Finanzen

Ölpreis explodiert: Höchster Stand seit 2022 – Börsen aktuell mächtig unter Druck

Der Ölpreis steigt rasant und sorgt weltweit für Nervosität. Nach neuen Angriffen im Nahen Osten reagieren die Märkte heftig, während der Brent-Ölpreis auf den höchsten Stand seit 2022 klettert. Gleichzeitig geraten die Börsen heute unter Druck. Droht eine größere Energiekrise?
09.03.2026 08:31
Lesezeit: 3 min
Ölpreis explodiert: Höchster Stand seit 2022 – Börsen aktuell mächtig unter Druck
Gestapelte Ölfässer: Der Brent-Ölpreis erreicht ein neues Hoch. Gleichzeitig brechen die Börsen ein. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Ölpreis explodiert: Börsen heute unter Druck

Nach Angriffen im Nahen Osten steigt der Ölpreis stark und erreicht den höchsten Stand seit 2022. Wie reagieren die Börsen heute in Asien auf diese Entwicklung?

Der Ölpreis setzt wegen der sich weiter zuspitzenden Lage im Nahen Osten seinen steilen Anstieg fort. Der Brent-Ölpreis für ein Fass (159 Liter) Rohöl aus der Nordsee sprang in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf nahezu 120 Dollar. Dieses Niveau konnte der Ölpreis später nicht vollständig halten, lag am Morgen jedoch mit etwas über 115 Dollar weiterhin rund 24 Prozent im Plus. Damit kletterte der Brent-Ölpreis, der als Referenz für einen Großteil der weltweit gehandelten Rohölsorten dient, auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022. Seit Beginn des Iran-Kriegs vor etwas mehr als einer Woche summiert sich der Anstieg beim Ölpreis inzwischen auf fast 60 Prozent.

Noch kräftiger entwickelte sich der Ölpreis bei der US-Sorte WTI. Dieses Rohöl verteuerte sich in der Nacht auf Montag zeitweise um bis zu 21 Prozent und erreichte ebenfalls fast 120 Dollar. Zuletzt lag der Preis bei rund 113 Dollar und damit etwa ein Viertel über dem Niveau vom Freitagabend. Damit weitete WTI-Öl den Preissprung seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran auf knapp 70 Prozent aus.

Börsen heute: Aktienmärkte in Asien brechen nach Ölpreisschock ein

Die Börsen heute in Ostasien reagierten mit deutlichen Verlusten auf den rasanten Anstieg beim Ölpreis. In Tokio fiel der Nikkei-Index für 225 führende Werte im frühen Handel (Ortszeit) zeitweise um rund 7 Prozent und rutschte unter die Marke von 52.000 Punkten. Auch die Börse in Südkorea verzeichnete kräftige Einbußen. In Seoul sackte der KOSPI zeitweise um etwa 8 Prozent auf 5.132 Zähler ab. Die ostasiatischen Volkswirtschaften gelten als besonders abhängig vom Import von Öl, weshalb ein steigender Ölpreis dort besonders stark auf die Börsen heute wirkt.

DAX-Kursrutsch wegen Iran-Krieg – Druck lässt aber nun nach

Für die europäischen Anleger wird die Rückkehr aus dem Wochenende wegen des eher noch zugespitzten Iran-Kriegs zum bösen Erwachen. Zumindest scheint der DAX aktuell aber nicht ganz so massiv einzubrechen, wie noch am frühen Montagmorgen befürchtet. Eine halbe Stunde vor Handelsstart an der Frankfurter Börse taxiert der Broker IG den deutschen Leitindex 2,2 Prozent leichter bei 23.060 Punkten. Zuvor hatte es noch nach einem Einbruch auf annähernd als 22.700 Punkten ausgesehen – dem tiefsten Niveau seit Frühjahr vergangenen Jahres. Nun ist es nur noch ein Tief seit November.



Vor allem der rasende Anstieg der Energiepreise schockiert aber und schürt zunehmend die Inflations- und Wachstumssorgen. Der Iran hat einen neuen obersten Führer bestimmt, aber auch der Sohn des getöteten Ajatollah Ali Chamenei wird von Israel und den USA wieder bedroht. Ein schnelles Ende des Kriegs und eine Normalisierung der Ölproduktion in der Region scheinen nicht absehbar. Die geopolitisch getriebene Flucht aus dem Risiko schreite fort, schrieb Mislav Matejka, Anlagestratege von JPMorgan. Er erinnerte jedoch daran, dass der Aktienmarkt sein Tief meist dann findet, wenn die Anlegerstimmung am schlechtesten ist. Matejka wäre entsprechend jedenfalls nicht überrascht, wenn der Kursrutsch in dieser oder der kommenden Woche endet.

Angst vor längerer Sperrung der Straße von Hormus

Die Sorge vor einer länger andauernden Sperrung der Straße von Hormus bleibt ein zentrales Thema für den Ölpreis und den globalen Ölmarkt. Seit den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran und den darauffolgenden iranischen Gegenangriffen fahren nur noch wenige Schiffe durch die strategisch wichtige Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

In normalen Zeiten wird über diese Route täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert. Neben Rohöl spielt die Passage auch für Flüssiggaslieferungen eine bedeutende Rolle, beispielsweise aus Katar. Viele Investoren befürchten zudem, dass die Eskalation im Nahen Osten weiter zunimmt und dadurch die Ölproduktion der Region dauerhaft beeinträchtigt wird. Sollte die Förderung sinken, könnte der Ölpreis weiter steigen und auch der Brent-Ölpreis erneut deutlich zulegen.

Trump: Geringer Preis für Sicherheit und Frieden

US-Präsident Donald Trump, für den steigende Benzinpreise mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst und die Lebenshaltungskosten vieler Wähler politisch problematisch werden könnten, versuchte den Blick auf eine langfristige Perspektive zu richten: "Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social - und fügte anschließend in Großbuchstaben hinzu: "NUR IDIOTEN WÜRDEN DAS ANDERS SEHEN!"

Katars Energieminister warnt

Bereits Ende vergangener Woche hatte Katars Energieminister Saad al-Kaabi in einem Interview mit der "Financial Times" vor schweren Folgen des Kriegs im Nahen Osten für die Lieferungen von Energierohstoffen aus der Region gewarnt. Es bestehe die Gefahr, dass sämtliche Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion innerhalb weniger Wochen stoppen müssten. In einem solchen Szenario wäre nach Einschätzung des Ministers sogar ein Ölpreis von bis zu 150 US-Dollar möglich.

Aufgrund der faktischen Blockade der Straße von Hormus stoßen Produzenten am Persischen Golf teilweise bereits an ihre Lagergrenzen. Kuwait hat seine Förderung nach Medienberichten bereits reduziert. Sollte sich die Situation weiter zuspitzen, könnte der Ölpreis am Weltmarkt und besonders der Brent-Ölpreis erneut deutlich nach oben reagieren.

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