Anleihen der italienischen Mafia wurden an globale Investoren verkauft

 

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09.07.2020 14:32
Pensionsfonds, Hedgefonds und eine der größten Banken Europas haben Anleihen im Umfang von 1 Milliarde Euro gekauft, die zum Teil von Unternehmen abgesichert waren, die zur italienischen Mafia gehören.
Anleihen der italienischen Mafia wurden an globale Investoren verkauft
Carabinieri vor dem Präsidentenpalast in Rom. (Foto: dpa)
Foto: Ettore Ferrari

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Internationale Investoren haben Anleihen gekauft, die mit den Erträgen aus Straftaten der mächtigsten italienischen Mafia gedeckt waren. Die Anleihen wurden teilweise von Scheinfirmen gedeckt, denen vorgeworfen wird, dass sie für die mächtige kalabrische Mafiagruppe ’Ndrangheta tätig sind. Dies zeigen Finanz- und Rechtsdokumenten, die der Financial Times vorliegen.

Die ’Ndrangheta hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer der reichsten und gefürchtetsten kriminellen Gruppen der westlichen Welt entwickelt. Ihre Aktivitäten umfassen Kokainhandel im industriellen Maßstab, Geldwäsche, Erpressung und Waffenschmuggel. Europol schätzt, dass die Hunderten von autonomen ’Ndrangheta-Clans einen Gesamtumsatz von 44 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften.

Die unter Beteiligung der ’Ndrangheta ausgegebenen privaten Anleihen wurden nach Angaben von Marktteilnehmern zwischen 2015 und 2019 im Umfang von 1 Milliarde Euro an internationale Investoren verkauft. Einige der Anleihen waren mit Vermögenswerten verbunden, die von Scheinfirmen für die ’Ndrangheta geschaffen wurden.

In einem Fall hat den Dokumenten zufolge sogar die italienische Banca Generali, einer der größten Privatbanken Europas, die Mafia-Anleihen gekauft. Weitere Investoren in die Anleihen waren verschiedene Pensionsfonds, Hedgefonds und Family Offices, die alle nach Wegen suchten, um in einer Zeit rekordtiefer Zinssätze hohe Renditen zu erzielen, sagen an den Geschäften beteiligte Personen.

Die Anleihen entstanden aus unbezahlten Rechnungen der italienischen Gesundheitsbehörden von Unternehmen, die diese mit medizinischen Dienstleistungen versorgen. Nach EU-Recht wird für überfällige Rechnungen, die von staatlichen Einrichtungen geschuldet werden, ein garantierter Strafzinssatz erhoben. Dies macht sie für Zweckgesellschaften attraktiv, die sie in einen großen Pool von Vermögenswerten einbringen und Anleihen ausgeben, die durch die erwartete Begleichung der Rechnungen besichert sind.

Zwar waren die meisten in dem Anleihegeschäft verbrieften Vermögenswerte waren legitim, doch einige stammten von Unternehmen, die von ’Ndrangheta-Clans kontrolliert wurden, wie sich später herausstellte. Diesen Clans war es gelungen, sich den Anti-Geldwäsche-Prüfungen zu entziehen, sodass sie von der Nachfrage internationaler Investoren nach exotischen Schuldtiteln profitieren konnten.

Ein Anleihegeschäft, das von institutionellen Anlegern gekauft wurde, enthielt Vermögenswerte, die von einem Flüchtlingslager in Kalabrien verkauft und von organisierten Kriminellen übernommen worden waren. Sie wurden später für den Diebstahl von EU-Geldern in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro verurteilt.

Fast alle der betroffenen Anleihegeschäft waren private Deals, die weder von einer Rating-Agentur bewertet oder noch auf den Finanzmärkten gehandelt wurden. Die CFE, eine in Genf ansässige Boutique-Investmentbank, konstruierte das Vehikel, das die Anleihen an die Banca Generali und andere Investoren verkaufte.

Auf Anfrage der Financial Times sagte die Banca Generali, sie habe nichts über Probleme bei den Vermögenswerten hinter den Anleihen gewusste, die sie für ihre Kunden gekauft habe. Sie habe sich darauf verlassen, dass andere Intermediäre die Anti-Geldwäsche-Prüfungen der zugrundeliegenden Portfolios durchführen würden.

"Die Banca Generali und die Banca Generali Fund Management Luxembourg erfahren im Moment von den erwähnten schlechten Nachrichten", sagte das Unternehmen gegenüber der FT. Sie sei davon ausgegangen, dass die Transaktion zulässig war, als sie in das verbriefte Portfolio aufgenommen wurden, hieß es in einer Erklärung per E-Mail.

Die CFE in Genf sagte, sie habe niemals wissentlich Vermögenswerte erworben, die mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung stehen. Sie habe alle Vermögenswerte des Gesundheitswesens, die sie als Finanzintermediär handhabte, mit großer Sorgfalt geprüft und sich auch auf die Überprüfungen anderer regulierter Fachleute gestützt, die die Rechnungen nach ihrer Erstellung in Kalabrien bearbeitet hatten.

Beide Unternehmen erklärten, dass alle rechtlichen Probleme, die nach dem Erwerb der Rechnungen auftraten, sofort den italienischen Behörden gemeldet wurden. Die CFE sagte, dass der Gesamtbetrag der Rechnungen, die sich später als mit dem organisierten Verbrechen verbunden herausstellten, nur einen sehr kleinen Teil des Gesamtbetrags der von ihr bearbeiteten Vermögenswerte im Zusammenhang mit dem italienischen Gesundheitssystem ausmacht.

Für die Strukturierung eines der von der Banca Generali gekauften Vehikel nahm die Bank die Beratungsdienste des Wirtschaftsprüfer EY in Anspruch, der gerade wegen seines Versagens im Wirecard-Betrugsskandal in die Kritik geraten ist. Allerdings war EY im Rahmen der Arbeit für die Banca Generali nicht zur Durchführung einer Due Diligence-Prüfung der Vermögenswerte in der Verbriefung verpflichtet.


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