Wirtschaft

Wegen Preisverfall: Opec kündigt massive Reduzierung ihrer Fördermenge an

Die Opec hat angekündigt, die Fördermenge drastisch zu reduzieren, um den zuletzt massiv gefallenen Ölpreis wieder in die Höhe zu treiben.
10.04.2020 18:39
Lesezeit: 3 min
Wegen Preisverfall: Opec kündigt massive Reduzierung ihrer Fördermenge an
Eine Bohrinsel: Der Ölpreis ist innerhalb von weniger als zwei Monaten um rund die Hälfte gefallen. (Foto: dpa) Foto: Carina Johansen

Das Öl-Kartell Opec und seine Kooperationspartner wollen angesichts der Corona-Krise deutlich weniger Erdöl fördern. Die „Opec+“ genannte Runde mit den Schwergewichten Saudi-Arabien und Russland hat am heutigen Freitag nach stundenlangen Verhandlungen eine Produktionskürzung um zehn Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag für Mai und Juni angekündigt - das entspricht rund zehn Prozent der weltweiten täglichen Rohölproduktion. Nach anfänglichem Zögern stimmte auch Mexiko, das zu der Staatengruppe gehört, der Vereinbarung zu. Zunächst blieb aber offen, ob der von Mexiko zugesagte Anteil den anderen Ölförderstaaten genügt.

Nach dem Opec+-Beschluss soll die Produktion von Juli bis Dezember dann um täglich acht Millionen Barrel Öl gesenkt werden, zwischen Januar 2021 und April 2022 um sechs Millionen Barrel. Als Ausgangsniveau wurde jeweils die Produktionsmenge vom Oktober 2018 festgelegt, für Saudi-Arabien und Russland gilt ein eigenes Ausgangsniveau von elf Millionen Barrel pro Tag. Ob die Entscheidung den Ölpreis und damit auch die Preise an den Tankstellen wieder steigen lässt, ist deshalb noch nicht klar.

Hintergrund der Kürzung ist, dass die Corona-Krise und ein Preiskampf zwischen Saudi-Arabien und Russland den Ölpreis haben abstürzen lassen. Die Opec+ erwartet nun von anderen großen Öl-Nationen wie den USA, dass auch sie künftig deutlich weniger Öl aus dem Boden holen als bisher.

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador sagte vor Journalisten, die Einigung sei dank der Vermittlung von US-Präsident Donald Trump zustande gekommen. Mexiko habe sich bereit erklärt, seine Ölproduktion um 100.000 Barrel am Tag zu reduzieren. Der Forderung einer Kürzung um täglich 400.000 Barrel habe das Land allerdings nicht zugestimmt, weil es gerade erst mit großer Anstrengung seine Produktion erhöht habe. Trump habe zugesagt, dass die USA zusätzlich zu ihrer bisherigen Zusage ihre Produktion um weitere 250.000 Barrel am Tag kürzen würden, sagte López Obrador.

Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent lag am 19. Februar noch bei fast 60 US-Dollar - am 1. April kostete das Fass dann bloß noch rund 25 Dollar. Am Donnerstag kletterte der Brent-Preis zeitweise wieder auf rund 33 Dollar, ließ während des Opec-Meetings aber wieder nach.

Vor allem die Frage nach den Ausgangsniveaus ist heikel: Im Oktober 2018 produzierte die Opec+ mehr Öl als zuletzt. Bis Ende März hatte sich die Gruppe ein Förderlimit gesetzt: 2,1 Millionen Barrel weniger als im Oktober 2018. Saudi-Arabien produzierte damals rund 10,6 Millionen Barrel Rohöl täglich, im Februar 2020 waren es noch 9,6 Millionen Barrel. Nun darf das Königreich seine Kürzung aber von 11 Millionen Barrel aus berechnen. Der Teufel steckt also im Detail.

Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo erklärte in seiner Eröffnungsrede der Verhandlungen am Donnerstag, dass die Organisation für das Jahr 2020 von einem Nachfrage-Rückgang beim Rohöl um 6,8 Millionen Barrel pro Tag ausgehe. Im zweiten Quartal dürfte der Rückgang laut Barkindo sogar rund zwölf Millionen Barrel täglich betragen. «Das sind atemberaubende Zahlen. Beispiellos in der Neuzeit», so Barkindo.

Beim Opec+-Treffen Anfang März hatten sich Saudi-Arabien und Russland noch zerstritten und konnten sich nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen. Seit Jahren versucht die Opec+, mit Förderlimits den Ölpreis zu stabilisieren - durch das Fehlen eines neuen Deals liefen diese Beschränkungen aber Ende März aus. Der sich deutlich abzeichnenden Corona-Krise zum Trotz fuhren die Streithähne ihre Produktion hoch - und trieben den Ölpreis rasant in den Keller.

Um mit Produktionskürzungen angesichts der globalen Virus-Krise nun den Preis wieder heben zu können, hoffen die 23 Opec+-Staaten auf die Hilfe anderer Staaten - schließlich will das Kartell die Last nicht alleine tragen. Kanada und Norwegen deuteten zuletzt schon Interesse an einer gemeinsamen Strategie an, die Skandinavier nahmen auch an den stundenlangen Opec+-Beratungen teil. Auch die Organisation der afrikanischen Öl-Staaten (APPO) stellte sich am Donnerstag demonstrativ hinter die Opec+.

Am Freitag sollte auch eine Telefonkonferenz der G20-Energieminister stattfinden, auf der die Zukunft des Ölmarkts ebenfalls eine Rolle spielen dürfte. Als entscheidend galt dabei die Reaktion der USA. US-Präsident Trump hatte sich zuletzt mit Blick auf eine Drosselung der Rohölproduktion in seinem Land sehr zurückhaltend gezeigt. Am Donnerstag (Ortszeit) sagte er, dass er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem saudischen König Salman ein «sehr gutes Gespräch» geführt habe, bei dem auch die Opec+-Beratungen thematisiert wurden. Der Ball liegt nun bei ihm, Trump.

Eine Kürzung der Rohölproduktion um zehn Millionen Barrel am Tag entspräche etwa zehn Prozent der gesamten, weltweiten Produktion vor der Corona-Krise. Der Anteil der 13 Opec-Staaten am globalen Ölmarkt betrug zuletzt etwas weniger als 30 Prozent, gemeinsam mit den zehn Kooperationspartnern («Opec+») sind es rund 45 Prozent.

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