Unternehmen

Triebwerkhersteller MTU bricht beim Umsatz und Ergebnis ein - präzisiert aber Prognose

Der aktiennotierte Triebwerkhersteller für Flugzeuge, MTU, leidet aufgrund der Krise in der Luftfahrtindustrie besonders unter der Pandemie. Das Unternehmen musste zweistellige Rückgänge beim Umsatz und Gewinn hinnehmen. Immerhin macht eine Kleinigkeit den Anlegern wieder etwas Mut, auch wenn die Aktie am Donnerstag verlor.
29.10.2020 16:22
Lesezeit: 2 min
Triebwerkhersteller MTU bricht beim Umsatz und Ergebnis ein - präzisiert aber Prognose
Zwei Ingenieure arbeiten in einem Werk des Unternehmens in Hannover. (Foto: dpa) Foto: Peter Steffen

Teilweise deutliche Rückgänge beim Gewinn und Umsatz, aber doch eine positive Präzisierung der EBIT-Margen-Prognose für 2020: So lässt sich derzeit die geschäftliche Entwicklung des Münchner Triebwerk-Herstellers MTU Aero Engines zusammenfassen. Der Produzent leidet ganz besonders unter den Einbrüchen in der Luftfahrindustrie, die stark von der Pandemie betroffen ist.

Das Unternehmen hat in den ersten neun Monaten 2020 einen Umsatz in Höhe von mehr als 2.9 Milliarden Euro erwirtschaftet – also etwa 13 Prozent weniger als noch zwölf Monate zuvor. Darüber hinaus krachte das operative Ergebnis um 44,3 Prozent auf 310,8 Millionen Euro ein. Die Ergebnismarge lag bei 10,5 Prozent, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch 16,4 Prozent betragen hatte.

Die MTU verzeichnete in den ersten neun Monaten 2020 insbesondere im zivilen Triebwerksgeschäft einen erheblichen Umsatzrückgang: Hier sind die Erlöse von mehr als 1,1 Milliarden auf 850,2 Millionen Euro gesunken. Dieses Geschäftsfeld steuert grundsätzlich fast ein Drittel zu den Gesamterlösen bei und ist damit ein wichtiger Umsatzbringer.

„Wie erwartet waren die Einschnitte im Ersatzteilgeschäft und im zivilen Seriengeschäft in den ersten neun Monaten am deutlichsten. Das spiegelt sich in den Umsatzzahlen wider“, so der Vorstandsvorsitzende Reiner Winkler. Auf Jahressicht dürfte der Umsatz im zivilen Seriengeschäft organisch im mittleren bis hohen Zwanziger-Prozentbereich zurückgehen, der Ersatzteilumsatz im hohen Zwanziger-Prozentbereich.

„Basierend auf diesen Ergebnissen können wir unsere Prognose für das Gesamtjahr heute noch weiter präzisieren“, sagte Winkler, Vorstandsvorsitzender der MTU Aero Engines. „Wir gehen jetzt von einem Jahresumsatz zwischen 4 und 4,2 Milliarden Euro aus. Die bereinigte EBIT-Marge dürfte mit rund 10 Prozent das obere Ende der bisher prognostizierten Spanne erreichen“, führte der Manager weiter aus.

Ende Juli hatte die MTU die Umsatz-Zielspanne mit 4 bis 4,4 Milliarden Euro noch etwas weiter gefasst und war von einer bereinigten EBIT-Marge zwischen neun und zehn Prozent ausgegangen. Das Unternehmen erwartet, dass sich der bereinigte Gewinn nach Steuern analog zum operativen Ergebnis entwickelt.

Hersteller setzt auf emissionsfreies Fliegen

Darüber hinaus setzt das Unternehmen auf die Forschung und Entwicklung, auch wenn die finanziellen Mittel, die in diesen Bereich geflossen sind, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erheblich zurückgegangen sind. So hat MTU nur 139,4 Millionen Euro dafür ausgegeben. Das war rund ein Fünftel weniger als noch im Vorjahreszeitraum. „Besonderes Augenmerk richten wir auf das Thema emissionsfreies Fliegen, im Speziellen die Themenbereiche Wasserstoff und fliegende Brennstoffzelle“, erklärte Vorstandschef Winkler.

Barnaby Law, ein sehr wichtiger Ingenieur von MTU in diesem Bereich, gab den DWN einen kurzen grundsätzlichen Entwicklungsausblick für dieses neue Segment: „Bei den kleinen Flugzeugen mit 20 bis maximal 50 Passagieren ist eine Marktreife in zehn Jahren realistisch. Bei Maschinen, die noch weniger Fluggäste befördern, ist sogar ein noch früherer Termin nicht ausgeschlossen. Bei den großen Flugzeugen, die wesentlich mehr Passagiere transportieren, dürfte die Marktreife in 15 bis 20 Jahren möglich sein“, sagte Law, der bei MTU den Titel eines Chief Engineer Flying Fuel Cell hat.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Zeit für vernachlässigte Aktien und den Energiesektor
25.10.2026

Die kommende Woche wird eine der wichtigsten dieser Berichtssaison.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi baut US-Werk für SUVs: Jobverluste in Deutschland drohen  
25.10.2026

US-Präsident Donald Trump verkündet den Bau eines neuen Autowerks von Audi in den USA. Daraufhin entzündet sich am Auftritt des...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Zeit für vernachlässigte Aktien und den Energiesektor
25.10.2026

Die Ergebnisse amerikanischer Unternehmen übertrumpfen die Marktstimmung deutlich, doch Sorgen über KI-Kosten trüben die Aussichten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalismus lebt: Warum Yanis Varoufakis mit seiner Theorie vom Technofeudalismus zugleich falsch und richtig liegt
25.10.2026

Der Kapitalismus ist tot. An seine Stelle ist ein neofeudales System getreten, in dem sich die Macht in den Händen der Eigentümer...

DWN
Finanzen
Finanzen OpenAI-IPO: Die wahre Sorge der Finanzchefin vor dem Börsengang
25.10.2026

Während die Finanzwelt auf den milliardenschweren OpenAI-Börsengang wartet, treibt Finanzchefin Sarah Friar eine ganz andere Sorge um:...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Arbeitnehmer in der Dauerkrise: Immer mehr psychische Erkrankungen
25.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Technologie
Technologie Adobe-Alternative kostenlos: Ein verärgerter Kunde fordert den Milliardenkonzern heraus
25.10.2026

Ein Kunde will sein Adobe-Abo kündigen und soll dafür auch noch bezahlen. Seine Rache könnte den Software-Riesen teuer zu stehen kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI im Unternehmen: Warum ChatGPT allein noch keine Prozesse automatisiert
25.10.2026

ChatGPT schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und spart Mitarbeitern Zeit. Doch wer KI wirklich zur Prozessautomatisierung nutzen...