Finanzen

Weltgrößter Darknet-Markt plötzlich offline, Betreiber mit 30 Millionen durchgebrannt

Empire Market, einer der größten Online-Schwarzmärkte im Darknet, wo vor allem illegale Drogen angeboten wurden, ist bereits seit Sonntag offline. Offenbar handelt es sich um Betrug, und die Nutzer haben ihr Geld verloren.
27.08.2020 13:11
Aktualisiert: 27.08.2020 13:11
Lesezeit: 1 min
Weltgrößter Darknet-Markt plötzlich offline, Betreiber mit 30 Millionen durchgebrannt
Auf Darknet-Märkten werden vor allem illegale Drogen angeboten. (Foto: dpa) Foto: Nicolas Armer

Empire Market war einer der erfolgreichsten Nachfolger der berüchtigten Webseite Silk Road, die im Oktober 2013 von den Strafverfolgungsbehörden geschlossen wurde. Neben illegalen Drogen konnte man hier etwa auch gefälschte Pässe und Führerscheine sowie Schadsoftware kaufen, die für Cyber-Betrug verwendet werden kann. Bezahlt wurde mit Kryptowährungen.

In den letzten Jahren entwickelte sich Empire Market zu einem der am meisten genutzten illegalen Online-Marktplätze der Welt, nachdem die Konkurrenten AlphaBay und Hansa geschlossen worden waren. Doch nun ist plötzlich auch Empire Market offline. Offenbar sind die Administratoren der Webseite mit dem Geld von Käufern und Verkäufern verschwunden sind.

"Da die Verkäufer diese Marktplätze oft für ihre täglichen Geschäfte nutzen, haben sie aufgrund ihres großen Transaktionsvolumens gewöhnlich große Geldmengen auf diesen Konten gespeichert", zitiert Bloomberg Kacey Clark vom Cybersicherheitsunternehmen Digital Shadows.

"Wenn die Plattform seit langem besteht und etabliert ist, wie es Empire war, werden sie wahrscheinlich Gelder für einen längeren Zeitraum auf ihren Konten belassen, da sie nicht befürchten müssen, zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht darauf zugreifen zu können, da eine Form des Vertrauens aufgebaut wurde".

Der Analyst mit dem Twitter-Account @Darkdotfail schreibt mit Bezug auf einen Moderator des Marktes, der anonym bleiben will, dass die Administratoren insgesamt 2.638 Bitcoin entwendet haben, also etwa 30 Millionen Dollar. Der Online-Schwarzmarkt, der erst im Januar 2018 den Betrieb aufnahm, habe etwa 1,3 Millionen Nutzer gehabt.

Das FBI lehnte einen Kommentar ab. Zunächst war vermutet worden, dass die Strafverfolgungsbehörden den Online-Markt beschlagnahmt hätte. Doch in solchen Fällen hat es in der Vergangenheit auf den betroffenen Darknet-Webseiten immer eine entsprechende Mitteilung der zuständigen Behörden gegeben. Empire Market hingegen ist einfach nicht mehr online.

Die Benutzer des Dark-Net-Marktplatzes trauern in Online-Foren um ihre verlorenen Gelder. Sie sagen, dass die Administratoren spurlos verschwunden sind und dass sie nicht mehr auf ihre Nutzerkonten zugreifen können. Ein Verkäufer sagte: "Ich habe im Grunde meine Existenz verloren, meine Haupteinnahmequelle."

Zunächst glaubten die Nutzer, dass Empire Market lediglich das Opfer eines DDos-Angriffs ist, wobei Hacker eine Webseite mit Datenverkehr überfluten und sie so zum Zusammenbruch bringen. Bei solchen Angriffen werden die Betreiber einer Webseite oftmals von den Hackern erpresst. Doch ein solches Szenario ist nach so vielen Tagen Funkstille höchst unwahrscheinlich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Politik
Politik Die Amerikaner haben uns bislang erfolgreich gespalten
04.11.2026

Russland gilt seit Jahren als Meister der Einflussnahme auf Europa. Doch inzwischen richtet sich der Blick zunehmend auf Washington. Auch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: 14 Prozent mehr Aufträge im September
04.11.2026

14 Prozent mehr Aufträge im September, vor allem aus dem Inland: Für den Maschinenbau ist das ein Hoffnungsschimmer. Doch der starke...

DWN
Politik
Politik Pleitewelle erwartet: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Insolvenzen
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie reagiert die EZB? Inflationsrate in Eurozone steigt im Oktober auf 4,0 Prozent
04.11.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober auf den höchsten Stand seit über drei Jahren gestiegen. Damit entfernt sich die Teuerung...

DWN
Politik
Politik Midterms 2026: Doppelniederlage für Trumps Republikaner
04.11.2026

Zwanzig Jahre hat es gedauert, jetzt ist es wieder passiert: Trumps Republikaner verlieren Repräsentantenhaus und Senat zugleich. Selbst...

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto und Finanzamt: Wo Anleger in Steuerfallen geraten – und wann Steuerhinterziehung droht
04.11.2026

Ab 2027 melden Krypto-Anbieter erstmals automatisch Transaktionsdaten an das Bundeszentralamt für Steuern – und zwar für das gesamte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW-Aktie: Gewinn von BMW schrumpft - Jobabbau wird ausgeweitet
04.11.2026

Am Dienstagabend erschreckt der Autobauer die Märkte mit der zweiten Gewinnwarnung im laufenden Jahr. Das liegt auch daran, dass die...

DWN
Politik
Politik Machtkampf in Polen: Warum Investoren nervös werden könnten
04.11.2026

Polizisten vor dem Verfassungsgericht, eine aufgebrochene Absperrung und ein Präsident, der sich mitten in einer nächtlichen...