Deutschland

Deutsche Autobauer ziehen mitten in dramatischer Verkaufs-Krise die Preise an

Die Preispolitik der deutschen Autobauer gibt Rätsel auf.
19.06.2020 11:33
Aktualisiert: 19.06.2020 11:33
Lesezeit: 1 min

Die deutschen Autobauer geben weiterhin nur geringe Rabatte auf Neuwagen. Im Mai dieses Jahres waren die Kaufanreize so gering wie seit keinem Mai-Monat seit 2012. Damit nicht genug: VW hat am 30. April die Preise für einen Großteil seiner Modelle um durchschnittlich zwei Prozent, Audi am 3. Juni die Preise zahlreicher Modelle um durchschnittlich 1,2 Prozent erhöht (wobei die Ingolstädter Inflation und gestiegene Rohstoffpreise als Gründe angeben). Nach Berechnungen des in Duisburg ansässigen „CAR-Center Automotive Research“ fiel die Zahl der Sonderaktionen im Mai mit 394 gering aus, lag zwar etwas höher als im April, aber deutlich niedriger als im Mai des Vorjahres. Auch der Kundenvorteil bei diesen Sonderaktionen war mit 13,0 Prozent relativ gering. Darüber hinaus gab es einen Rückgang bei den Eigenzulassungen – „Tageszulassungen und damit ´Schnäppchen´ werden mitten in der Krise zu Mangelware“, schreibt Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer.

Insgesamt sind die Neuwagen-Zulassungen in Deutschland in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 31 Prozent eingebrochen. Im April waren es sogar 78 Prozent. Da ist es mehr als überraschend, dass die Autobauer den Verkauf nicht stärker anzukurbeln suchen. Der Rabatt-Index des CAR-Centers offenbart eine merkwürdige Entwicklung: In allen Monaten des Jahres 2019 waren die Kaufanreize höher als in den bisherigen Monaten dieses Jahres. Hier die Übersicht (je höher der Wert, desto höher die Rabatte):

  • Januar 2019: 150
  • Februar: 152
  • März: 153
  • April: 149
  • Mai: 133
  • Juni: 130
  • Juli: 133
  • August: 129
  • September: 131
  • Oktober: 130
  • November: 128
  • Dezember: 128
  • Januar 2020: 124
  • Februar: 122
  • März: 122
  • April: 117
  • Mai: 118

Je weniger Nachfrage, desto geringer die Kaufanreize? Das ist eine merkwürdige Verkaufspolitik. Dudenhöffer zieht folgendes Fazit: „Für Autokäufer lohnt es kaum, zum Händler zu gehen. Das Motto lautet daher ´abwarten´."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Trügerische Sicherheit: Warum Ihr Lieblingspasswort eine Gefahr ist
16.05.2026

Die meisten Internetnutzer wiegen sich in Sicherheit, während sie Hackern die Tür sperrangelweit offen stehen lassen. Obwohl die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesischer Ökonom Zhang mit Hinweis an Europa: Chinas Erfolg wird falsch erklärt
16.05.2026

Chinas wirtschaftlicher Aufstieg gilt vielen als Beleg für die Stärke staatlicher Steuerung. Der Ökonom Prof. Weiying Zhang widerspricht...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Materialrückverfolgbarkeit in der Produktion: Wie Unternehmen MES-Software gezielt einsetzen
16.05.2026

Die Materialrückverfolgbarkeit entwickelt sich zunehmend zum entscheidenden Faktor für Qualität, Effizienz und regulatorische Sicherheit...

DWN
Politik
Politik Iran-Konflikt: 440 Kilo Uran und das iranische Atomprogramm verschärfen den Druck auf Teheran
16.05.2026

440 Kilogramm hoch angereichertes Uran sorgen weltweit für Sorge. Israel, die USA und der Iran ringen um Kontrolle, Sicherheit und...

DWN
Technologie
Technologie Anthropic entfacht den teuersten Machtkampf der KI-Branche
16.05.2026

Fast eine Billion Dollar Bewertung für einen KI-Konzern, der erst vor wenigen Jahren zum Herausforderer wurde. Anthropic will mit frischem...

DWN
Politik
Politik US-Verzicht auf Mittelstreckenwaffen in Deutschland: EU sucht Alternativen
16.05.2026

Der US-Marschflugkörper Tomahawk wird vorerst nicht in Deutschland stationiert. Die Verlegung von US-Mittelstreckenwaffen nach Deutschland...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EIB-Vizepräsident erklärt neue Sicherheitsstrategie: Warum Europas Verteidigung zunehmend von Banken abhängt
16.05.2026

Die Europäische Investitionsbank öffnet sich zunehmend der Verteidigungsfinanzierung und rückt damit näher an Europas neue...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Dynamik des US-Marktes verlangsamt sich, während Anleiherenditen steigen
15.05.2026

Erfahren Sie, welche treibenden Kräfte aktuell die Märkte bewegen und was Anleger jetzt unbedingt beachten sollten.