist aus, dass China bereits zehn Prozent der Container-Kapazität in den europäischen Häfen besitzt.

Der Mangel an Risikokapital, die Kreditbremse und die hohen Steuern in Europa machen die Betriebe reif für die Übernahme

Besonders Spanien und Italien, nicht zuletzt auch Griechenland und Belgien, in gewissem Umfang auch Frankreich bieten die Gelder aus China die Chance, die lahmende Wirtschaft beleben und größere Investitionen finanzieren zu können. Diese wirtschaftspolitische Dimension hat auch einen banalen betriebswirtschaftlichen, dabei aber auch sehr persönlichen Aspekt: Ein Unternehmer, der mühsam den Betrieb über Wasser hält, wird leicht schwach, wenn ein chinesischer Interessent mit Millionen winkt - und das nicht nur in den angesprochenen Ländern. Tatsache ist: In Europa funktioniert der Markt für Risikokapital schlecht, die Kreditfinanzierung ist nur schwer machbar, die eigenen Erträgen sind durch die hohe Steuerlast beeinträchtigt.

Amerikanische und europäische Unternehmen bringen Peking die Milliarden ein, die Chinas Einkaufstouren ermöglichen

All diese Faktoren begünstigen die chinesischen Unternehmen, die bei ihren internationalen Aktivitäten vom Staat kräftig unterstützt werden. Dieser verfügt über hunderte Milliarden an Dollar und Euro aus den Exporten. Die Unternehmen, die den Export-Erfolg Chinas ermöglichen, stammen aber nur zum Teil aus dem Land selbst. Einen ganz wichtigen Anteil haben aber auch die Europäer und Amerikaner, die in China produzieren und ihre Waren von dort in alle Welt liefern. Die Erlöse landen nur zum Teil in Dollar und Euro bei den Betrieben, die chinesische Nationalbank, die in die Regierung integriert ist, wechselt die internationalen Währungen in Yuan und agiert mit den Dollar und Euro nach Belieben – und geht selbst oder über den Umweg „Unternehmen“ auf Einkaufstour in aller Welt, die als Eroberungsfeldzug konzipiert ist.

China fürchtet sich vor wütenden Reaktionen auf den Corona-Skandal

Jetzt muss China fürchten, dass der Schlachtplan scheitert, weil das skandalöse Verhalten in der Corona-Krise weltweit für Empörung sorgt und man China die Türen schließt – etwa wie Peking das gegenüber den europäischen Investoren macht, die zwar in China Fabriken betreiben dürfen, aber dies nur unter Kontrolle der allgegenwärtigen Kommunistischen Partei. Was Spanien und Italien angeht, müssen sich die Machthaber in Peking allerdings keine Sorgen machen: Rom und Madrid loben die chinesische Hilfe überschwenglich und geißeln die mangelnde Solidarität und Hilfsbereitschaft innerhalb der EU.

Das scheinbar unbesiegbare China leidet unter einer kapitalen Struktur-Schwäche

Der Treppenwitz der Geschichte ist die Realität hinter der chinesischen Seidenstraße, hinter dem Kauf von Häfen und Container-Terminals. China muss nämlich befürchten, dass der Dollar- und Euro-Segen aus den Exporten in absehbarer Zeit geringer wird: Die Löhne steigen so rasant, dass es sich für ausländische Unternehmen bald nicht mehr lohnt, in China zu produzieren und den langen Transportweg in Kauf zu nehmen. Diese Entwicklung treibt auch die chinesischen Produzenten nach Italien und Spanien. Wenn es nur mehr sinnvoll ist, in China für den chinesischen Markt zu produzieren, dann schwinden die Exporterlöse, und mit ihnen geht die finanzielle Basis für die so genannte Welteroberung verloren. Über eine Kette von Häfen, die von China über Südostasien bis nach Europa reicht, hofft Peking, die Transportwege günstig gestalten zu können und den Export zu sichern. Es handelt sich also um eine Flucht nach vorne und nicht um eine Machtdemonstration.

Dieser Umstand wird in Europa nicht erkannt. Es würde auch die Einsicht nichts nützen, da die EU keine wirtschaftspolitische Strategie hat und auch nicht in der Lage ist, die Strukturprobleme Chinas für sich zu nützen. Dabei würde sich – wie man in Peking ganz richtig befürchtet – gerade der Corona-Skandal als ideale Gelegenheit anbieten, um endlich die Weichen neu zu stellen.

Aber: Keine Bange, ehrenwerter, mächtiger Herr Präsident Xi. Europa hat dafür nicht die notwendige Kraft.

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Ronald Barazon

                                                                            ***

Ronald Barazon war viele Jahre Chefredakteur der Salzburger Nachrichten. Er ist einer der angesehensten Wirtschaftsjournalisten in Europa und heute Chefredakteur der Zeitschrift „Der Volkswirt“ sowie Moderator beim ORF.

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