Finanzen

Deutsche Bank unsicher: Soll sie Venezuelas Gold der Regierung übergeben oder der Opposition?

Der Rechtsstreit darüber, wem das venezolanische Staatsgold gehört, das von der Bank of England verwahrt wird, nimmt eine neue Wende.
29.05.2020 13:39
Aktualisiert: 29.05.2020 13:39
Lesezeit: 1 min
Deutsche Bank unsicher: Soll sie Venezuelas Gold der Regierung übergeben oder der Opposition?
Venezuelas Staatschef Nicolas Maduro. (Foto: AFP) Foto: AFP

Im Rechtsstreit um Venezuelas Staatsgold bemüht die Deutsche Bank die Justiz. Die Bank will erreichen, dass ein Richter darüber entscheidet, ob die rund 100 Millionen Pfund aus einem beendeten Gold-Swap-Abkommen, die derzeit im Besitz von Konkursverwaltern sind, an die Regierung von Präsident Nicolas Maduro übergeben werden sollen oder an das vom selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaido geführte Team.

Das Anliegen der Deutschen Bank, das zuvor geheim gewesen war, wurde am Donnerstag in London enthüllt, als es um eine ähnliche Angelegenheit der "Bank of London" ging. Obwohl es sich um getrennte Klagen handelt, geht es bei beiden um die Frage der Legitimität der venezolanischen Zentralbank.

Die Bank of England, die im Namen Venezuelas Gold hält, hatte sich darüber beschwert, dass sie zwischen den zwei konkurrierenden Forderungen gefangen ist. Die Deutsche Bank will, dass das Gericht über die Gelder entscheidet, die sie zurückgestellt hat, nachdem sie im vergangenen Jahr ein Gold-Swap-Abkommen mit der venezolanischen Notenbank im Wert von 750 Millionen Dollar gekündigt hatte.

Sowohl die Bank of England als auch die Deutsche Bank wollen mit ihren Verfahren eine gerichtlich Entscheidung darüber herbeiführen, wen Großbritannien formell als Präsidenten von Venezuela anerkennt. Richter Nigel Teare sagte laut einem Bericht von Bloomberg, dass das Gericht die Frage Ende Juni entscheiden wird.

Auch wenn Staaten wie die USA Maduros Wiederwahl im Jahr 2018 als Wahlfälschung betrachten, kontrolliert Maduro weiterhin Venezuelas Ministerien, Gerichte, Streitkräfte sowie die Notenbank. Allerdings wurde Guaido in den vergangenen 16 Monaten von den USA und mehr als 50 weiteren Ländern als legitimer Übergangspräsident von Venezuela anerkannt.

Kürzlich hat Venezuela erneut verlangt, dass die Bank of England 17 Tonnen Gold im Wert von rund 930 Millionen Euro liquidiert und die Gelder an das Entwicklungsprogramm der UN überweist. Das Programm arbeitet mit Venezuela zusammen, um für den Fall einer möglichen Zunahme an Covid-19-Fällen vorzusorgen.

Schon Ende 2018 hatte das südamerikanische Land die Herausgabe des Goldes gefordert. Doch die britische Zentralbank weigerte sich wegen der US-Sanktionen gegen die Regierung von Nicolas Maduro, das Gold herauszugeben. Im Zuge der Verschärfung der Wirtschaftskrise hat die venezolanische Regierung ihre Kritik an der britischen Notenbank verstärkt und ihr zuletzt sogar vorgeworfen, Venezuela regieren wollen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Werden Kippen viel teurer? Tabakbranche warnt vor "Exzess"
15.09.2026

Damit der Bund zusätzliche Einnahmen erzielt, sollen Deutschlands Raucher stärker zur Kasse gebeten werden als bisher. Doch bringt das...

DWN
Finanzen
Finanzen Northrop Grumman-Aktie: Dieser Megaauftrag könnte den Kurs zünden
15.09.2026

Europas Rüstungsaktien sind davongezogen, doch ausgerechnet ein US-Gigant hinkt hinterher. Northrop Grumman steht vor milliardenschweren...

DWN
Technologie
Technologie United States Space Force: USA bestätigen Weltraumwaffen
15.09.2026

Der Weltraum wird zum neuen militärischen Machtfeld: Die USA bestätigen erstmals offiziell Waffen im Orbit. Dahinter steht die United...

DWN
Politik
Politik Merz kündigt Entlastungen bei Spritpreisen an
15.09.2026

Die Spritpreise steigen weiter und bringen immer mehr Autofahrer an ihre Belastungsgrenze. Kanzler Merz kündigt nun schnelle Entlastungen...

DWN
Politik
Politik "Vor Kraft kaum laufen": AfD will Volkspartei werden
15.09.2026

Die rechtspopulistische AfD hat in Sachsen-Anhalt einen historischen Wahlerfolg erzielt und könnte am kommenden Sonntag weiter zulegen....

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie springt über 1.000 Euro: Neuer Auftrag sorgt für Rückenwind – ist das die Trendwende?
15.09.2026

Die Rheinmetall-Aktie meldet sich mit einem kräftigen Kurssprung über die Marke von 1.000 Euro zurück. Ein neuer Munitionsauftrag...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zerfällt die WTO?
15.09.2026

Die Welthandelsorganisation WTO verliert weiter an Bedeutung. Sie warnt nun vor massiven Wohlstandsverlusten, wenn sich die Weltwirtschaft...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Heatflation: Der stille Inflationstreiber – warum Hitze Lebensmittel verteuert
15.09.2026

Dürre, Ernteausfälle und sinkende Erträge: Noch bleibt es an der Supermarktkasse erstaunlich ruhig. Doch mit zunehmenden Wetterextremen...