Finanzen

Bayer im Schuldenstrudel: Nach Monsanto-Desaster sind Neu-Schulden in Milliardenhöhe nötig

Die teure Übernahme des unbeliebtesten Unternehmens der Welt geht für Bayer kräftig nach hinten los. Auch nach den neuesten Milliardenzahlungen sind in den USA noch immer nicht alle Klagen ausgeräumt. Jetzt werden neue Schulden aufgenommen.
03.07.2020 07:00
Lesezeit: 2 min
Bayer im Schuldenstrudel: Nach Monsanto-Desaster sind Neu-Schulden in Milliardenhöhe nötig
Leverkusen: Werner Wenning (r), Aufsichtsratsvorsitzender, und Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG, stehen vor Beginn der Hauptversammlung neben einem Logo des Konzerns. (Foto:dpa) Foto: ---

Der Pharma- und Agrochemie-Konzern Bayer hat nur wenige Tage nach den milliardenschweren Strafzahlungen in den USA im Glyphosat-Streit neue Schulden am Anleihenmarkt aufgenommen. Wie der Dax-Konzern am Mittwochabend in Leverkusen mitteilte, wurden Anleihen im Gesamtwert von 6 Milliarden Euro und Laufzeiten von vier bis zwölf Jahren platziert. Die Verzinsung liegt bei 0,375 bis 1,375 Prozent pro Jahr. Das ist für das Dax-Unternehmen der einzige positive Aspekt der ganzen Transaktion: Die zusätzliche Neuverschuldung muss lächerlich gering verzinst werden.

Erst in der vergangenen Woche hatte Bayer sich im Streit um angebliche Krebsrisiken Glyphosat-haltiger Unkrautvernichter in den USA mit einem Großteil der Kläger in den USA geeinigt. Für das teure Erbe des 2018 übernommenen US-Saatgutkonzerns Monsanto wollen die Leverkusener 10,1 bis 10,9 Milliarden US-Dollar (9,1 bis 9,8 Milliarden Euro) in die Hand bezahlen.

Mit dem Kompromiss sollen etwa 75 Prozent der aktuellen Verfahren in den USA abgeschlossen werden - mit insgesamt etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen. Auch die restlichen Verfahren sollten in den kommenden Monaten zum Abschluss kommen.

Der Kauf von Monsanto ist somit rückblickend betrachtet äußerst teuer für Bayer gewesen – und noch sind nicht alle Rechtsrisiken vom Tisch. Sehenden Auges hatte man das heftig kritisierte Unternehmen mit Hilfe massiver Neuschulden in zweistelliger Höhe im Jahr 2018 übernommen. Die nun geleisteten Zahlungen und die Aufnahme neuer Schulden dürften die Bilanzqualität des Chemiekonzerns schwer belastet haben.

Bayer übernahm 2018 nicht nur eines der unbeliebtesten Unternehmen der Welt, dessen wichtigstes Produkt bereits ins Fadenkreuz von Umweltschützern und Verbraucherschützern geraten war – die 66 Milliarden Dollar schwere Übernahme wurde zudem durch massive Neuschulden finanziert. Das Handelsblatt bezifferte die Neuaufnahme von Verbindlichkeiten im Jahr 2018 mit etwa 35 Milliarden Euro: „Die Finanzverschuldung von Bayer wird laut Pro forma-Abschluss insgesamt auf 43,3 Milliarden Euro steigen. Nach Abzug von liquiden Mitteln und kurzfristigem Finanzvermögen von zusammen 7,8 Milliarden Euro verbleibt eine Netto-Finanzverschuldung von 35,6 Milliarden Euro. Bayer wird damit zu einem der am höchsten verschuldeten Konzerne Deutschlands, neben der Deutschen Telekom und den Autokonzernen mit ihren Finanzierungssparten.“

Überhaupt scheint das US-Justizsystem ein Fass ohne Boden für den Konzern mit Sitz in Leverkusen zu sein. Neben den Glyphosat-Prozessen einigte sich Bayer auch in anderen Rechtsstreitigkeiten und nimmt 820 Millionen Dollar in die Hand, um den wesentlichen Teil der US-Verfahren wegen des Umweltgifts PCB beizulegen. Hierbei geht es um mit Chemikalien verseuchte Gewässer.

Für 400 Millionen Dollar soll zudem der Streit um Verwehungen des Unkrautvernichters Dicamba und die daraus angeblich entstandenen Ernteschäden vom Tisch - hier erwartet Bayer allerdings einen Kostenbeitrag des ebenfalls verklagten Konkurrenten BASF.

Um die Kosten für die Vergleiche zu stemmen - maximal jeweils 5 Milliarden Dollar 2020 und 2021 und den Rest später - hatte Bayer bereits die Ausgabe von Anleihen in Aussicht gestellt. Zudem soll allein der Verkauf der Tiermedizin-Sparte 7,6 Milliarden Dollar einbringen - den Großteil davon in bar, einen kleineren Teil in Aktien des Käufers Elanco.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Immobilienmarkt unter Druck: Strategien für Käufer und Verkäufer im aktuellen Zinsumfeld

Der Immobilienmarkt in Bremen befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Nach Jahren des kontinuierlichen Preisanstiegs...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie enttäuscht Anleger: Rekordumsatz reicht nicht mehr
06.08.2026

SpaceX meldet einen spektakulären Umsatzsprung, doch an der Börse kippt die Stimmung. Die gigantischen KI-Ausgaben stellen den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrie legt zu: Rhein wird zum Konjunkturrisiko
06.08.2026

Die kriselnde deutsche Industrie hat im Juni überraschend viele Aufträge an Land gezogen. Doch das Niedrigwasser im Rhein entwickelt sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Telekom-Aktie legt zu: Mehr Geld für Aktienrückkäufe
06.08.2026

Die Telekom-Aktie startet nach starken Quartalszahlen und einem deutlich ausgeweiteten Aktienrückkaufprogramm mit Rückenwind in den...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie: Rekordgewinn stärkt Position im Übernahmekampf mit Unicredit
06.08.2026

Mit steigenden Gewinnen wollte die Commerzbank-Aktie ihre Unabhängigkeit untermauern. Die jüngste Zwischenbilanz fällt positiv aus. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie verliert Rückenwind nach F126-Aus
06.08.2026

Das Aus für das milliardenschwere F126-Projekt zwingt Rheinmetall zu einer Korrektur der Umsatzprognose. Trotz der niedrigeren Erwartungen...

DWN
Finanzen
Finanzen Siemens-Aktie profitiert: Rekord bei den Aufträgen
06.08.2026

Der Auftragseingang erreicht einen Rekordwert. Auch bei der geplanten Trennung von der Healthineers-Mehrheit kommen die Münchner voran....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dürre setzt Europas Bauern massiv unter Druck
06.08.2026

Die Dürre trifft Europas Landwirtschaft immer härter: Schlechte Ernten, knappe Futtermittel und steigende Kosten setzen viele Betriebe...

DWN
Politik
Politik Iran: Wir haben mit Oman eine Einigung über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erzielt
06.08.2026

Iran und Oman haben nach Angaben Teherans eine Einigung über eine Schiffsroute durch die Straße von Hormus erzielt. DAs wird aktuell noch...