Finanzen

A Man in Finance: Wenn KI den Banker ersetzt – und wo ist Geld eigentlich noch sicher?

Der Traum vom „Man in Finance“ galt lange als romantisierte Sicherheitsstrategie in unsicheren Zeiten. Doch wenn Algorithmen künftig besser mit Zahlen umgehen als Menschen, gerät dieses Modell ins Wanken. Vielleicht müssen wir uns eine unbequeme Frage stellen: Wer verdient morgen überhaupt noch Geld?
08.03.2026 13:30
Lesezeit: 2 min
A Man in Finance: Wenn KI den Banker ersetzt – und wo ist Geld eigentlich noch sicher?
KI bedroht digitale Berufe, Investoren geraten in Panik. Wo könnten im KI-Zeitalter noch stabile Werte liegen? (Foto: ChatGPT)

Atome oder Elektronen bewegen

Es ist ja trendy, einen Man in Finance zu suchen, the Tradwife, gewissermaßen ein Salto rückwärts feministischer Unabhängigkeits- und Karriereverheißung – welche von manchen Frauen ja als üble kapitalistische Falle empfunden wird. Warum eigentlich nicht „Woman in Finance“? Von denen gibt es doch mittlerweile auch ziemlich viele, vielleicht nicht alle in den Top-Gehaltsklassen.

Wie dem auch sei, diese „Man-in-Finance-Strategie“ muss überdacht werden, meine Damen. Wie man hört, gibt es zunehmend arbeitslose Banker. Solche Klagen erreichen einen sogar aus Zürich. Ein arbeitsloser „Man in Finance“ ist ja dann eher enttäuschend. Spießig und nicht mal Geld!

Und der Grund ist natürlich die künstliche Intelligenz. Alles, was Menschen am Computer machen können, kann die künstliche Intelligenz vermutlich bald besser. Wie man so sagt: „Besser Atome als Elektronen bewegen“. In Zukunft müssen wir vielleicht eher nach einem soliden Handwerker suchen, look for a man in craftsmanship und der Satz „Handwerk hat goldenen Boden“ bekommt eine neue, sehr ernste Bedeutung.

Das älteste Gewerbe der Welt

Oder wer es sich leisten kann, sollte vielleicht nicht in den Handwerker, sondern gleich direkt in Goldbarren investieren. Die Zukunft menschlicher Arbeit ist nebulös, auch wenn das Bewegen von Atomen sicherlich eine etwas längere Zukunft hat als das Bewegen von Elektronen (also alles Digitale). Wie auch Elon Musk überzeugend prophezeit hat.

Und Ray Kurzweil hat in seinem neuesten Buch „The Singularity is Nearer“ zu meiner Überraschung darauf hingewiesen, dass das älteste Gewerbe der Welt vielleicht auch das in der Zukunft am längsten überlebende Gewerbe sein wird. Bis man da überzeugende, humanoide Roboter entwickelt hat, könnte es in der Tat noch ein bisschen dauern.

Freaking out

Die Panik der Investoren ist absolut verständlich: in was kann man jetzt überhaupt noch investieren? Nichts ist mehr sicher. Erst dachte man, die ganzen Schaufel- und Hackenhersteller, also die Infrastruktur-Unternehmen für die künstliche Intelligenz, das sei ein super Investment, war es ja auch lange. Jetzt hat man Angst, ob die künstliche Intelligenz überhaupt zu ausreichenden Umsätzen und Gewinnen führt oder zur ganz großen Deflation. Und dann bleiben auch die Spaten und Hacken wie Blei im Lager.

Wo ist Geld noch sicher? Schminke und Duftstoffe

Ja, wo ist das Geld denn dann noch sicher? Nicht in Gewerbeimmobilien, offenbar auch nicht im Bitcoin, nicht in Software-Unternehmen, Logistik, Anwälte, Banken, menschliches Expertenwissen ist bald so billig wie Wasser. Die Panik ist verständlich.

Vielleicht in solide Luxusaktien investieren, Hermes, LVMH, Richemont, Kering, L'Oréal - Schminke, Handtaschen und Duftstoffe werden vermutlich auch in Zukunft gebraucht, falls die Leute noch Geld verdienen, um das Zeug zu kaufen.

Vielleicht wird die Zukunft eine Era of Abundance, aber die Übergangsphase dahin könnte holperig werden. It’s gonna be a bumpy ride. Bis dahin suchen wir dringend nach einer Wertaufbewahrung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Escort zwischen Plattform und Premiumservice: Wie sich ein diskreter Markt professionalisiert

Wenn über Escort-Services gesprochen wird, kommen dabei oft veraltete Assoziationen auf. Der Markt hat sich aber in den vergangenen Jahren...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Prof. Dr. Ulrich Seibert

                                                      ***

Prof. Dr. Ulrich Seibert ist Jurist und Honorarprofessor für Wirtschaftsrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Als ehemaliger Leiter des Referats für Gesellschaftsrecht, Unternehmensverfassung und Corporate Governance im Bundesministerium der Justiz hat er bis 2020 maßgeblich an zahlreichen Reformen im Gesellschaftsrecht mitgewirkt. Mit über 200 veröffentlichten Aufsätzen zählt er zu den renommierten Experten auf diesem Gebiet.

DWN
Politik
Politik Kein Öl mehr aus Kasachstan: Russland stoppt Lieferung nach Deutschland
22.04.2026

Ab kommender Woche wird kein Öl aus Kasachstan mehr durch die Pipeline Druschba nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt...

DWN
Politik
Politik Ungarn gibt Ukraine-Blockade auf: EU-Milliarden und neue Sanktionen gegen Russland kommen
22.04.2026

Der Weg für den 90 Milliarden schweren EU-Kredit sowie für weitere Russland-Sanktionen ist frei. Die Hälfte des Geldes soll bereits in...

DWN
Immobilien
Immobilien Bund als Wohnungsbauer? Regierung plant Bundesbaugesellschaft
22.04.2026

Wenn Wohnraum knapp wird, steigen die Preise: In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen zugleich verteuern sich die Mieten vor allen in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mini-Wachstum: Bundesregierung halbiert Konjunkturprognose
22.04.2026

Nicht nur die Folgen des Iran-Kriegs bremsen die Konjunktur in Deutschland weiter aus. Die Bundesregierung rechnet nur noch mit einem...

DWN
Politik
Politik Zwischen Datenschutz und Kontrolle: EU-App zur Altersprüfung im Internet kommt
22.04.2026

Um den Jugendschutz im Internet zu verbessern, hat die EU eine App zur Altersverifizierung entwickelt. Die Lösung, die Ursula von der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Flugstreichungen: Lufthansa streicht 20.000 Flüge bis Oktober
22.04.2026

Die Schließung der Cityline reißt Lücken ins Lufthansa-Netz. Was heißt das konkret für die nächsten Monate und ihre Urlaubspläne?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Übernahme durch UniCredit: Welche Rolle spielt die Commerzbank-Aktie?
22.04.2026

Im Ringen um die Commerzbank-Übernahme verschärfen sich die Fronten, während UniCredit auf Kontrolle drängt und die mBank für den...

DWN
Finanzen
Finanzen Entlastung Steuerzahler: Unionspolitiker legen Konzept für Steuerreform vor
22.04.2026

Die schwarz-rote Koalition hat eine Reform angekündigt, um kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Jetzt haben Unionspolitiker ein...