Finanzen

Krisenprofiteur BlackRock: Verwaltetes Vermögen und Umsatz auf Rekordniveau

Der größte Vermögensverwalter der Welt expandiert in der Coronakrise kräftig und ist gleichzeitig so profitabel wie noch nie. Blackrocks Erfolg basiert auch auf dem Verhalten der Kleinanleger.
15.10.2020 11:27
Aktualisiert: 15.10.2020 11:27
Lesezeit: 2 min

Während Corona die Weltwirtschaft erschüttert hat, gehört die US-Fondsgesellschaft „BlackRock“ weiter zu den größten Gewinnern der Krise. Im dritten Quartal stieg das verwaltete Vermögen um 129 Milliarden Dollar auf 7,8 Billionen an. Davon flossen 47 Milliarden in aktiv gemanagte Fonds, womit das dort angelegte Vermögen auf über 2 Billionen Dollar wuchs.

Ein großer Teil restlichen rund 6 Billionen stecken in Passiv-Vehikeln. Mit seiner Tochterfirma „iShares“ ist Blackrock der mit Abstand wichtigste Akteur im ETF-Segment (Marktanteil fast 50 Prozent). In den letzten drei Monaten flossen hier netto 41,3 Milliarden an Mitteln zu, ein Großteil davon kam von Privatanlegern.

Auf den globalen Finanzmärkten führt am Finanzriesen kein Weg vorbei. „Blackrock ist quasi das Amazon unter den Vermögensverwaltern“, meint Kyle Sanders, Analyst bei der Anlageberatung Edward Jones.

Der Vermögensverwalter profitierte von der „Fear of missing out“ der Kleinanleger und einer Ausgabenzurückhaltung der privaten Haushalte, die sich in höheren Sparquoten manifestierte. Konzernchef Larry Fink sieht darin einen globalen Verhaltens-Trend, der noch längst nicht abgeschlossen ist: „Wir sind der festen Überzeugung, dass der Durchschnitts-Anleger immer noch unterinvestiert ist. Die Anleger werden über die nächsten Monate und vielleicht sogar Jahre mehr und mehr Geld investieren müssen.“

Rekord-Margen von fast 50 Prozent

Was die Kennzahlen angeht, wurden die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 18 Prozent auf 4,37 Milliarden Dollar. Die Nettogewinne erhöhten sich um etwa 20 Prozent auf 1,36 Milliarden Dollar. Dabei konnte die operative Marge – Bruttogewinn (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) relativ zum Umsatz – auf einen Rekordwert von 47 Prozent gesteigert werden. Die deutlich kleinere Konkurrenz kann da nicht mithalten.

Der Aktienkurs des Finanzriesen reflektierte die guten Zahlen und stieg in den letzten zwei Tagen um circa 4 Prozent, die Marktkapitalisierung ist damit mehr als 20 Prozent höher als noch zu Jahresbeginn.

Der Fokus liegt laut Larry Fink aber nicht auf Profitabilität, sondern auf Wachstum, wie er gegenüber der Financial Times ausführt: „Ich denke nicht, dass irgendjemand glaubt, dass die Margen bei 47 Prozent bleiben werden. Wir verwalten keine Margen. […] Wir werden weiter in Wachstum, speziell bezogen auf Technologie, investieren.“

Diversifizierung des Geschäftsmodells

Der Vermögensverwalter diversifiziert zunehmend sein Geschäftsmodell und erzielt heute einen kleinen Teil seiner Erlöse außerhalb des klassischen Asset Managements.

Im März bekam Blackrock den Auftrag, das Krisenvehikel der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) zu verwalten. Dieses Vehikel investiert in (teils hochriskante) Unternehmens-Schulden und Anleihe-ETFs, darunter auch solche, die von Blackrock selbst aufgelegt wurden. Der Vermögensverwalter kann über diesen Mechanismus also gleich doppelt verdienen.

Eine relativ frische Umsatzsäule (282 Millionen Dollar) sind IT-Dienstleistungen. Mittlerweile stellt Blackrock sein Datenanalyse-System „Aladdin“, welches aus 5000 Großrechnern besteht, auch anderen institutionellen Investoren zur Verfügung.

Lesen Sie weiter:

Blackrock: Mastermind hinter der globalen Anti-Corona-Strategie

Der "Great Reset" wird von Blackrock gesteuert: Die Staaten dürfen nur assistieren

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Europas Unternehmen unter Regulierung leiden
09.05.2026

Zwar gilt die EU vielen als Anker für Stabilität, doch im Mittelstand wächst der Unmut. Die regulatorische Dichte aus Brüssel wird...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Führungskräfte scheitern: Warum Unternehmen Ideen oft nicht umsetzen
09.05.2026

Viele Führungskräfte scheitern nicht an Strategie oder Marktbedingungen, sondern daran, wie sie ihre Ideen im Unternehmen vermitteln und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo EX60: Warum dieses Elektro-SUV Mercedes, BMW und Audi nervös machen dürfte
09.05.2026

Volvo baut mit dem EX60 nicht einfach ein neues Elektro-SUV, sondern eine Wette auf die Zukunft der Marke. Der Wagen soll beweisen, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Streit um Obi-Orange: Warum Farben über Marken-Erfolg entscheiden
09.05.2026

Der Baumarkt Obi steht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) im Streit um den rechtlichen Schutz seiner markanten Hausfarbe Orange. Der Fall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenbaustelle Deutschland: Warum Großprojekte oft scheitern – und was sich strukturell ändern muss
09.05.2026

Vom Hauptstadtflughafen bis zum Bahnknoten Stuttgart: Deutschlands Großprojekte entwickeln sich oft zu Dauerbaustellen mit Kosten in...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Investitionen: Big Tech verbrennt Milliarden und muss Rendite liefern
09.05.2026

Die großen US-Techkonzerne melden starkes Wachstum, doch die Euphorie bekommt Risse. Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet pumpen enorme...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P 500 und Nasdaq wieder auf historischen Höchstständen
08.05.2026

Ein Handelstag der extremen Kontraste: Warum an der Börse Euphorie herrscht, während die Alltagssorgen wachsen.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Spleenlab: Wie ein Thüringer Startup seine Drohnensoftware in die Ukraine brachte
08.05.2026

Garage in Ostthüringen, vier Millionen Euro Landesförderung, Software im Kriegsgebiet: Spleenlab hat in sieben Jahren den Aufstieg vom...