Deutschland

Der ultimative Corona-Indikator: Nachfrage nach Klopapier sinkt

Ein führender deutscher Hersteller von Toilettenpapier bestätigte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten einen deutlich höheren Auftragseingang während Corona. Doch mittlerweile geht die Nachfrage nach Toilettenpapier wieder zurück.
02.05.2020 09:34
Lesezeit: 2 min
Der ultimative Corona-Indikator: Nachfrage nach Klopapier sinkt
Eine Zeitlang waren Hamsterkäufe von Toilettenpapier in Deutschlands Supermärkten Alltag - doch jetzt verläuft der Absatz zunehmend wieder in normalen Bahnen. (Foto: dpa) Foto: Rene Traut

Die Wepa-Gruppe gehört zu den europaweit führenden Hygiene- und Toilettenpapier-Herstellern. Das Unternehmen hat über 3.700 Mitarbeiter und einen jährlichen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen kontrolliert 25 Prozent des deutschen Marktes für Hygiene- und Toilettenpapiere.

Während der Corona-Krise war die Nachfrage nach Toilettenpapier drastisch angestiegen. Eine Wepa-Sprecherin sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: “In der aktuellen Situation fokussieren wir uns als Wepa-Gruppe auf zwei Aspekte: zum einen, die Gesundheit unserer Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und zum anderen, alles uns Mögliche zu tun, um gemeinsam mit unseren Kunden die Versorgungssicherheit im Bereich der Hygienepapiere zu gewährleisten. Aufgrund der gestiegenen Abverkäufe im Handel haben wir einen deutlich höheren Auftragseingang verzeichnet. Wir haben unsere Produktion soweit es geht der Nachfrage angepasst. Auf Nachfrageschwankungen können wir u.a. durch eine gezielte Sortimentssteuerung reagieren. Um eine maximale Versorgung mit unseren Produkten sicherzustellen, konzentrieren wir uns derzeit auf die Produktion von Standardartikeln. In Absprache mit unseren Kunden wird beispielsweise auf individuelle Prägungen verzichtet.”

Wepa-Chef Martin Krengel hatte zuvor dem Handelsblatt gesagt: “Es wird zwar mehr geordert und gekauft, aber nicht mehr verbraucht. Wir müssen die Lage täglich neu bewerten”. Er gehe davon aus, dass “das erhöhte Hygiene-Bewusstsein langfristig bestehen bleibt und die Verbraucher auf die Handreinigung mit Papierhandtüchern verstärkt Wert legen”.

Doch nach Hamsterkäufen zu Beginn der Corona-Pandemie scheint sich das Kaufverhalten der Verbraucher zu ändern. Nach einer eingeschränkt repräsentativen Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes lag beispielsweise der Absatz von Toilettenpapier in der Woche nach Ostern (13.-19.4) wie schon in der Vorwoche fast zwei Drittel unter dem Durchschnittswert der Monate August 2019 bis Januar 2020. Auch bei anderen Produkten wie Teigwaren, Reis und passierten Tomaten, mit denen sich die Verbraucher zuvor in großem Stil eingedeckt hatten, sank der Absatz. Als Gründe vermuteten die Statistiker am 23. April 2020 kurzzeitige Engpässe beim Angebot sowie eine Sättigung des Bedarfs.

Eine ähnliche Entwicklung konstatierte das Markforschungs-Unternehmen Nielsen. In den vergangenen Wochen habe sich mehr als ein Drittel der Verbraucher in Deutschland im Lebensmitteleinzelhandel und in den Drogeriemärkten bevorratet, sagte Jens Ohlig, Vorsitzender der Geschäftsführung von Nielsen Deutschland, Österreich und der Schweiz der Deutschen Presse-Agentur. “Aktuell beobachten wir jedoch, dass sich die Einkäufe (…) langsam wieder in Richtung Normalbereich bewegen.”

Das liegt nach seiner Einschätzung auch daran, dass sich die Verbraucher mit bestimmten Produkten für längere Zeit eingedeckt haben. “So beobachten wir etwa bei Toilettenpapier oder Suppen im Vorjahresvergleich bereits einen Rückgang”, sagte Ohlig. Das Marktforschungsunternehmen wertet die Absatzentwicklung bestimmter Produkte im Lebensmittelhandel und bei Drogerien im Vergleich zur Vorjahreswoche aus.

Vor Ostern (6.-12.4) deckten sich die Verbraucher stark mit Bier (plus 26 Prozent) oder Wein (plus 3 Prozent) ein. In den Wochen davor und danach war die Nachfrage nach Alkohol dagegen eher unterdurchschnittlich. Auch der Absatz von Kondomen war vor den Feiertagen vergleichsweise hoch (plus 6 Prozent). Besonders begehrt waren sie den Angaben zufolge aber vom 12. bis 22. März (plus 56 Prozent).

Überdurchschnittlich groß ist weiterhin die Nachfrage nach Seife und Desinfektionsmitteln, auch wenn die Verkaufszahlen nicht mehr so hoch wie im März seien. In der Woche nach Ostern lag der Absatz von Desinfektionsmitteln um 71 Prozent über dem Durchschnitt der sechs Monate von August 2019 bis Januar 2020. Bei Seife waren es 10 Prozent mehr.

Zugleich ist in der Krise die Nachfrage nach Obst und Gemüse gestiegen. Nach Angaben der Statistiker lagen die Absatzzahlen von Obst zuletzt weiterhin um 4 Prozent und von Gemüse um 10 Prozent über dem Sechs-Monats-Durchschnitt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Experten-Interview: Wein ist eine interessante alternative Investition – vor allem auf lange Sicht
18.07.2026

Wein kann als alternative Geldanlage interessant sein, besonders über längere Zeiträume. Entscheidend sind Herkunft, Lagerung,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
18.07.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
18.07.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...