Wirtschaft

Internationale Agrar-Konzerne wetteifern um fruchtbare „Schwarzerde“ der Ukraine

Die Ukraine beherbergt ein Drittel der weltweiten „Schwarzerde“, welche die beste Erde für die Landwirtschaft ist. Zwischen Agrarkonzernen aus den USA, der EU und China tobt ein erbitterter Kampf um das schwarze Gold.
01.08.2020 16:20
Lesezeit: 3 min
Internationale Agrar-Konzerne wetteifern um fruchtbare „Schwarzerde“ der Ukraine
Die „Schwarzerde“ der Ukraine ist begehrt. (Grafik: Sadko Consulting)

Aufgrund massiver Investitionen in ihre moderne Landwirtschaft über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten, ist die Ukraine mittlerweile der viertgrößte Getreide-Exporteur der Welt (basierend auf Weizen, Mais und Gerste). Dem Land gehört ein Drittel der „schwarzen Erde“, die als der weltweit beste Boden gilt. Als größter Staat in Europa verfügt die Ukraine über eine sehr große Anbaufläche; darüber hinaus wird das Produktionsvolumen mithilfe von IT-mechanisierter Landwirtschaft rasch immer mehr gesteigert.

In einer Kleinen Anfrage der Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE wird ausgeführt: „Die Ukraine galt in der Vergangenheit als die Kornkammer der Sowjetunion und ist wegen ihres beträchtlichen Vorkommens von Schwarzerde als besonders fruchtbar und produktiv bekannt. Mit 32 Millionen Hektar Anbaufläche verfügt die Ukraine über doppelt so viel landwirtschaftlich nutzbare Fläche wie Deutschland.“

Das Bundesministerium für Ernährung und Wirtschaft (BMEL) wörtlich: „So spielt der Agrarsektor mit seinem Anteil von 18 Prozent am BIP auch eine wichtige volkswirtschaftliche Rolle. Mit einem Beitrag von 42 Prozent zum Gesamtexport ist er sogar maßgeblicher Faktor im Handelsbereich (…) Jährlich werden in der Ukraine über 60 Millionen Tonnen Getreide produziert, davon hauptsächlich Weizen, Mais und Gerste. Mehr als die Hälfte wird exportiert. Im weltweiten Vergleich steht die Ukraine hier an vorderen Positionen. Bei Zuckerrüben ist sie einer der größten Produzenten Europas und bei den Ölsaaten Weltmarktführer. In der Südukraine ermöglichen lange Sonnenperioden teilweise zwei Ernten im Sommer, hauptsächlich Obst und Gemüse. Trotz des Rückgangs der Nutztierbestände haben die Tierproduktion und die Milchverarbeitung weiterhin Bedeutung.“

All diese Faktoren haben dazu geführt, dass deutsche Firmen ein großes Interesse daran haben, mit der Ukraine im Bereich der Agrarwirtschaft zu kooperieren. Der deutsche Landtechnik Hersteller "Horsch Maschinen GmbH" hat angekündigt, 4,5 Millionen Euro in der Ukraine zu investieren.

„Die Ukraine ist eines der Länder mit den größten Schwarzerde-Vorkommen der Welt und liegt zentral in Europa. Als Agrarland hat die Ukraine in der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt, und das wird auch in Zukunft so bleiben. Als einer der führenden Hersteller von Bodenbearbeitungsgeräten, Sämaschinen und Pflanzenschutztechnik weltweit, dürfen wir in einem solch wichtigen Markt nicht fehlen“, sagte Geschäftsführer von Horsch Ukraine, Herrn Johannes Kluth, im Gespräch mit der AHK Ukraine.

Dem Oakland Institute zufolge sind unter anderem folgende Firmen in der Ukraine vertreten:

Trigon Agri (Dänemark), Public Investment Fund (PIF) of Saudi Arabia, Saudi Al Rajhi Group, Almarai Co. (Saudi-Arabien), Renaissance Group (Russland), MK Group (Serbien), Glencore Xstrata PLC (Schweiz), Sintal Agriculture Plc und Mriya Agro Holding Public Limited (Zypern), Agrokultura AB (Schweden), AgroGeneration (Frankreich), Kernel Holding S.A. (Luxemburg) und MCB Agricole (Österreich).

Doch nicht nur deutsche und internationale Firmen, sondern auch europäische und US-amerikanische Banken und Finanzinstitutionen haben ein großes Interesse daran, die Agrarwirtschaft in der Ukraine zu entwickeln. Von der "Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung" (EBRD), der "Europäischen Investitionsbank" (EIB), der "Internationalen Finanz-Corporation" (IFC) und der "Black Sea Trade and Development Bank" wurden beispielsweise der Bau von Getreideterminals, Getreidesilos und Biogasanlagen finanziert. Hinzu kamen Kreditvergaben zur Verbesserung der Bewässerungs- und Landtechnik, berichtet Germany Trade & Invest (GTAI).

