Unternehmen

Aktie keine sechs Cent mehr wert: Größter Bohranlagen-Betreiber der Welt steht vor dem Aus

Die sinkende Nachfrage nach Öl und der daraus resultierende Niedrigpreis fordern die ersten Opfer.
24.09.2020 09:41
Aktualisiert: 24.09.2020 09:41
Lesezeit: 1 min
Aktie keine sechs Cent mehr wert: Größter Bohranlagen-Betreiber der Welt steht vor dem Aus
Ein Explorations-Schiff. (Foto: dpa) Foto: JAMSTEC/IODP

Der größte Bohranlagen-Betreiber der Welt hat gerade noch die Insolvenz abwenden können: „Valaris“ mit Sitz in London und Houston (US-Bundesstaat Texas) konnte seine Gläubiger davon überzeugen, auf 6,5 Milliarden Dollar ihrer Forderungen – die insgesamt 7,8 Milliarden Dollar betragen – im Tausch gegen Eigenkapital zu verzichten. Vorher hatte das 1975 gegründete Unternehmen, beim Insolvenzgericht für den südlichen Distrikt von Texas seinen Bankrott erklärt und die Erlaubnis für eine freiwillige finanzielle Umstrukturierung gemäß „Chapter 11“ – mit Erfolg – beantragt (Chapter 11 ist ein Verfahren gemäß US-Insolvenzrecht, das sogenannte Sanierungs- oder Reorganisations-Verfahren für Unternehmen regelt).

Für die Aktionäre des 1975 gegründeten Unternehmens – das 74 Bohr-Einheiten betreibt (Bohrinseln, Hubbohrinseln sowie Bohrschiffe) – sind die Entwicklungen alles andere als positiv: Ihre Anteile sind kaum noch etwas wert – an der Frankfurter Börse notierte das Papier gestern bei 0,059 Euro. Vor zehn Jahren, im Jahr 2010, waren es im Jahresdurchschnitt noch rund 120 Dollar, 2013 pendelte der Kurs sogar zwischen 160 und 180 Dollar. Der ganze Markt war damals äußerst zuversichtlich, was die Bereiche Erdöl-Exploration und -förderung betraf. Der Ölpreis war hoch und zur Erforschung neuer Lagerstätten genügend Mittel vorhanden. Ab Jahresmitte 2015 fing der Kurs dann allerdings an, zurückzugehen, um nun nahe der Nulllinie beziehungsweise Wertlosigkeit zu enden.

Das Papier wird derzeit zwar nach einer Handelsaussetzung wieder gehandelt, jedoch mit einem Totalverlustrisiko von nach wie vor annähernd 100 Prozent. Die Unternehmensfortführung ist nämlich weiterhin in hohem Maße ungewiss. Es ist immer möglich, dass die derzeitigen Aktionäre „rausfliegen“ und mit neuem Firmennamen durchgestartet wird.

Für die Aktionäre und überhaupt ist der (wahrscheinliche) Zusammenbruch von Valaris eine Tragödie. Spätestens, wenn die Weltwirtschaft wieder richtig brummt, wird der Preis für Rohöl wieder enorm steigen. Doch dann dürfte es zu spät sein – es ist zu erwarten, dass Valaris nicht das einzige Unternehmen seiner Art ist, das bis dahin insolvent gegangen ist.

Lesen Sie auch:

Ölpreis-Krieg und Pandemie: Saudi Aramco hat sich völlig verkalkuliert

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Andreas Kubin

Andreas Kubin lebt in Oberösterreich, hat ein MBA mit Schwerpunkt "Finanzen" und verfügt über drei Jahrzehnte Börsen-Erfahrung. 
DWN
Politik
Politik EU-Rüstungsprogramm Safe: Polens Präsident lehnt EU-Rüstungskredite ab
11.03.2026

44 Milliarden für Polens Rüstung? Präsident Nawrocki blockiert ein EU-Programm und setzt auf eigene Ideen. Was steckt hinter dem...

DWN
Politik
Politik Abgelehnte Asylbewerber: Fast zwei Drittel aller Abschiebeversuche 2025 gescheitert
11.03.2026

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Zahl der Abschiebungen deutlich zu steigern. Es dürfte ihr nicht gefallen, dass...

DWN
Politik
Politik IEA: Deutschland gibt wegen Iran-Kriegs Teil der Ölreserven frei
11.03.2026

Seit Beginn des Iran-Kriegs vor gut einer Woche schnellt der Ölpreis in die Höhe. Um dagegen anzugehen, wird jetzt ein seltenes...

DWN
Politik
Politik Tanken in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW: Iran-Krieg trifft deutsche Wirtschaft wenig - aber treibt Preise
11.03.2026

Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die Konjunktur in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft ist eher...

DWN
Politik
Politik Moskau bestätigt Kriegsziel nach Angriff auf Fabrik: Ukraine entwaffnen
11.03.2026

Nach einem ukrainischen Angriff mit mehreren Toten reagiert Moskau – und macht auch Großbritannien Vorwürfe. Kremlsprecher Dmitri...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fehlentscheidungen im Recruiting: Warnsignale im Bewerbungsprozess früh erkennen
11.03.2026

Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, neue Mitarbeiter nicht nur fachlich, sondern auch in ihrer Motivation und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tiefer Fall der Luxusmarke: Porsche meldet drastischen Gewinneinbruch um 91,4 Prozent
11.03.2026

Verkaufsminus in China, Verbrenner-Comeback, Gewinne in Trümmern: Für die Luxusmarke Porsche war 2025 ein Jahr zum Vergessen. Das zeigt...