Unternehmen

Johnson & Johnson stoppt entscheidende Studie mit Corona-Impfstoff wegen ungeklärter Krankheit

Lesezeit: 2 min
13.10.2020 10:37  Aktualisiert: 13.10.2020 10:37
Ein weiterer großer Pharmakonzern muss seine Corona-Impfstoffstudie vorübergehend stoppen, nachdem einer der Teilnehmer eine verdächtige Krankheit entwickelt hat.
Johnson & Johnson stoppt entscheidende Studie mit Corona-Impfstoff wegen ungeklärter Krankheit
Pflaster des US-Pharmakonzern Johnson & Johnson. (Foto: dpa)
Foto: Wilfredo Lee

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Nach AstraZeneca muss ein weiterer großer Pharmakonzern seine entscheidende Corona-Impfstoffstudie unterbrechen. Der US-Arzneimittelhersteller Johnson & Johnson stoppte seine Studie am Montag vorübergehend wegen einer ungeklärten Erkrankung bei einem Probanden. Der Vorfall solle nun von einem unabhängigen Kontrollgremium und Experten des Unternehmens geprüft werden, teilte J&J mit. Nähere Details zu der Erkrankung des Probanden nannte der Konzern nicht. J&J hatte die Phase-3-Wirksamkeitsstudie, an der rund 60.000 Menschen teilnehmen sollen, erst Ende September gestartet. Ergebnisse sollten bis Ende dieses, Anfang kommenden Jahres vorliegen.

J&J-Finanzchef Joseph Wolk sagte im Interview mit dem Sender CNBC, es sei noch nicht klar, wie lange die Studie auf Eis liege. "Es könnte nur ein paar Tage dauern", aber es sei schwer vorherzusagen, so lange die nötigen Informationen nicht vorlägen. Sorgen über die Zukunft des Corona-Impfstoffs lasteten auf den Aktien von J&J, die im vorbörslichen Handel an der Wall Street um knapp zwei Prozent fielen, auch wenn der Konzern zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Gewinnziele anhob.

SCHON EINZELDOSIS SOLL SCHUTZ BIETEN

J&J gehört zu dem Kreis von Unternehmen, von denen sich die EU-Kommission vorab Hunderte Millionen Impfstoffdosen gesichert hat. J&J wird auch im Rahmen des "Warp-Speed"-Projekts der US-Regierung finanziell unterstützt, die ebenfalls Millionen Dosen des Impfstoffes reserviert hat. Der Impfstoff hebt sich von der Konkurrenz ab, da von ihm nur eine Dosis verabreicht werden soll. Andere Kandidaten im Rennen um einen Corona-Impfstoff sehen dagegen eine zweite Impfung vor. In der klinischen Entwicklung sind andere Unternehmen wie die Mainzer BioNTech und ihr Partner Pfizer, der US-Konzern Moderna oder auch AstraZeneca aber schon weiter vorangeschritten als J&J, da sie ihre Studien früher starteten.

AstraZeneca musste allerdings auch seine Impfstoffstudie wegen der Erkrankung bei einem Probanden im September vorübergehend unterbrechen. Während die Studie in Großbritannien, Brasilien, Südafrika und Indien wieder aufgenommen wurde, liegt sie in den USA immer noch auf Eis. AstraZeneca hatte betont, dass ein solcher Stopp nicht ungewöhnlich sei und häufig vorkomme. Dieser Argumentation schloss sich J&J an und erklärte, dass solche Unterbrechungen in großen Studien mit Zehntausenden Teilnehmern normal seien.

Im weltweiten Rennen um einen Corona-Impfstoff, der sehnsüchtig erwartet wird, um die weltweite Pandemie einzudämmen, stehen die Unternehmen mit ihren Studien nun aber besonders im Rampenlicht. "Jeder ist in Alarmbereitschaft nach dem, was bei AstraZeneca passiert ist", sagte der Infektiologe William Schaffner von der Vanderbilt Universität für Medizin im US-Bundesstaat Tennessee. Er gehe davon aus, dass es sich um eine ernsthafte Nebenwirkung handele, da die Studie ansonsten nicht unterbrochen worden wäre.

J&J hatte erklärt, in einer Phase-1/2-Studie in den USA und Belgien mit dem Impfstoff bereits positive Ergebnisse erzielt zu haben. Sie zeigten, dass eine Einzeldosis "für lange Zeit" ausreichenden Schutz gegen den Virus bieten könnte. Schon Anfang 2021 könnte der Impfstoff im Rahmen einer Notfall-Genehmigung zur Verfügung stehen, bis zu eine Milliarde Dosen könnte der Konzern dann im kommenden Jahr herstellen.

J&J HEBT GEWINNPROGNOSE AN

Für das laufende Geschäftsjahr erhöhte J&J am Dienstag erneut seine Gewinnprognose. Der US-Pharmariese rechnet nun mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 7,95 bis 8,05 Dollar statt wie bislang von 7,75 bis 7,95 Dollar. Im abgelaufenen Quartal lag das Ergebnis mit 2,20 Dollar je Aktie deutlich über den Analystenerwartungen. Der bereinigte Nettogewinn stieg um 3,5 Prozent auf 5,87 Milliarden Dollar. Dank eines starken Geschäfts mit Krebsmedikamenten kletterte der Umsatz um knapp zwei Prozent auf rund 21,1 Milliarden Dollar.

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Unterschätzter Rohstoff: Der globale Kampf ums deutsche Holz

Die globale Nachfrage nach dem Baustoff Holz heizt in Deutschland den Export an. Droht ein Ausverkauf des Waldes?

DWN
Finanzen
Finanzen Dow Jones steigt auf Rekordhoch, Rohstoffwerte gefragt

Der Dow-Jones-Index erreicht ein neues Allzeithoch, getrieben vor allem durch die Aktien von Bergbau-, Energie- und Stahl-Unternehmen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Verband: CO2-Sondersteuer vertreibt Ernährungsindustrie aus Deutschland

Aufgrund unausgereifter Regelungen rund um die neue Sondersteuer auf das Naturgas CO2 droht die Abwanderung von Teilen der...

DWN
Finanzen
Finanzen Alzheimer: So bewahren Sie Freiheit, Finanzen und Lebensqualität trotz Diagnose

Betroffene und Angehörige reagieren zuerst geschockt auf die Diagnose von Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen. Doch gerade in diesen...

DWN
Politik
Politik Russland und China wollen Dollar-Dominanz brechen, Saudis legen sich mit Biden an

Saudi-Arabien baut seine Beziehungen zu China aus. Damit läuft das Königreich Gefahr, Opfer von US-Vergeltungsmaßnahmen zu werden....

DWN
Politik
Politik Schwere Auseinandersetzungen erschüttern Jerusalem, UN-Sicherheitsrat beruft Krisentreffen ein

In Jerusalem kommt es seit Tagen zu schweren Auseinandersetzungen. Am Montag eskalierte die Gewalt erneut.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neues E-Auto-Werk: Wie Posen klammheimlich zum chinesischen Einfallstor nach Europa wird

Überall in Europa haben die Chinesen 2020 wegen Corona ihre Investitionen verringert. Nur bei unserem direkten Nachbarn Polen nicht, eine...

DWN
Deutschland
Deutschland Mittelstandsbarometer: Kleine und mittlere Unternehmen schlagen sich wacker

Das mittelständische Geschäftsklima ist im April weiter gestiegen, die Hoffnung auf einen Aufschwung wächst, wie das aktuelle...