Finanzen

Künstliche Intelligenz versagt: Hedgefonds macht hohe Verluste

Ein Hedgefonds, der auf Künstlicher Intelligenz basiert, hat im Verlauf dieses Jahres fast zehn Prozent verloren. Offenbar ist der Einsatz von KI noch lange keine Garantie für eine gute Performance.
11.09.2020 11:34
Aktualisiert: 11.09.2020 11:34
Lesezeit: 2 min
Künstliche Intelligenz versagt: Hedgefonds macht hohe Verluste
Künstliche Intelligenz kann durchaus gut aussehen. In anderen Bereichen ist KI jedoch noch längst nicht so weit, wie viele oft denken. (Foto: dpa)

Ob Künstliche Intelligenz den Markt systematisch schlagen kann? Die Entwicklungen in diesem Bereich sind noch zu jung, um hier eine Aussage zu treffen.

Die schlechte diesjährige Entwicklung des in der Vergangenheit stark abschneidenden „Institutional-Strategies“-Fonds der Voleon-Gruppe sind jedenfalls ein Zeichen dafür, dass auch KI-basierte Investment-Strategien keine guten Resultate in Gegenwart und Zukunft garantieren können. In der Vergangenheit hat der Fonds, der von seiner Gründung an auf Machine-Learning basierte, zwar mit guter Performance überzeugt – doch in diesem Jahr eben nicht. Eine alte Regel demonstriert hier wieder ihre Gültigkeit: In der Perfomance von Anlage-Strategien spielt (gerade in der kurzen Frist) der Zufall eine große Rolle.

Im gleichen Zeitraum, in dem der Fonds neun Prozent seines Wertes verlor, stieg der Benchmark-Index S&P 500 um etwa fünf Prozent. In den drei Jahren davor hatte der Fonds gut abgeschnitten, wie die Financial Times unter Berufung auf Insider berichtet. Vor allem die Zugewinne im zweistelligen Prozent-Bereich im turbulenten Börsenjahr 2018 sind beachtlich.

„Machine-Learning“ ist ein Teilbereich und die am meisten verbreitete Anwendung von Künstlicher Intelligenz: Grob zusammengefasst handelt es sich bei Machine-Learning-Software um Algorithmen, die mithilfe von Daten lernen. Der auf Algorithmen basierte – teils automatisierte – Handel (allgemein auch „Quant-Strategien“ genannt) dominiert die Märkte, und diese Quant-Modelle werden zum Teil mit Unterstützung von Machine-Learning-Software programmiert.

Voleon ist einer der wenigen Investment-Gesellschaften mit quantitativem Ansatz, die nur noch auf KI setzen und den menschlichen Anteil in der Programmierung auf null reduziert haben. Einzig die Basis-Strategie ist vorgegeben. Bei der von Voleon handelt es sich um einen weit-verbreiteten Ansatz namens „statistische Arbitrage“. Hierbei wird unter anderem davon ausgegangen, dass sich Preise mittel- bis langfristig einem Mittelwert annähern. Das Finanz-Unternehmen aus dem Silicon Valley verwaltet in seinen Quant-Fonds insgesamt rund 6 Milliarden Dollar.

Ein Fonds-Manager einer konkurrierenden Investment-Firma nannte für die Unter-Performance der Fonds von Voleon und anderer KI-Anbieter zwei Gründe:

  1. Die Machine-Learning-Programme waren durch Daten der Vergangenheit darauf konditioniert, bei größeren Kursrückschlägen verstärkt zu kaufen. Im Frühjahr dieses Jahres stieg man deshalb zu früh in großem Stil ein.
  2. Als der Einbruch dann immer stärker wurde, rechneten die Modelle offenbar mit weiteren Kursrückgängen und waren deshalb in der schon Anfang April einsetzenden Erholung falsch positioniert.

Daten sind schön und gut. Aber Daten sind immer Informationen aus der Vergangenheit und lassen sich eben nicht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit korrekt in die Zukunft extrapolieren. Den Voleon-Fonds kostete das Vertrauen auf die KI-Algorithmen ein Zehntel seiner Kapitalisierung.

Fehler Nr. 2 (siehe oben) hatten viele der – mit Algorithmen arbeitenden – institutionellen Anleger, zu denen auch Hedgefonds zählen, begangen. Im April hatten sie sich im Schnitt zunehmend aus dem Aktienmarkt zurückgezogen (die DWN berichteten).

Wenigstens die jüngste Rally am Aktienmarkt haben die KI-Hedgefonds mitgemacht, im August legten solche Vertreter um 12,2 Prozent zu. Für das bisherige Gesamtjahr sind die KI-getriebenen Hedgefonds im Schnitt mit 14,5 Prozent im Plus (S&P 500 plus fünf Prozent). Das schlechte Abschneiden von Voleons KI-basiertem Fonds ist also eher die Ausnahme als die Regel.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Ökonomie der App-Stores: Welche Branchen das größte Wachstum im mobilen Sektor verzeichnen

Das rasante Wachstum mobiler Apps ist eines der prägenden Merkmale der heutigen digitalen Wirtschaft. Menschen kaufen darüber ein,...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie 242 Stunden im Minus: Darum läuft Deutschlands Strommarkt aus dem Takt
26.07.2026

Immer häufiger fällt der Börsenpreis für Strom unter null. Der billige Überschuss kostet Deutschlands Steuerzahler und Industrie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ein Nobelpreisträger erklärt: Niedrige Geburtenraten töten das Wirtschaftswachstum nicht
26.07.2026

Sinkende Geburtenraten gelten oft als Gefahr für Wachstum und Wohlstand. Doch Nobelpreisträger Daron Acemoglu kommt zu einem anderen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmensmedien: Wer nur Inhalte postet, hat den Kampf um Kunden bereits verloren
26.07.2026

Unternehmen produzieren Podcasts, Videos und LinkedIn-Beiträge, doch das Publikum bleibt aus. Der Grund: Viele behandeln Inhalte wie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldpolitik wurde unter Greenspan zur Macht über die Märkte
26.07.2026

Alan Greenspan konnte mit einem Halbsatz Märkte beruhigen oder verunsichern. Fast zwei Jahrzehnte lang galt der Fed-Chef als Dirigent der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lohntransparenz: Nordea legt Gehälter offen und verändert die Machtverhältnisse
26.07.2026

Was geschieht, wenn Beschäftigte plötzlich erkennen können, ob ihr Gehalt am oberen oder unteren Ende der vorgesehenen Spanne liegt? Die...

DWN
Panorama
Panorama Hitzefalle Spielplatz: Wie Städte für mehr Schatten sorgen wollen
26.07.2026

Die Sommer werden heißer, und viele Spielplätze geraten an ihre Grenzen. Fehlender Schatten und aufgeheizte Flächen erschweren das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Britische Wirtschaft: Die Heimat des Kapitalismus steckt in der Wachstumsfalle
26.07.2026

Großbritannien wechselt seine Regierungschefs, doch die Wirtschaft bleibt stehen. Seit der Finanzkrise wächst die Heimat des Kapitalismus...

DWN
Politik
Politik Russische Atomtechnik in Deutschland: Was hinter der umstrittenen Kooperation in Lingen steckt
25.07.2026

Die Genehmigung für eine Brennelementefertigung mit russischer Technologie in Niedersachsen wirft weitreichende Fragen auf. Während...