Finanzen

Ausländische Zentralbanken verkaufen US-Staatsanleihen wie nie zuvor

Im März haben ausländische Zentralbanken so viel US-Staatsanleihen verkauft wie niemals zuvor. Doch auch die Gegenmaßnahmen der Federal Reserve haben ein historisches Ausmaß.
05.04.2020 06:57
Lesezeit: 2 min
Ausländische Zentralbanken verkaufen US-Staatsanleihen wie nie zuvor
Jerome Powell, Chef der Notenbank der USA, verlässt eine Pressekonferenz. (Foto: dpa) Foto: Jacquelyn Martin

Im Kampf gegen die Corona-Krise sind offenbar alle Schranken gefallen. Im Zeitraum vom 19. März bis zum 1. April hat die Federal Reserve jeden einzelnen Tag US-Staatsanleihen im Umfang von 75 Milliarden Dollar gekauft, was sich auf 750 Milliarden Dollar summiert. Und auch ab Donnerstag, den 2. April, kauft sie nun immerhin noch 60 Milliarden Dollar pro Tag. Auch die Käufe von Hypothekenpapieren sind in die Höhe geschossen. Nie zuvor hat die US-Notenbank derart viel Geld in so kurzer Zeit gedruckt.

Diese in solchem hohen Umfang nie dagewesenen Anleihenkäufe durch die Federal Reserve sind auch eine Reaktion darauf, dass ausländische Zentralbanken sich zuletzt im großen Stil von US-Staatsanleihen getrennt haben. Diese Verkäufe haben zu einer rekordhohen Volatilität auf dem US-Anleihemarkt beigetragen und waren daher möglicherweise auch einer der Gründe, warum die Fed sich zu ihrem extremen Vorgehen entschlossen hat.

In den drei Wochen bis zum 25. März haben ausländische Institutionen laut Daten der Fed mehr als 100 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen verkauft. Der Monat März wird damit voraussichtlich den größten monatlichen Rückgang in der Geschichte aufweisen. Länder, die vom Ölexport abhängig sind, und kleinere asiatische Volkswirtschaften haben US-Schulden verkauft. Die Zentralbanken haben vor allem ältere, weniger liquide Staatsanleihen ausgelagert, berichtet Bloomberg unter Berufung auf Insider.

"Der Rückgang der Depotbestände ist ein klares Signal, dass ausländische Zentralbanken - die über eine Menge an Treasury-Beständen verfügen - diese verkauft haben, um Dollar zu beschaffen", zitiert Bloomberg Subadra Rajappa, Leiterin der US-Zinsstrategie bei der französischen Großbank Societe Generale. "Sie brauchen Zugang zu Dollars, da ein Großteil ihrer Zahlungen in Dollar erfolgt, und das hat sie dazu veranlasst, Staatsanleihen zu verkaufen".

Dies ist weitgehend die Folge des eingebrochenen Ölpreises, da die Ölexporteure gezwungen sind, Vermögenswerte zu liquidieren, um dringend benötigte Dollar zu erhalten. Um einem weiteren Abverkauf von US-Staatsanleihen entgegenzuwirken, hat die Fed am Dienstag ein neues Repo-Programm für ausländische Zentralbanken angekündigt, das "eine alternative, vorübergehende Quelle für US-Dollar neben dem Verkauf von Wertpapieren auf dem offenen Markt" bieten soll.

Das neue Repo-Programm "ist eine vernünftige zweitbeste Lösung für große Länder, die außerhalb des erweiterten Devisen-Swap-Netzes der Fed stehen, deren Unternehmen aber einen erheblichen Finanzierungsbedarf in Dollar haben", sagte der ehemalige Sprecher der NY Fed, Krishna Guha, der derzeit die Zentralbankstrategie bei Evercore ISI leitet. "Zu dieser Gruppe gehört auch China, das für das neue Programm in Frage kommen sollte, obwohl die Veröffentlichung der Fed in diesem Punkt nicht eindeutig ist."

In den letzten Jahren waren ausländische Institutionen, darunter vor allem Zentralbanken, die größten Käufer von US-Staatsanleihen. Da sie nun zu Verkäufern geworden sind, bräuchte die US-Regierung jetzt private Investoren, um ihre explodierenden Staatsausgaben zu finanzieren. Doch die privaten Investoren verfügen in der aktuellen Krise nicht über die entsprechenden Mittel.

Daher ist die Fed eingesprungen, die lediglich "Geld drucken" - also einen entsprechenden elektronischen Eintrag in ihrer Bilanz vornehmen - muss, wenn sie Anleihen oder andere Wertpapiere kaufen will. Und bisher ist das Vorgehen der Fed dahingehend erfolgreich, dass die Renditen trotz starker Volatilität im März historisch niedrig sind. So liegt die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen am Donnerstag bei nur rund 0,6 Prozent, vor einem Jahr lag sie bei rund 2,5 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 47: Die Woche im Rückblick – KW 42
16.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Analyse: Europa steht geschlossen gegen China, verschärft aber den Konflikt um den Milliardenhaushalt
16.10.2026

Die EU sieht erste Fortschritte im Handelskonflikt mit China. Doch das Defizit wächst weiter, und Brüssel bereitet bereits neue...

DWN
Politik
Politik Deal um Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich haben sich geeinigt
16.10.2026

Deutschland setzt sich dafür ein, dass weiter Neuwagen mit Verbrennungstechnologie zugelassen werden können. Frankreichs Präsident...

DWN
Finanzen
Finanzen Unser neues Magazin ist da: Steigende Zinsen, nervöse Börsen – Chancen für Ihr Kapital
16.10.2026

Das eigene Vermögen soll Sicherheit geben. Doch steigende Zinsen und nervöse Märkte machen derzeit Anlageentscheidungen schwieriger. Wer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IWF-Warnung: Warum der KI-Boom eine neue Krise auslösen könnte
16.10.2026

Die Weltwirtschaft wächst, doch unter der Oberfläche braut sich eine gefährliche Mischung zusammen: Staaten häufen Rekordschulden an,...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Einer der größten Käufer beginnt zu verkaufen
16.10.2026

Jahrelang kauften Zentralbanken Gold in außergewöhnlichem Umfang. Nun schlägt mit Kasachstan einer der größten Käufer einen anderen...

DWN
Politik
Politik Frühstartrente: Bundestag beschließt Frühstartrente
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Politik
Politik Wer ist wer in den Kriegen im Nahen Osten
16.10.2026

Zehn Punkte zu Staaten, Rebellen und politischen Gruppen, die für Kriege, Lieferwege und Energiepreise entscheidend sind.