Politik

Früherer NSA-Direktor Keith Alexander wird Vorstandsmitglied bei Amazon

Mit Keith Alexander holt Amazon einen Mann in den Vorstand, unter dessen Führung die NSA über viele Jahre illegale Spionage betrieben hat. Mit seiner Expertise könnte etwa die Sammlung von Kundendaten bei Amazon noch effektiver werden.
10.09.2020 17:45
Aktualisiert: 10.09.2020 17:45
Lesezeit: 1 min
Früherer NSA-Direktor Keith Alexander wird Vorstandsmitglied bei Amazon
General Keith Alexander im März 2014 als NSA-Direktor im Kapitol in Washington. (Foto: dpa) Foto: Michael Reynolds

General Keith B. Alexander leitete die NSA (National Security Agency) von 2005 bis 2014. In seiner Amtszeit deckte Edward Snowden das schockierende Ausmaß der illegalen Abhör- und Datenerfassungsprogramme durch den größten Auslandsgeheimdienst der USA auf. Derzeit ist Alexander Co-CEO der Firma IronNet Cybersecurity, die er vor sechs Jahren gründete.

Amazon, der in vielen Ländern der Welt agierende Onlineversandhändler, steht schon seit langem wegen seiner Zusammenarbeit mit dem US-Auslandsgeheimdienst CIA in der Kritik, insbesondere angesichts seines Cloud-Computing-Vertrags mit der CIA über 600 Millionen Dollar. Nun holt das Unternehmen mit Keith Alexander einen früheren NSA-Direktor in seinen Vorstand ein, der dort auch dem Prüfungsausschuss angehören wird.

Nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 wirkte Alexander an der Entwicklung und Durchführung einer enormen Anzahl von geheimen Programmen zur Überwachung im Inland mit. Das Ende seiner Karriere bei der NSA im Jahr 2014 war nicht etwa eine Folge der illegalen Überwachung durch die NSA, sondern eine Folge der mangelnden internen Sicherheit, die es möglich machte, dass Edward Snowden die Öffentlichkeit informieren konnte.

Amazon hingegen ist wiederholt beschuldigt worden, die Daten seiner Nutzer unzureichend zu schützen. So hat das Unternehmen Ton-Mitschnitte seines Alexa-Systems aus Deutschland zur Auswertung nach Polen geschickt, wo sie im Homeoffice ausgewertet wurden. Und kürzlich fanden Forscher gravierende Sicherheitslücken in Alexa, die es Hackern ermöglicht haben, Alexa-Nutzer auszuspionieren.

Neben diesen Datenpannen sammelt Amazon auch im großen Stil die Daten seiner Nutzer und legt Profile über sie an. Möglicherweise wird das Unternehmen dabei von den Erfahrungen des neuen Vorstandsmitglieds profitieren können. Doch wahrscheinlicher ist es, dass Amazon an Alexanders Fachwissen über Geheimdienste und Militär interessiert ist und an seinen entsprechenden Verbindungen.

Einer aktuellen Studie zufolge setzt Amazon seine massive Überwachungstechnologie sogar gegen die eigenen Angestellten ein. Der zu Amazon gehörende Online-E-Book-Dienst Kindle steht seit längerem in der Kritik, weil dort wiederholt kritische Autoren und deren Bücher gelöscht wurden. Der Einfluss von Amazon-Chef Jeff Bezos, dem reichsten Mann der Welt, erstreckt sich auch bis in die Medien, da er die Washington Post besitzt.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Märkte in Aufruhr: Trumps Einfluss und die Risiken in Venezuela treiben XRP zu einem beispiellosen Höhenflug.

Trotz der zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Caracas eröffneten US-Aktien leicht im Plus. Der Markt betrachtet die aktuelle...

DWN
Politik
Politik US-Handelspolitik: Wie Trumps Zollpolitik die Weltwirtschaft belastet
13.01.2026

Die Weltwirtschaft tritt in eine Phase wachsender Unsicherheit ein, in der politische Eingriffe und strukturelle Verschiebungen...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt auf Rekordhoch: Inflation, Fed-Konflikt und Verfallstag im Fokus
13.01.2026

Der DAX-Kurs bekommt Rückenwind aus den USA und hat ein neues Allzeithoch markiert. Doch zwischen Berichtssaison, Fed-Konflikt und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen zwischen Stabilität und Risiko: Ruhige Märkte trotz wachsender Unsicherheiten
13.01.2026

Die US-Börsen sind mit bemerkenswerter Ruhe ins neue Jahr gestartet, obwohl geldpolitische Weichenstellungen, geopolitische Risiken und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Munich Re-Erhebung: Klimawandel lässt Schäden durch Naturkatastrophen steigen
13.01.2026

Extreme Wetterereignisse verursachen weltweit Milliardenschäden, doch nicht jede Katastrophe trifft wie erwartet. Neue Analysen eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Zukunft: Der Balanceakt zwischen Wettbewerb, Sicherheit und Nachhaltigkeit
13.01.2026

Die Europäische Union steht vor industriellen Umbrüchen und geopolitischen Verschiebungen. Kann Europa Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quiet-Firing: Wann Sie ein Unternehmen verlassen sollten
13.01.2026

Kündigungen kommen selten überraschend – oft kündigen sie sich leise an. Wer die feinen Veränderungen im Verhalten von Vorgesetzten...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Absatzdämpfer bei der Volkswagen-Kernmarke
13.01.2026

Sinkende Verkaufszahlen, regionale Unterschiede und ein schwacher Elektroabsatz setzen die Volkswagen-Kernmarke unter Druck. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen auf Rekordniveau und neue Unsicherheiten
13.01.2026

Der Goldpreis schwächelt nach dem jüngsten Rekordhoch etwas. Gewinnmitnahmen, geopolitische Risiken und US-Inflationsdaten rücken nun in...