Politik

Anti-Rassismus-Demos: Teilnehmer infiziert, Mediziner befürchten zweite Corona-Welle

Lesezeit: 2 min
07.06.2020 02:21  Aktualisiert: 07.06.2020 02:21
Nun ist es geschehen. Die ersten Demonstranten haben sich in den USA mit dem Corona-Virus infiziert. US-Mediziner und Behörden befürchten eine zweite Corona-Welle.
Anti-Rassismus-Demos: Teilnehmer infiziert, Mediziner befürchten zweite Corona-Welle
04.06.2020, USA, Los Angeles: Ein Demonstrant in einem Spider-Man-Kostüm nimmt an einem Protest teil. (Foto: dpa)
Foto: Jae C. Hong

Mehr zum Thema:  
Politik > USA >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Politik  
USA  

Im Verlauf der aktuellen Proteste in den USA sollen sich den New York Times zufolge mehrere Demonstranten mit dem Corona-Virus infiziert haben. Behörden und Mediziner befürchten, dass die Proteste, bei denen die Teilnehmer sich weitgehend nicht an die Corona-Regeln halten, eine zweite tödliche Welle auslösen könnten. Doch genau davor hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten zuvor gewarnt.

In Georgia wurde eine Frau namens Maria Parker positiv auf das Corona-Virus getestet. Sie hatte an einem Anti-Rassismus-Protest teilgenommen, ohne eine Schutzmaske getragen zu haben.

Der American Football-Spieler Amen Ogbongmegiga teilte am 3. Juni 2020 über Twitter mit: „Nachdem ich an einem Protest in Tulsa teilgenommen UND mich gut geschützt hatte, wurde ich positiv auf das Corona-Virus getestet. Bitte, wenn Sie protestieren wollen, passen Sie auf sich auf.“

Andrew Cuoma, Gouverneur von New York, hatte allen Demonstranten dringend geraten, Corona-Tests durchführen zu lassen, um sich anschließend in Quarantäne zu begeben. „Sie haben das Recht zu demonstrieren; Sie haben das Recht zu protestieren. Aber sie haben kein Recht, andere Menschen zu infizieren. Sie haben nicht das Recht, die öffentliche Gesundheit zu gefährden.“

Robert Redfield, Chef der Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC), hatte am 4. Juni 2020 im Rahmen einer Anhörung im US-Kongress das hohe Infektionsrisiko bestätigt. Die Demonstrationsteilnehmer sollten ihren Bekanntenkreis darüber informieren, dass sie an den Protesten teilgenommen haben. Zudem sollten sie sich innerhalb von drei bis sieben Tagen testen lassen, so Redfield auf C-Span.

Dr. Katie Passaretti, Ärztliche Direktorin für Infektionsprävention bei Atrium Health in Charlotte (North Carolina), sagte gegenüber CNBC, dass die Proteste allein nicht verantwortlich seien für die neuen Corona-Ausbrüche. Doch sie würden die Übertragungskette verkomplizieren, was wiederum ein hohes Risiko darstelle. In New York seien Fortschritte bei der Pandemie-Eindämmung gemacht worden. Doch es bestehe die Gefahr, dass die Proteste Städte wie New York zurückwerfen.

Bob Bednarczyk von der Emory University meint: „Die Menschen sind gezwungen, bei solchen Protesten in engem Kontakt zu treten, zu schreien und zu singen - beides Faktoren, die zur Verbreitung beitragen. Ich bin sehr besorgt über die Verwendung von Tränengas, um diese Proteste zu beenden.“

Die Verwendung von Tränengas veranlasse die Demonstranten zu einem heftigen Husten, was wiederum zu einer stärkeren Verbreitung des Virus führen könne.

CNN berichtet, dass die Proteste eine zweite Corona-Welle stark begünstigen. Tim Walz, Gouverneur von Minnesota, sagte, er sei zutiefst besorgt über einen „Super-Spreader-Vorfall“. Ein Anstieg der Corona-Fälle sei unvermeidbar.

„Aufgrund der Art und Weise, wie sich die Krankheit ausbreitet, gibt es allen Grund zu der Annahme, dass wir (…) potenziell neue Ausbrüche sehen werden“, so US-Generalchirurg Dr. Jerome Adam.

„Die Auswirkungen der Proteste auf Infektionsraten und Krankenhausaufenthalte werden in drei bis vier Wochen sichtbar werden“, so CNN-Chefkorrespondent Dr. Sanjay Gupta

„Inzwischen hat die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen weltweit nach einer von Reuters erstellten Bilanz heute Nachmittag (6. Juni 2020) sieben Millionen überschritten. Rund 30 Prozent der Infizierten befinden sich in den USA und 15 Prozent in Lateinamerika“, so der Guardian.

Seit Sonntag wurden in den USA 4.430 Corona-Todesfälle gemeldet. Davon fanden 1.036 Todesfälle zwischen Donnerstagmorgen und Freitagmorgen statt.

Auch das Wall Street Journal berichtet über eine zweite Corona-Welle in den USA, die offenbar ansteht.


Mehr zum Thema:  
Politik > USA >

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Trumps Energie-Politik wird revidiert: Biden bittet die Saudis um „bezahlbares Öl“

In den USA findet eine Umkehr von bislang herrschenden Dogmen in der Energiepolitik statt.

DWN
Politik
Politik USA kündigen bedingungslosen Abzug aus Afghanistan an

Die USA kündigen an, ihre Truppen bis September aus Afghanistan abzuziehen. Deutschland und die anderen Alliierten müssen mitziehen. Die...

DWN
Politik
Politik Aerosol-Forscher schreiben Brandbrief an Merkel: Ausgangssperren sind absurd und gefährlich

Die von der Bundesregierung per Sondergesetz geplanten Ausgangsbeschränkungen sind kontraproduktiv, sagen Aerosol-Forscher.

DWN
Finanzen
Finanzen Raus ins Grüne: Wie Sie ein Ferienhaus kaufen

Nicht erst zu Zeiten von Corona zieht es viele Menschen ins Grüne – darunter auch den Autor dieses Textes. Im Sommer 2020 hat er sich...

DWN
Politik
Politik Volksgesundheit geht vor: Dänemark verzichtet komplett auf AstraZeneca-Impfstoff

Deutschlands nördlichster Nachbar Dänemark verabschiedet sich als erstes EU-Land komplett vom Einsatz des Corona-Impfstoffes...

DWN
Deutschland
Deutschland Kapazitätsgrenze erreicht: Essener Klinik-Chef warnt vor "Triage vor den Mauern der Krankenhäuser"

Der Chef der Essener Uniklink spricht von einer "Selektion von Zuweisungen."

DWN
Politik
Politik Brückenkopf nach Europa: USA und Russland wollen China in der Ukraine schlagen

Wenn es in der Ukraine zu einer Eskalation kommen sollte, würde dies einen weiteren Schlag gegen die Neue Seidenstraße Chinas nach sich...

DWN
Politik
Politik Kuba läutet das Ende der Castro-Dynastie ein

Der bevorstehende Parteitag wird höchstwahrscheinlich das Ende der Castro-Dynastie einläuten.