Technologie

Linde und russischer Oligarch verstärken ihre Zusammenarbeit im Flüssiggas-Sektor

Der russische Stahlkonzern Severstal, der dem mächtigen Oligarchen Alexei Mordaschow gehört, wird arg von der Pandemie gebeutelt. Jetzt verstärkt der Gigant seine Zusammenarbeit mit Linde, um ein lukratives Geschäftsfeld auszubauen.
20.08.2020 12:00
Lesezeit: 2 min
Linde und russischer Oligarch verstärken ihre Zusammenarbeit im Flüssiggas-Sektor
Eine Flüssigas-Fabrik in Norwegen. (Foto: dpa)

Der russische Stahl-Riese Severstal – ein Unternehmen des mächtigen Oligarchen Alexei Mordaschow – wird derzeit arg von der Pandemie gebeutelt: Die Erlöse sind bis Ende Juni um ein Fünftel eingebrochen, und die Nettogewinne verringerten sich um die Hälfte, so dass der Konzern unbedingt neue positive Impulse braucht, um die Misere zu überwinden.

Deswegen verstärkt der viertreichste Russe, der über ein geschätzes Vermögen von 20 Milliarden Dollar verfügt, jetzt das Geschäft mit dem lukrativen Flüssiggas. So hat sein Konzern Severstal seine Beteiligung an einem Joint-Venture von 26 auf 50 Prozent erhöht, das die Russen gemeinsam mit dem internationalen Gas-Unternehmen Linde betreiben. Es hat seinen Hauptsitz in Sankt Petersburg und stellt besondere Wärmetauscher für Flüssiggas her, die für die Produktion notwendig sind.

"Die Erhöhung unseres Anteils war der logische Schritt, um die Präsenz unseres Unternehmens auf dem Markt für die Produktion, die Lagerung und den Transport von Flüssiggas zu stärken, der sich dynamisch entwickelt", sagte der Generaldirektor von Severstal, Alexander Schewelew. "Aktuell ist die Auftragspipeline fast zu hundertprozent gefüllt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Produktionskapazitäten noch einmal zu erhöhen. Im Dezember 2019 gab es bereits den ersten Exportauftrag für das Jahr 2021", so der Manager.

Hintergrund: Der russische Stahlkonzern hatte im vergangenen Jahr einen Anteil von etwas mehr als ein Viertel an dem Unternehmen übernommen, das von Linde bereits 2017 aus der Taufe gehoben worden war. Der Plan sieht vor, dass das Joint-Venture pro Jahr sechs sogenannte spiral-gewickelte Wärmetauscher produziert. 2020/ 2021 sollte das Werk seine volle Auslastung haben.

Linde führender Anbieter von besonderer Technologie

Linde gilt als weltweit führender Anbieter dieser Technologie, die eine Schlüsselkomponente für jede Anlage zur Erdgas-Verflüssigung darstellt. Die Gewinnspannen sind sehr hoch. Da die Technologie kompliziert ist, verfügt Linde hier im Prinzip über ein Alleinstellungsmerkmal.

Bisher hat das internationale Unternehmen rund 1.000 Stück an unterschiedliche Kunden geliefert – beispielsweise nach Norwegen. So werden bei einem Projekt in Stavanger pro Jahr 300.000 Tonnen Erdgas verflüssigt.

Wie lukrativ dieses Geschäft für Linde ist, wird auch an der Bilanz deutlich: Denn die Sparte „Engineering“, zu der der Verkauf der Wärmetauscher gehört, steuert pro Jahr rund 15 Prozent zu den Gesamtumsätzen bei, die im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich liegen.

Dieser geschäftliche Erfolg hat auch seinen Grund. Denn der Markt für Flüssiggas hat in der Vergangenheit große Steigerungsraten gezeigt: So haben sich die gehandelten Volumina innerhalb von zehn Jahren zwischen 2009 und 2019 auf 485 Milliarden Kubikmeter nahezu verdoppelt. Russland kontrolliert bisher an diesem Markt einen Anteil von sechs Prozent und liegt damit auf dem sechsten Platz. Die Nummer eins ist Qatar mit etwa 25 Prozent, gefolgt von Australien (rund 22 Prozent) und Malaysia (7,7 Prozent).

Dabei stimmen auch die langfristigen Wachstumsprognosen: So rechnen die Energieexperten von Shell damit, dass sich die Nachfrage bis 2040 auf 700 Milliarden Kubikmeter Tonnen erhöhen wird. Allerdings gibt es einen kleinen Wermutstropfen: Kurzfristig dürfte das Angebot nicht weiter wachsen, weil einige LNG-Projekte erst 2021 abgeschlossen werden, glauben die Fachleute.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Carl Zeiss Meditec-Stellenabbau: Bis zu 1.000 Jobs betroffen – was das für die Aktie bedeutet
12.05.2026

Carl Zeiss Meditec reagiert auf schwache Geschäfte mit einem drastischen Sparprogramm. Der geplante Stellenabbau betrifft bis zu 1.000...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell um 81.000 Dollar: Zwischen Stabilisierung und neuer Unsicherheit
12.05.2026

Der Bitcoin-Kurs hat sich zuletzt über einer wichtigen Marke behauptet, doch von neuer Euphorie kann keine Rede sein. Zwischen...

DWN
Politik
Politik Militärische Stärke im Ukraine-Krieg: Was Europa von Kiew lernen kann
12.05.2026

Die Ukraine setzt im Krieg gegen Russland zunehmend auf technologische Überlegenheit, eigene Rüstungsstärke und engere europäische...

DWN
Finanzen
Finanzen DroneShield-Aktie mächtig unter Druck: ASIC-Untersuchung erschüttert Anlegervertrauen
12.05.2026

Ein Kurseinbruch von bis zu 15 Prozent, eine Untersuchung der Finanzaufsicht und Fragen zur Unternehmenskommunikation: Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Teures Kerosin: Reiche sieht Belastung für Urlaubsreisende
12.05.2026

Urlauber müssen sich als eine Folge des Iran-Krieges künftig auf höhere Flugpreise einstellen. Wie Wirtschaftsministerin Reiche die Lage...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Munich Re-Aktie im Fokus: Starke Zahlen, schwacher Kurs
12.05.2026

Trotz eines Gewinnsprungs von 57 Prozent belasten sinkende Preise in der April-Erneuerungsrunde die Aktie der Munich Re. Vor allem ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Teuerungsrate: Inflation in Deutschland bei 2,9 Prozent - höchster Stand seit Januar 2024
12.05.2026

Der Iran-Krieg hat das Leben in Deutschland stark verteuert. Im April stieg die Inflationsrate fast auf drei Prozent. Vor allem in einem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uniper-Aktie: Starker Start – Prognose bestätigt
12.05.2026

Der Energiekonzern Uniper überzeugt mit deutlich verbesserten Quartalszahlen und bestätigt den Ausblick für 2026. Das Gas- und...