Inflation in der Eurozone: Preisdruck in Kernländern nimmt wieder zu
Die Inflation in der Eurozone entwickelt sich uneinheitlicher als erwartet. Neue Daten aus Frankreich und Spanien, der zweit- und viertgrößten Volkswirtschaft des Währungsraums, haben die Märkte im Februar 2026 überrascht und die Debatte über den geldpolitischen Kurs neu entfacht. Das berichten unsere Kollegen vom polnischen Portal Puls Biznesu. Sowohl in Paris als auch in Madrid zogen die Verbraucherpreise stärker an als von Ökonomen prognostiziert. Für die Europäische Zentralbank liefert das zusätzliche Argumente, vorerst auf weitere Zinssenkungen zu verzichten. Der Weg zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Inflation in der Eurozone erweist sich damit als schwieriger als noch vor wenigen Monaten angenommen.
Frankreich: Deutlicher Anstieg der Verbraucherpreise
In Frankreich beschleunigte sich die Teuerung im Februar 2026 spürbar. Die Verbraucherpreise lagen 1,1 Prozent über dem Vorjahresniveau, nachdem die Jahresrate im Januar noch bei 0,4 Prozent gelegen hatte. Ökonomen hatten im Median lediglich mit 0,7 Prozent gerechnet. Die Abweichung fiel damit deutlich aus. Ein zentraler Faktor war die Energiekomponente. Die Energiekosten dämpften die Gesamtinflation weniger stark als im Vormonat, insbesondere nach den im Vorjahr erfolgten Anpassungen regulierter Preise. Damit wirkte ein zuvor preisdämpfender Effekt nicht mehr in gleichem Maße. Die Banque de France geht inzwischen davon aus, dass der Preisauftrieb in den kommenden Monaten anhält. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Notenbank eine durchschnittliche Inflationsrate von 1,3 Prozent. Auch wenn dieser Wert unterhalb des mittelfristigen Zielwerts von 2 Prozent liegt, signalisiert die Dynamik, dass der Disinflationsprozess ins Stocken geraten könnte.
Spanien: Starke Binnenkonjunktur hält Preise oben
Auch in Spanien stieg die Inflation unerwartet. Die Jahresrate kletterte auf 2,5 Prozent, nach 2,4 Prozent im Vormonat. Analysten hatten hingegen mit einem Rückgang auf 2,3 Prozent gerechnet. Damit bewegt sich Spanien klar über dem Wert Frankreichs und leicht oberhalb des Inflationsziels der Europäischen Zentralbank.
Die spanische Wirtschaft zählt derzeit zu den wachstumsstärksten im Euroraum. Neben einer robusten Tourismusbranche stützt insbesondere eine anhaltend hohe Zuwanderung die Konsumnachfrage. Diese starke Binnennachfrage erschwert es der Geldpolitik, die Preisentwicklung zu bremsen. Händler und Dienstleister können höhere Kosten eher weitergeben, ohne einen deutlichen Nachfragerückgang zu riskieren. Für die Europäische Zentralbank stärkt diese Entwicklung die Position jener Ratsmitglieder, die ein Festhalten am aktuellen Zinsniveau befürworten. Seit Juni des Vorjahres hat die Notenbank die Leitzinsen nicht mehr verändert. Vertreter der EZB betonen regelmäßig, dass das derzeitige Zinsniveau die Inflation in der Eurozone in der Nähe des Zielwerts von 2 Prozent halte.
Für Deutschland als größte Volkswirtschaft im Euroraum sind diese Signale von besonderer Bedeutung. Zwar beziehen sich die aktuellen Daten unmittelbar auf Frankreich und Spanien. Doch eine anhaltend höhere Inflation in der Eurozone würde die Zinspolitik für alle Mitgliedstaaten bestimmen und damit Investitionen, Baufinanzierungen sowie die Kreditkosten deutscher Unternehmen und Privathaushalte direkt beeinflussen. Ein spezifischer deutscher Sondereffekt lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht ableiten, wohl aber ein klarer geldpolitischer Handlungsrahmen für den gesamten Währungsraum.


