Finanzen

Exxon Mobil muss den Dow Jones verlassen: Ein mittelgroßer Cloud-Anbieter ersetzt das elftgrößte Unternehmen der Welt

"ExxonMobil" wird aus dem Dow Jones entfernt. Die Zeit der Öl-Giganten geht zu Ende, sie werden von Tech-Unternehmen ersetzt.
25.08.2020 16:38
Aktualisiert: 25.08.2020 16:38
Lesezeit: 2 min
Exxon Mobil muss den Dow Jones verlassen: Ein mittelgroßer Cloud-Anbieter ersetzt das elftgrößte Unternehmen der Welt
Das älteste noch im Dow vertretene Unternehmen muss den Index verlassen. (Foto: dpa) Foto: Justin Lane

Die Tech-Branche boomt, die Old Economy ist dabei, abzudanken: Der steile Aufstieg der Tech-Werte in der Corona-Pandemie und die schwindende Bedeutung fossiler Energien wirbeln den wohl bekanntesten Aktien-Index der Welt, den „Dow Jones Industrial“, durcheinander. Das derzeit am längsten im Dow vertretene Unternehmen, der Ölriese „ExxonMobil“ (Umsatz: 255 Milliarden Dollar, Nettogewinn: 14,3 Milliarden Dollar), muss den Index Ende August verlassen - nach 92-jähriger Zugehörigkeit.

Auslöser für die Änderung ist der Aktiensplit von Apple, wie der Index-Anbieter „S&P“ mitteilte. In der Folge sinkt nämlich die Gewichtung des iPhone-Konzerns im Dow Jones. Deshalb müsse ein anderer Tech-Wert die Lücke schließen: Nachrücker ist der Software-Experte und SAP-Rivale „Salesforce“ (Umsatz: 17 Milliarden Dollar, Nettogewinn: 1,1 Milliarden Dollar). Der Index, so „S&P“, solle schließlich die US-Wirtschaft abbilden, die immer stärker durch Firmen aus der New Economy bestimmt wird.

„Salesforce“ ist ein Sinnbild des steilen Aufstiegs der Tech-Branche in den vergangenen Jahren. Seit den Tiefständen in der Weltfinanzkrise 2008 hat sich der Kurs des Unternehmens, das Cloud-Lösungen anbietet, in etwa vervierzigfacht. Der Konzern bringt es mittlerweile an der Börse auf einen Wert von fast 190 Milliarden US-Dollar (160 Milliarden Euro) und ist damit rund zehn Milliarden mehr wert als ExxonMobil (obwohl dessen Nettogewinn fast so hoch ist wie Salesforces Umsatz). Der Aktienkurs des Ölriesen hat sich seit Ende 2008 nahezu halbiert.

Die Änderung im Dow wird am 31. August vor dem Handelsstart umgesetzt. Dann müssen auch der Pharmakonzern „Pfizer“ und der erst vor kurzem durch eine Fusion entstandene Rüstungs- und Luftfahrtkonzern „Raytheon Technologies“ weichen. Nachrücken werden der Biotechkonzern „Amgen“ und der Mischkonzern „Honeywell“.

Apples Aktensplit wird ebenfalls am 31. August vollzogen. So erhalten die Aktionäre des Konzerns für jedes Papier drei weitere. Mit einem solchen Schritt wollen Unternehmen ihre Aktien nach starken Kursanstiegen wieder günstiger machen. Gerade Kleinanleger scheuen vor Aktien zurück, die je Stück mehrere Hundert Dollar beziehungsweise Euro kosten.

Der Apple-Kurs liegt denn auch nach einem Anstieg um mehr als 70 Prozent allein im bisherigen Jahresverlauf mittlerweile über der Marke von 500 Dollar. Durch den Split wird sich der Kurs vierteln. Zuletzt hatte Apple im Jahr 2014 seinen Wert mit der Ausgabe zusätzlicher Papiere auf mehr Aktien verteilt. Der Börsenwert des Unternehmens hatte jüngst die Schwelle von zwei Billionen Dollar überschritten.

Bei der Berechnung des Dow Jones Industrial spielen aber die Aktienkurse die wesentliche Rolle - auf die Marktkapitalisierung kommt es nicht an. Und durch den Aktiensplit von Apple wird der Kurs sinken, da sich der Wert des Konzerns auf mehr Papiere verteilt. Damit würde auch die Bedeutung der Tech-Branche zurückgehen, weshalb der Indexanbieter S&P nun nachbesserte.

Die Bedeutung des aktuellen Tech-Booms und die Nachteile, die entstehen, wenn Indizes Unternehmen der klassischen Industrie zu hoch gewichten, zeigen jeweils die Entwicklungen des Dow Jones und des Techwert-Indizes „Nasdaq 100“. Während der Dow 2020 noch immer leicht im Minus notiert, hat der Nasdaq 100 die Corona-Krise längst abgehakt und mit einem Plus von 33 Prozent im laufenden Jahr längst Rekordhöhe erreicht.

Was den Vergleich von New Economy und Old Economy angeht: Man sagt, ein Stern leuchte am hellsten, kurz bevor er verglüht. Im Dezember letzten Jahres ging Saudi Aramco“ an die Börse und erlöste mit der Ausgabe von knapp zwei Prozent seiner Aktien fast 30 Milliarden Dollar. Das saudi-arabische Staats-Unternehmen kam damit auf einen Wert von 1,8 Billionen Dollar, was es (zum damaligen Zeitpunkt) zum wertvollsten Unternehmen der Welt machte.

Vorletzte Woche dann gelang es Apple, den saudischen Ölkonzern vom Thron zu stoßen: Zwischenzeitlich erreichte der Börsenwert des 1976 in einer Garage gegründeten Soft- und Hardware-Herstellers kurzfristig die Zwei-Billionen-Marke – bis er diesen Wert konstant hält, dürfte es nicht mehr lange dauern.

Auch der Stern „Saudi Aramco“ hat noch einmal hell, ganz hell geleuchtet. Allzu lange dürfte es aber nicht mehr dauern, bis der „König des Ölzeitalters“ abdankt. Die große Zeit der Öl-Konzerne – es war das 20. Jahrhundert. Die große Zeit der Tech-Konzerne wird das 21. Jahrhundert werden. Und eines Tages repräsentieren die Apples, Googles, Facebooks, Microsofts und Amazons dieser Welt dann ihrerseits die Old Economy und werden von einer neuen Generation von Unternehmen abgelöst, deren Produkte und Geschäftsmodelle für uns derzeit noch unvorstellbar sind.

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