Wirtschaft

US-Wirtschaft kollabiert: Handelsdefizit und Staatsschulden außer Kontrolle und jetzt droht auch noch Inflation

Die neuesten Wirtschaftsdaten aus den USA sind besorgniserregend. Amerikas Wirtschaft ist stark angeschlagen. Das riesige Handelsdefizit sowie die steigenden Inflationsraten könnten Vorboten einer erneuten Rezession sein.
10.10.2020 08:25
Aktualisiert: 10.10.2020 08:25
Lesezeit: 4 min
US-Wirtschaft kollabiert: Handelsdefizit und Staatsschulden außer Kontrolle und jetzt droht auch noch Inflation
Auch falls Donald Trump wiedergewählt wird: Sein Konjunkturpaket für die kleinen Firmen käme wohl zu spät für die angeschlagene US-Wirtschaft. (Foto: dpa) Foto: Evan Vucci

Das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten ist im August auf einem 14-Jahres-Hoch angekommen. Unterm Strich wurden wertmäßig 67,1 Milliarden mehr an Gütern und Dienstleistungen importiert als exportiert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergibt sich ein Anstieg des Defizits um 5,7 Prozent.

Sowohl kurzfristig als auch historisch betrachtet ist das Defizit besorgniserregend. Im Vergleich zu den ähnlich verheerenden Werten Mitte bis Ende der Nullerjahre ist zu beachten, dass die Zahlen nicht inflationsbereinigt sind. Außerdem war das Handelsdefizit damals im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung größer. Nichtsdestotrotz sollte man sich in Washington Sorgen machen.

Im Detail ist der Güterhandel mit einem Beitrag von minus 83,9 Milliarden Dollar für das hohe Defizit verantwortlich. Im Handel mit Dienstleistungen gab es dagegen einen Überschuss von 16,8 Milliarden.

Die Financial Times zitiert James Watson von Oxford Economics: „Der Handel erholt sich, allerdings nicht synchron. Die Exporte hinken den Importen deutlich hinterher.“

Getrieben von Öl, Pharmazeutika und PKWs stiegen die Importe im Vergleich zum Juli um 3,2 Prozent auf 239 Milliarden Dollar. Die Exporte stiegen zum Vormonat um 2,2 Prozent auf 171,9 Milliarden. Besonders stark entwickelten sich die Verkaufsumsätze für Sojabohnen und Gold, während Halbleiter-Exporte rückläufig waren.

Offensichtlich konnte sich die Nachfrage der Amerikaner nach ausländischen Waren besser erholen als die US-Exportmaschinerie. Für Präsident Donald Trump könnte das im Hinblick auf die nahende Präsidentschaftswahl zum Problem werden. Seit seinem Amtsantritt hat er wiederholt versprochen, das Handelsdefizit drastisch zu senken. Viel erreicht hat er bisher allerdings nicht – trotz Handelskrieg mit China und zahlreichen Zollerhöhungen.

Hoffnung auf Handelsabkommen mit China bisher vergeblich

Die US-Administration hatte wohl vergeblich darauf gesetzt, das chronische Defizit durch das im Rahmen des Handelsstreits mit China getroffene Abkommen in den Griff zu bekommen. Peking verpflichtete sich unter anderem jährlich mehr Nahrungsmittel (zum Beispiel Sojabohnen und Tierfleisch) im Wert von bis zu 50 Milliarden Dollar aus den Vereinigten Staaten zu importieren. Aber das Klima zwischen den beiden Weltmächten hat sich durch Corona verschlechtert und die chinesischen Käufe blieben bisher unter den Erwartungen zurück.

Und allein auf China kann Trump die jüngsten Rekordwerte auch nicht schieben. Denn das Handelsdefizit mit dem Reich der Mitte sank auf Monatsbasis um 6,7 Prozent auf 26,4 Milliarden Dollar. Das Defizit mit der EU belief sich auf 15,7 Milliarden, mit Mexiko 12,5 Milliarden. Diese drei Regionen sind das Hauptziel von Donald Trumps Dauer-Vorwürfen über unfaire Handelspraktiken des Auslands.

Droht den USA eine hohe Inflation?