Im September 2011 berichtete die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform, dass die Export-Import-Bank von China bereit sei, „10 Milliarden US-Dollar in den Agrarsektor der Ukraine zu investieren“. Seitdem haben chinesische Unternehmen beträchtliche Mittel investiert, auch wenn diese noch weniger als zehn Milliarden US-Dollar betragen. Im September 2012 unterzeichnete die Ukraine mit der chinesischen Bank einen Darlehensvertrag über drei Milliarden US-Dollar, der der Ukraine eine Kreditlinie als Gegenleistung für einen Teil der Maisernte des Landes für einen Zeitraum von 15 Jahren garantierte. Berichten zufolge werden „chinesische Darlehen verwendet, um den Kauf chinesischer Agrartechnologien, Herbizide und Pestizide zu finanzieren“. Im Gegenzug sollten diese Investitionen „die Ernte ankurbeln und damit die Exportverpflichtungen nach China erfüllen“.

„Das Ziel dieser Kredite scheint darin zu bestehen, „einheimische landwirtschaftliche Flächen direkt zu pachten oder lokale Produzenten zu finanzieren und sie an Leihgaben für Ernten zu binden - alles mit der Absicht, Exporte zu sichern, um die Ernährungssicherheit in der Heimat zu verbessern“, so die Financial Times in einem gesonderte Bericht.

Die Anstrengungen Chinas erfolgen vor allem im Rahmen des Projekts zur Neuen Seidenstraße („One belt, One road“). Der ukrainische Infrastruktur-Minister Wladyslaw Kryklij sagte in einem Interview mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: „Das Projekt Chinas „One belt, one road“ schreitet voran, wo neue Handelswege errichtet werden, die Zentralasien mit Europa verbinden. Im Moment haben sich rund 70 Länder dieser Initiative angeschlossen, die ein Potenzial hat, das 40 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes entspricht. Die Große Seidenstraße, die das Alte China mit den europäischen Ländern verband, soll nun auch wieder die Handelsbeziehungen von Asien, Europa und dem Nahen Osten aktivieren. Zur Realisierung dieser Strategie hat China im Jahr 2015 den Spezial-Fonds ,Der seidener Weg‘ ins Leben gerufen, der über ein Budget von 40 Milliarden Dollar verfügt.“

Welches Land im Kampf um die ukrainische Landwirtschaft am Ende den Löwenanteil ergattern wird, hängt stark davon ab, wie sich die Corona-Pandemie auf die Weltwirtschaft auswirkt, und wie sich der Ukraine-Konflikt entwickelt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Greg Abel vor Bewährungsprobe: Anleger prüfen Berkshire Hathaway-Aktie
17.05.2026

Die Berkshire Hathaway-Aktie steht nach dem Machtwechsel von Warren Buffett zu Greg Abel vor einer neuen Vertrauensprobe. Kann der Konzern...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Kommission pocht auf Reformen bei ARD und ZDF
17.05.2026

Gehälterdeckel, Beitragsbremse, mehr Sparsamkeit: Eine Enquete-Kommission in Sachsen-Anhalt hat vor der Landtagswahl ehrgeizige Pläne...

DWN
Finanzen
Finanzen Trauringe aus Gold: Nachhaltig und fair Gold kaufen
17.05.2026

Viele Paare wünschen sich Trauringe aus Gold - möglichst hochwertig und langlebig. Doch die Herkunft des Edelmetalls spielt eine...

DWN
Panorama
Panorama Deutsche Bahn startet günstiges Familienticket für Sommerreisen
17.05.2026

Mit einem neuen Familienticket will die Deutsche Bahn Familien in den Sommerferien entlasten. Für unter 100 Euro sind Hin- und...

DWN
Immobilien
Immobilien Marode Gebäude und Brücken: Sanierungsstau in Berlin erreicht neue Dimensionen
17.05.2026

Von der Technischen Universität bis zum Schloss Bellevue: In Berlin häufen sich gravierende Baumängel und kostspielige...

DWN
Technologie
Technologie KI-Arbeitswelt: Wie Algorithmen den Menschen zur Restgröße machen
17.05.2026

Künstliche Intelligenz verspricht Entlastung, Effizienz und neue Chancen. Doch in der KI-Arbeitswelt zeigt sich eine andere Realität:...

DWN
Finanzen
Finanzen Eurokurs schwächelt weiter: Warum Währungsschwankungen für Unternehmen teuer werden
17.05.2026

Der Eurokurs steht seit vielen Monaten unter Druck – und für Unternehmen kann das langsam zum Problem werden. Zwischen geopolitischen...

DWN
Panorama
Panorama Trügerische Sicherheit: Warum Ihr Lieblingspasswort eine Gefahr ist
16.05.2026

Die meisten Internetnutzer wiegen sich in Sicherheit, während sie Hackern die Tür sperrangelweit offen stehen lassen. Obwohl die...