Deutschland

Corona-Insolvenzwelle nimmt Fahrt auf: Nun sind die ersten Großkonzerne in Schieflage geraten

Lesezeit: 3 min
09.04.2020 14:49  Aktualisiert: 09.04.2020 14:49
In den vergangenen Wochen haben – meist unbeachtet von der überregionalen Berichterstattung – dutzende Firmen Insolvenz angemeldet. Inzwischen finden sich immer mehr bekannte Namen unter den Pleite-Kandidaten.
Corona-Insolvenzwelle nimmt Fahrt auf: Nun sind die ersten Großkonzerne in Schieflage geraten
Die Logos von Karstadt und Kaufhof. (Foto: dpa)
Foto: Christophe Gateau

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Im Zuge des von der Corona-Pandemie verstärkten Wirtschaftsabschwungs haben in den vergangenen Wochen in Deutschland zahlreiche Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Die DWN hatten bereits vor einigen Wochen über die damals bundesweit noch relativ unbeachtete Entwicklung berichtet.

Die im Zuge der Corona-Pandemie erlassenen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen haben in den vergangenen Wochen nun aber zu einer deutlichen Zunahme der Pleiten geführt. Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zufolge sind inzwischen etwa 20 Prozent aller deutschen Unternehmen akut von einer Pleite bedroht. Neu ist zudem, dass vermehrt auch bekannte Namen Insolvenz anmelden müssen.

Liste aktueller Fälle (nicht vollständig):

Galeria Karstadt Kaufhof – Deutschlands letzter Warenhauskonzern: 28.000 Mitarbeiter sind bundesweit betroffen. Der neue Generalbevollmächtigte von Galeria Karstadt Kaufhof, Arndt Geiwitz, will bei der Rettung des letzten großen deutschen Warenhauskonzerns vorerst ohne staatliche Hilfskredite auskommen. „Wir werden zunächst keine Mittel aus den nun mithilfe der KfW-Bank bereitgestellten Töpfen in Anspruch nehmen“, sagte er der Lebensmittel Zeitung. Der Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof, René Benko, hatte in dieser Woche zur Unterstützung des Unternehmens noch einmal weitere 140 Millionen Euro überwiesen. Wie lange das Geld reicht, hänge davon ab, wann und in welchem Umfang die Kaufhäuser wieder öffnen dürfen, sagte Geiwitz. Das Unternehmen habe kaum Bankschulden und das Geschäftsmodell stimme.

Restaurantkette Vapiano: In Deutschland sind 55 Restaurants und etwa 3.800 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen. Tagesschau.de schreibt: „Angeschlagen war Vapiano schon vorher. Die Folgen der Corona-Krise, geschlossene Restaurants und Ausgangsbeschränkungen, waren für das Management aber endgültig nicht mehr zu bewältigen.“

Modekonzern Esprit: Vorsorgliche Insolvenz angemeldet, 2.300 Mitarbeiter sind hierzulande betroffen. „Dies ist der richtige Schritt für Esprit, da die Corona-Virus-Pandemie dramatische Auswirkungen auf unser Geschäft hat“, sagte Esprit-Chef Anders Kristiansen laut Mittteilung.

Schuhändler Colloseum aus Oberhausen: Insolvenz angemeldet, 160 Filialen und 2.300 Mitarbeiter betroffen.

AppelrathCüpper: Der traditionsreiche Kölner Modehersteller meldete am Dienstag Insolvenz in Eigenverantwortung an, weil er nicht auf KfW-Darlehen zugreifen konnte. 16 Filialen werden geschlossen, etwa 1000 Mitarbeiter arbeitslos. „Wir waren auf einem guten Weg. Dann hat uns der März mit Corona und den Häuserschließungen kalt erwischt", zitiert die "Textilwirtschaft CEO Lothar Schäfer. „Leider haben wir trotz eines Antrags keinen Zugriff auf KfW-Darlehen erhalten, so dass wir nur noch die Option hatten, eine Insolvenz in Eigenverwaltung anzustreben" wird der Finanzchef des Unternehmens zitiert.

Restaurantkette Maredo: 35 Restaurants werden geschlossen, etwa 900 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Ab Mai sollen Restaurants wieder öffnen, weil bis etwa Juli 2020 Kurzarbeitergeld und Zuschüsse der Arbeitsagentur ausgehandelt wurden, um die Angestellten zu bezahlen.

Klinikum in Peine: Löhne können noch 3 Monate ausgezahlt werden, 800 Mitarbeiter bangen um den Arbeitsplatz.

Mehrere Gesellschaften der Münchner Arwe-Gruppe: In Deutschland sind über 1.200 Beschäftigte von den Insolvenzen betroffen, davon viele in Teilzeit. Hinzu kommen rund 1.800 Aushilfskräfte.

Automobilzulieferer Sitronic: 300 Mitarbeiter in Baden-Württemberg und Bayern betroffen.

Autoteile-Onlineshop Pöllath: 450 Mitarbeiter betroffen, Betrieb läuft derzeit weiter.

Sportartikel-Händler YEAH! AG aus Hanau: 420 Mitarbeiter sind bundesweit betroffen, Insolvenzgeld der Arbeitsagentur für die Mitarbeiter

Autozulieferer Moll: Der 1945 gegründete Batteriezulieferer hat die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Coburg beantragt. Der durch die Corona-Krise verursachte plötzliche, massive und dauerhafte Absatzrückgang lasse dem Unternehmen keine andere Wahl. 300 Mitarbeiter sind betroffen.

