Weltwirtschaft

Israel und Türkei erleben Blütezeit beim Handel

Lesezeit: 2 min
08.07.2020 17:09
Aufgrund der Corona-Krise erlebt der bilaterale Handel zwischen der Türkei und Israel einen Aufschwung. Ein israelischer Diplomat plädiert für enge Beziehungen zwischen Jerusalem und Ankara, weil sie gemeinsame Interessen hätten.
Israel und Türkei erleben Blütezeit beim Handel
Benjamin Netanjahu und Recep Tayyip Erdoğan. (Foto: dpa)
Foto: -

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Dem türkischen Rat für Außenwirtschaftsbeziehungen (DEIK) zufolge hat sich die Corona-Krise positiv auf die türkisch-israelischen Handelsbeziehungen ausgewirkt, weil sich mittlerweile israelische Produzenten und Importeure von China weg in Richtung Türkei orientieren. Ausschlaggebend seien die geografische Nähe, qualifizierte Produktionsmethoden und angemessenen Preise.

„Israelische Hersteller und Importeure mussten nach der Corona-Krise in China nach Alternativen suchen“, sagt der DEIK-Vertreter Ibrahim Sinan Ak. Ak sagt, dass die türkischen Exporte von Tabak und Getränken nach Israel in dieser Zeit um 31 Prozent gestiegen seien. Die Exporte von Zement-, Asbest-, Gips-, Keramik- und Glasprodukten stiegen ebenfalls um 22 Prozent.

„Andererseits hat der Bausektor in Israel während der Pandemie nie aufgehört, was zu einem Anstieg der israelischen Importe von für den Bau benötigten Materialien geführt hat“, zitiert der englischsprachige Dienst der Nachrichtenagentur Anadolu Ak.

Seit 2008 ist das Volumen des türkisch-israelischen Handels um 60 Prozent auf 5,6 Milliarden US-Dollar gestiegen, während die Zahl der israelischen Touristen im Jahr 2019 eine halbe Million überschritten hatte - ein Anstieg von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so das Middle East Eye.

„In den komplexen Perspektiven der türkisch-israelischen Beziehungen bleibt die palästinensische Frage ein Bereich der Konfrontation, während der bilaterale Handel fortgesetzt wird und beide Seiten offen für Verhandlungen im Energiebereich bleiben“, berichtet Al-Monitor.

Roey Gilad, Israels Charge 'd'Affairs für die Türkei, veröffentlichte am Donnerstag in der türkischen Zeitung „Halimiz“ einen Artikel, in dem er argumentiert, dass Israel und die Türkei gemeinsame Interessen haben. Die Vorfälle in Idlib hätten gezeigt, dass die Türkei und Israel auf derselben Seite stehen, zumal die iranischen Ambitionen in Syrien den Interessen der Türkei widersprechen.

Im Verlauf der Corona-Krise sei deutlich geworden, dass die meisten medizinischen Schutzausrüstungen durch die türkische Industrie produziert wurden. Auf der anderen Seite habe man gesehen, dass die israelische Technologie in der Forschung gegen das Corona-Virus eine wichtige Rolle spielt. Es gebe eine lange Liste gemeinsamer Interessen, die den Handel, den Tourismus, den Energiesektor und die akademische Zusammenarbeit umfassen. „Die Türkei und Israel müssen nicht in allen Bereichen einen Kompromiss aushandeln. Politische Unterschiedlichkeiten hat es immer gegeben und wird es immer gegeben. Wir müssen nicht immer derselben Meinung sein“, so Gilad. Doch die Syrien-Krise habe gezeigt, dass es gemeinsame Interessen gebe. Es sei an der Zeit, sich den Realitäten zu stellen.

Die Jerusalem Post berichtete, dass Israel von der Türkei sehr viel gelernt habe, was den Kampf gegen die Hisbollah angehe. Die Israelis sollen die Kämpfe zwischen türkischen Einheiten und Hisbollah-Einheiten in Syrien beobachtet haben.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Am Tag der deutschen Einheit: Polen fordert Reparationen von Deutschland

Polen hat seine Drohung gegen Deutschland wahr gemacht. Das Land fordert jetzt offiziell Reparationszahlungen aufgrund des Zweites...

DWN
Deutschland
Deutschland Regierungsberater warnen: Das Sozialsystem ist gefährdet

Die Finanzierbarkeit der deutschen Sozialkassen stehen auf dem Spiel, warnen Regierungsberater. Für die nächsten Generationen könnte das...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft TurkStream-Pipeline: Lizenzentzug durch neue Sanktionen

Die kürzlich beschlossenen schärferen Sanktionen gegen Russland haben Folgen für die TurkStream-Pipeline. Der Gaspipeline wurde die...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum der Dollar unter Druck immer stärker wird

Trotz zügelloser Inflation und gebremstem Wachstum wird der US-Dollar immer stärker. Das verblüfft sogar viele Experten.

DWN
Finanzen
Finanzen Credit Suisse: Kreditausfallversicherungen steigen sprunghaft an

Der neue Chef von Credit Suisse versucht, die Märkte zu beruhigen, nachdem die Kosten ihrer Kreditausfallversicherungen auf den höchsten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Navigation durch eine Welt im Schock

Machen wir uns nichts vor: Wir leben nicht länger in einer stabilen, regelgestützten Weltordnung. Die Tage der Unipolarität und des...

DWN
Finanzen
Finanzen Zollfreilager für Edelmetalle: Lohnt sich das für Privatanleger?

Mit der Lagerung im Zollfreilager sparen Privatanleger die Mehrwertsteuern auf die Weißmetalle Silber, Platin und Palladium. Ein guter...

DWN
Technologie
Technologie Boeing: Der Traum vom unbemannten E-Flugtaxi

Der US-Flugzeughersteller Boeing hat ein Konzept ausgearbeitet, wonach es in Zukunft unbemannte E-Flugtaxis geben soll. Doch davor müssen...