Es bleibt festzuhalten: Die schwachen Exporte reflektieren den allgemein schwachen Zustand der US-Wirtschaft, insbesondere der Industrie. Fast täglich gibt es aus der größten Volkswirtschaft der Welt enttäuschende bis schlechte Neuigkeiten von den Immobilienmärkten, über Betriebsschließungen und vor allem zu den Arbeitslosenanträgen. In der Krise gingen zwischenzeitlich mehr als 22 Millionen Jobs verloren, von denen bislang nur etwa die Hälfte zurückgewonnen wurde. Die offizielle Arbeitslosenrate liegt aktuell etwas über 8 Prozent.

Selbst der schwache Dollar konnte das grassierende Handelsdefizit nicht bremsen. In der Theorie sollten dadurch eigentlich Exporte angeregt (geringere Preise in Auslandswährungen) und Importe weniger attraktiv (gesunkene Kaufkraft) werden. Stattdessen könnte im Hinblick auf die jüngsten Zahlen und der Dollarschwäche (Stichwort: Importierte Inflation) eine grassierende Inflation drohen. Trotz des coronabedingten Angebotsschocks stiegen die Verbraucherpreise im Sommer kontinuierlich an, von 0,6 Prozent im Juni auf 1,3 Prozent im August.

Das hat auch etwas mit dem staatlichen Helikoptergeld zu tun: Bei den im Frühjahr an Bedürftige ausgegebenen "Stimulus Checks" von 1200 Dollar wird derzeit über eine zweite Auflage diskutiert. Außerdem wurden seit Monaten pro Woche (!) 600 Dollar an Arbeitslosenhilfe gezahlt. Das Rezept „Keine Arbeit, aber trotzdem Bezahlung“ ist ein Inflationstreiber und bestimmt nicht förderlich für eine Reduktion des Handelsdefizits, weil die Importe noch angeregt werden.

Jetzt steht das Hilfs-Programm aber auf dem Prüfstand. Präsident Trump hat weitere Verhandlungen für ein Hilfspaket mit den Demokraten abgesagt. Vor der Wahl werden die Zahlungen wohl nicht verlängert werden. Die FED-Gouverneurin Loretta Mester sieht in der Konsequenz eine langsamere Erholung der US-Wirtschaft.

Unabhängig davon: Das Problem besteht eher auf der Angebots-Seite. An Nachfrage mangelt es auch dank der seit jeher großzügigen Vergabe von Konsumkrediten (ausstehendes Volumen derzeit circa 4,2 Billionen Dollar) bestimmt nicht.

Trump möchte bei einer Wiederwahl ein neues Konjunkturpaket starten, der Fokus soll auf kleineren Unternehmen liegen. Das wäre zumindest ein besserer Ansatz. Unter Biden ist dagegen mit einer Rückkehr zu den staatlichen Ausgabenorgien zu rechnen, womöglich inklusive gigantischer Fehlinvestitionen in einem zwei Billionen Dollar schweren Green Deal.

Bei einer demokratischen Präsidentschaft dürfte die Inflation weiter steigen, während die Wirtschaft stagniert. Das könnte sich zu einer Stagflation entwickeln. Inflationäre Rückendeckung gibt es auch von der US-Notenbank: Das Inflationsziel von zwei Prozent wurde gelockert und es werden weiter fleißig Anleihen gekauft. Des Weiteren ist eine zunehmende Verschmelzung von Geld- und Fiskalpolitik zu befürchten.

Verheerende Staatsverschuldung

Derweil sind Handelsdefizite und Inflationsraten nicht die einzigen alarmierenden Zahlen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Das Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal um 9,5 Prozent zum Vorquartal. Die Staatsverschuldung überschritt im Oktober die Marke von 27 Billionen Dollar und die Neuverschuldung liegt 2020 bisher bei rund 20 Prozent des BIP. Relativ zur Wirtschaftsleistung werden die Staatsschulden zum Jahresende wohl über 140 Prozent erreichen. 100 Prozent gelten unter Ökonomen als Schwellenwert, darüber ist demnach nur noch ein schwaches Wirtschaftswachstum möglich.

Solche in negativer Hinsicht monströsen Kennzahlen machen wenig Hoffnung für die Zukunft. Die Aussichten der US-Wirtschaft sind im Moment wahrlich alles andere als rosig.

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