Mode- und Spielwarenhändler Kanz Financial Holding: Rund 220 Mitarbeiter im Raum Stuttgart betroffen.

Elektro-Autobauer E-Go: Das Aachener Startup hat aufgrund der Corona-Maßnahmen Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet, die Produktion steht wegen der Corona-Maßnahmen seit Ende März steht still.

Autozulieferer Arlington Germany: Insolvenz in Eigenverantwortung, rund 300 Mitarbeiter betroffen, Produktion steht still.

Traditionsunternehmen Kahla Porzellan in Thüringen: Rund 250 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.

Traditionsunternehmen Glas Zange: „Indirekt wegen Corona“, musste Dieter Zange vergangenen Donnerstag vorläufige Insolvenz beim Amtsgericht Weiden beantragen. Er führt den gleichnamigen Glashersteller in vierter Generation und will mit allen 84 Mitarbeitern weitermachen.

Möbelhändler Sitzfeld aus Berlin: Insolvenz, Zahl der betroffenen Mitarbeiter nicht bekannt.

Küchenhändler Brigitte: Insolvenz in Eigenverantwortung, 330 Mitarbeiter betroffen.

Wintermeier GmbH Maschinenbau & Frästechnik: Zahl der betroffenen Mitarbeiter unbekannt.

Kindermodehändler tausendkind: Rund 110 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.

Sandwich Fashion Group: Insolvenz beantragt, Zahl der betroffenen Mitarbeiter unbekannt. „Durch den vollständigen Umsatzverlust nach der Schließung aller Stores und Flächen infolge des Coronavirus (Covid-19) kann der Neustart der Marke nicht fortgesetzt werden“, schreibt das Unternehmen.

Hamann Reifenlager & Service GmbH: Insolvenz Anfang März angemeldet, Zahl der betroffenen Mitarbeiter unbekannt.

 



DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krise bei Daimler - ein Vorgeschmack auf die internen Kämpfe, die deutschen Autobauern noch bevorstehen

Im zunehmend eskalierenden Streit bei Daimler droht die Führung dem Betriebsrat nun offen. Die Auseinandersetzungen sind Folge des...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation voraus? Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge M1 wächst stark

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge zeigt deutliche Zuwachsraten. Insbesondere das starke Wachstum der liquiden Menge M1 könnte...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Rhodium: Das edelste aller Metalle sprengt den Preisrahmen

Der Höhenflug von Rhodium nimmt kein Ende. Mittlerweile ist das „edelste aller Metalle“ mehr als achtmal so viel Wert wie Gold. Kann...

DWN
Politik
Politik Bundesrat stimmt zu: Im August kommt der Personalausweis mit Fingerabdruck

Ab August 2021 wird der Personalausweis die Fingerabdrücke des Trägers enthalten. Bei Kinderreisepässen sollen Eltern offenbar zur...

DWN
Deutschland
Deutschland In Sachsen-Anhalt entscheidet sich, ob der Rundfunkbeitrag deutschlandweit erhöht wird

Es liegt an einer Abstimmung des Landtages in Magdeburg, ob der Rundfunkbeitrag in ganz Deutschland erhöht wird.

DWN
Politik
Politik Hiobsbotschaft: Merkel will Unternehmen nicht durch die gesamte Corona-Krise hindurch unterstützen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat deutlich gemacht, dass die milliardenschweren Finanzhilfen nicht unbeschränkt geleistet werden können....

DWN
Politik
Politik Treffen mit Hintergedanken: China und Südkorea gehen aufeinander zu

Der Besuch des chinesischen Außenministers in Südkorea verdeutlicht das Bestreben beider Seiten, die angespannten Beziehungen zu...

DWN
Politik
Politik Großkonzerne und Staaten arbeiten an der lückenlosen Überwachung aller Reisenden

Zusammen mit Geheimdiensten und Staaten arbeiten die im Weltwirtschaftsforum zusammengeschlossenen Großkonzerne an der totalen...

DWN
Deutschland
Deutschland Demonstrationen im Kreis Hildburghausen: Polizei setzt Tränengas ein, erste Anzeigen durch neues Infektionsschutzgesetz

Der Kreis Hildburghausen in Thüringen soll derzeit die bundesweit am stärksten von Corona betroffene Region sein. Gegen die dort...

DWN
Politik
Politik Reisen nur noch mit Corona-Impfung? Digitaler Gesundheitspass wird zur Realität

Alsbald soll beim internationalen Flugverkehr ein digitaler Gesundheitspass, der dann wegen der Corona-Krise als Impfpass dienen soll, zum...

DWN
Finanzen
Finanzen So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das Eigenheim als Altersvorsorge? Viele Deutsche träumen davon. Doch nur wenige besitzen hierzulande tatsächlich die Immobilie, die sie...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker: Wirtschaft kritisiert verlängerten Lockdown – „langfristige Perspektive fehlt“

Lesen Sie alle relevanten Entwicklungen und Meldungen zur Corona-Pandemie im Liveticker.

DWN
Politik
Politik Corona-Knaller: China behauptet, Virus auf deutschen Verpackungs-Importen gefunden zu haben

China behauptet, das Corona-Virus auf Verpackungen von Nahrungsmittel-Importen gefunden zu haben. „China hat das Virus auf der Verpackung...

DWN
Politik
Politik US-Amerikaner behaupten: Mehr als eine Million Corona-Infektionen in Deutschland

Die Gesamtzahl der bislang nachgewiesenen Corona-Infektionen in Deutschland hat US-Forschern zufolge die Marke von einer Million...