Unternehmen

Zu viel Nitrat: Deutsche Forscher verbessern mit künstlicher Intelligenz Grundwasser

In Deutschland ist das Grundwasser mitunter sehr stark von Nitrat belastet. Jetzt fördert das Bundesumweltministerium ein besonderes Projekt in Karlsruhe.
26.10.2020 16:50
Lesezeit: 2 min
Zu viel Nitrat: Deutsche Forscher verbessern mit künstlicher Intelligenz Grundwasser
Ein Landwirt düngt sein Feld. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Ein Forscherverbund aus Karlsruhe, an dem auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beteiligt ist, will Nitrat im Grundwasser reduzieren. Dabei setzen die Wissenschaflter eine Künstliche Intelligenz (KI) ein.

Grundsätzlich fördert das Bundesumweltministerium (BMU) im Rahmen einer KI-Strategie Projekte, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) ökologische Herausforderungen bewältigen. Die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter hat nun den Förderbescheid überreicht. Dabei unterstützt das Ministerium besondere KI-Projekte, die ökologische Probleme lösen. Dafür stellt der Bund insgesamt 2,5 Milliarden Euro bereit.

Hintergrund: Damit versuchen die Forscher ein Problem zu mildern, dass in den vergangenen Jahren die Politiker, die Fach-Journalisten, aber Bürgerinnen und Bürger immer mehr beschäftigt hat. "Bei fast einem Drittel der Gesamtfläche der Bundesrepublik werden die Grenzwerte für Nitrat, die EU-weit bei 50 Miligramm pro Liter liegen, überschritten", schreibt beispielsweise die Fachpublikation "Wassertest-online.de".

"Dass das Problem in manchen Bundesländern größer ist als in anderen zeigt das Beispiel Nordrhein-Westfalen. Hier werden die Nitratrichtlinien auf 40 Prozent der Gesamtfläche nicht eingehalten. In Schleswig-Holstein werden die Grenzwerte für die Nitratbelastung bei etwa der Hälfte der Flächen überschritten und in Niedersachsen besteht das Problem sogar bei 60 Prozent der Flächen", berichten die Fachleute.

Etwa 70 Prozent des deutschen Trinkwassers werden aus Grundwasser gewonnen. Zu hohe Nitratwerte im Trinkwasser können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, sodass die Versorgungsunternehmen aufwändige Maßnahmen zur Nitratminderung ergreifen müssen. Die Überwachung der Wasserbeschaffenheit zeigt, dass der Zustand des Grundwassers vielerorts gefährdet ist.

Kritiker sagen, dass die Landwirte die Pflanzen auf den Feldern nicht bedarfsgerecht düngen, so dass immer mehr Stickstoff in den Boden gelangt, als die Pflanzen aufnehmen können. Dadurch sickere der Stickstoff, der im Wasser gelöst ist, als Nitrat bis ins Grundwasser, sagen sie und beschuldigen damit die Bauern, sie seien an dem Problem Schuld.

So hatte die Bundesregierung im vergangenen Jahr eine neue Düngeverordnung erlassen, die die Landwirte verpflichten sollte, bedeutend weniger Dünger als bisher einzusetzen. Ansonsten hätten Strafen durch die EU gedroht, befürchtete die Regierung. Deswegen demonstrierten die Landwirte in der deutschen Hauptstadt Berlin dagegen. Der Ton ihres Protestes: "Wir sind nicht am Nitrat im Wasser schuld!"

So aufgeheizt ist der Streit darum. Die Förderung des KI-Projektes der Karlsruher Wissenschaftler durch das Bundesumweltministerium soll nun ein Schritt nach vorne sein, um dieses Problem zu mildern. „Das Ministerium hat sich für die Förderung dieses Projektes entschieden, weil die Nitratproblematik für das Grundwasser in Deutschland eine ökologische Herausforderung darstellt“, erläutert Schwarzelühr-Sutter.

„Der Einsatz intelligenter Software kann dabei helfen, ökologische und ökonomische Interessen der Gesellschaft, der Wasserversorgungsunternehmen sowie der Landwirtschaft miteinander zu vereinbaren. Dadurch sollen wegweisende Beispiele für intelligente Umwelttechnologien entstehen, die später eine große Breitenwirkung entfalten können", sagt die Politikerin.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: US-Indizes schließen uneinheitlich, da Trump ein Iran-Abkommen nach den Zwischenwahlen für möglich hält
22.09.2026

Politische Signale und starke Einzelwerte bewegen die Märkte im späten Handel.

DWN
Politik
Politik Mehrheit fordert Rücktritt von Kanzler Merz
22.09.2026

Mehr als die Hälfte der Befragten spricht sich für einen Rücktritt des Kanzlers aus. Unter den Anhängern einer Partei ist der Anteil...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Planet Labs: Berlin bekommt eine neue Satellitenfabrik
22.09.2026

In der Hauptstadt soll ein neuer Produktionsstandort für Satelliten entstehen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in den USA, will aber...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger Topberater des Weißen Hauses: Trump gibt Tech-Milliardären beängstigend viel Macht
22.09.2026

Künstliche Intelligenz könnte die Welt ähnlich tiefgreifend verändern wie einst das Manhattan-Projekt. Doch diesmal liegt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Heizkosten steigen 2026: So teuer wird das Heizen
22.09.2026

Für viele Haushalte wird das Heizen 2026 teurer – besonders bei Öl und Holzpellets. Eine neue Prognose zeigt, welche Heizarten stärker...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs springt über 85.000 Dollar. Was hat die Erholung ausgelöst?
22.09.2026

Der Bitcoin-Kurs ist wieder deutlich gestiegen und kletterte über 85.000 Dollar. Bemerkenswert ist der Rebound, da kurz zuvor zwei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz: So schützen Unternehmer ihr Privatvermögen
22.09.2026

Gerät die Firma ins Wanken, kann es schnell um mehr gehen als das Unternehmen. Plötzlich stehen auch Haus, Depot und Ersparnisse auf dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz-Aktie: Arbeitszeit in der Diskussion – Konzern setzt deutsche Werke unter Druck
22.09.2026

Mercedes hält seine deutschen Werke für zu teuer und fordert mehr Arbeit für das gleiche Geld. Um den Druck zu erhöhen, legt der...