Börsengänge 2026: USA dominieren mit KI und Raumfahrt
Neue Rekorde bei Börsengängen, getrieben vor allem von Künstlicher Intelligenz und Raumfahrt. So lauten die Erwartungen an das IPO-Jahr 2026. Sollte sich die Prognose bewahrheiten, könnte SpaceX zum wertvollsten Börsengang der Geschichte aufsteigen und damit den bisherigen Rekord von Saudi Aramco übertreffen. Im Zentrum stehen erneut die US-Börsen, wo neben SpaceX auch OpenAI und Anthropic potenziell historische IPOs planen. Das berichten die DWN-Kollegen vom slowenischen Finanzportal Finance.si.
SpaceX-IPO: Elon Musk und der vielleicht größte Börsengang aller Zeiten
Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk gilt laut Reuters als der am meisten erwartete und womöglich größte IPO aller Zeiten. Berichten zufolge könnte die Bewertung beim SpaceX-Börsengang bis zu 1,5 Billionen Dollar erreichen. Möglich wird dies unter anderem durch die jüngste Fusion mit dem KI-Unternehmen xAI. SpaceX könnte dabei bis zu 50 Milliarden Dollar frisches Kapital einsammeln. Die Mittel sollen unter anderem in den Ausbau der Starship-Raketenflotte, eine geplante Mondbasis sowie in weltraumgestützte KI-Rechenzentren fließen. Als Termin wird Mitte 2026 gehandelt, Medien sprechen von Juni.
Ein signifikanter Anteil der SpaceX-Aktien soll auch Privatanlegern über die Plattform Robinhood zugänglich gemacht werden. Als Konsortialführer werden Goldman Sachs und JPMorgan genannt. Wegen des Umfangs des Geschäfts sollen auch internationale Banken eingebunden werden. Kritik kommt unter anderem vom Economist. Dort wird die Fusion von SpaceX und xAI hinterfragt. xAI gilt als stark kapitalintensiv und verbrenne rund eine Milliarde Dollar pro Monat, während die Einnahmen des Chatbots Grok als gering beschrieben werden. Anleger sind jedenfalls in Vorfreude
OpenAI-Börsengang: ChatGPT will KI-Wettbewerbern zuvorkommen
OpenAI, Entwickler von ChatGPT und Pionier im Bereich Künstliche Intelligenz, bereitet laut Reuters ebenfalls einen Börsengang vor. Die Bewertung könnte bis zu eine Billion Dollar erreichen. Während Finanzchefin Sarah Friar einen IPO im Jahr 2027 nennt, rechnen einige Berater bereits in der zweiten Hälfte 2026 mit einem Börsendebüt. Ziel sei es, dem Wettbewerber Anthropic zuvorzukommen. Der KI-Konzern könnte mindestens 60 Milliarden Dollar einwerben und damit sogar den SpaceX-Börsengang übertreffen.
OpenAI-CEO Sam Altman betont, dass ein Börsengang angesichts des enormen Kapitalbedarfs für KI-Infrastruktur und Chips wahrscheinlich sei. Gleichzeitig äußert er Vorbehalte gegenüber der Rolle als Vorstand eines börsennotierten Konzerns. Microsoft hält nach Investitionen von 13 Milliarden Dollar weiterhin rund 27 Prozent der Anteile. Die Umsätze sollen bis Jahresende auf 20 Milliarden Dollar steigen. Dennoch schreibt OpenAI weiterhin hohe Verluste, was Investoren genau prüfen dürften.
Anthropic-IPO: Wettlauf mit ChatGPT-Börsengang
Das 2021 von ehemaligen OpenAI-Managern gegründete Unternehmen bereitet ebenfalls einen IPO für Ende 2026 vor. Einige Quellen rechnen mit einem früheren Zeitplan. Aktuell wird ein Mitarbeiteraktienrückkauf bei einer Bewertung von 350 Milliarden Dollar vorbereitet. Für das kommende Jahr werden 26 Milliarden Dollar Umsatz prognostiziert. Damit läge Anthropic zwei Jahre vor OpenAI auf dem Weg zur Profitabilität. Bei der Vorbereitung des Anthropic-Börsengangs gibt es eine Zusammenarbeit unter anderem mit Wilson Sonsini und Blackstone.
Kraken-Börsengang: Kryptobörse will umfassender Finanzanbieter werden
Die Kryptobörse Kraken reichte im November 2025 in den USA Unterlagen für einen IPO ein. Ein Börsengang im ersten Quartal 2026 wurde bereits diskutiert. Kraken baut sein Geschäftsmodell aus und entwickelt sich von einer reinen Kryptoplattform zu einem umfassenden Finanzanbieter. Mit der Übernahme von NinjaTrader für 1,5 Milliarden Dollar und Small Exchange für 100 Millionen Dollar stärkt das Unternehmen sein Derivategeschäft in den USA.
Discord-IPO
Die Kommunikationsplattform mit mehr als 200 Millionen monatlich aktiven Nutzern stellte im Januar IPO-Unterlagen. JPMorgan Chase und Goldman Sachs begleiten den Prozess. Seit 2020 vervierfachte Discord seine Umsätze auf über 600 Millionen Dollar jährlich. Die zentrale Herausforderung bleibt jedoch die Balance zwischen stärkerer Monetarisierung und Erhalt der Plattformkultur.
Revolut: Börsengang im Jahr 2026 wahrscheinlich
Auch Europa könnte 2026 ein starkes IPO-Jahr erleben. Laut Financial Times spricht der Deutsche-Bank-Experte Toma Swerling vom besten IPO-Markt seit mehr als einem Jahrzehnt.
Das Fintech-Unternehmen Revolut erreichte zuletzt eine Bewertung von 75 Milliarden Dollar. Ein Revolut-Börsengang im Jahr 2026 gilt als wahrscheinlich. Zur Wahl stehen London und New York. Die britische Regierung versucht mit steuerlichen Anreizen, den Börsengang in London zu halten. Rund 80 Prozent der Einnahmen generiert Revolut über Gebühren. Mit frischem Kapital plant das Unternehmen die Expansion in 30 neue Märkte und eine Steigerung der Nutzerzahl auf 100 Millionen.
Stripe-Börsengang: Ziel ist eine Bewertung von rund 100 Milliarden Dollar
Das irische Zahlungsunternehmen wird seit Jahren als IPO-Kandidat gehandelt. Anfang 2025 übernahm Stripe das Stablecoin-Unternehmen Bridge für 1,1 Milliarden Dollar. Eine Bewertung von rund 100 Milliarden Dollar gilt als möglicher Meilenstein für einen Stripe-Börsengang. Zuletzt lag die Bewertung bei 91,5 Milliarden Dollar.
KNDS-Börsengang: Rüstungskonzern plant Doppelnotierung
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS plant laut Reuters für Mitte 2026 eine Doppelnotierung in Paris und Frankfurt. Das Unternehmen ist auf Landsysteme und Munition spezialisiert. Es wird mit 20 Milliarden Euro bewertet. Der Auftragsbestand beträgt 23,5 Milliarden Euro. Mit dem IPO sollen Investitionen in Technologie und Kapazitäten finanziert werden. Neben Frankreich könnte sich auch die deutsche Bundesregierung beteiligen.
Visma-Börsengang in London geplant
Das norwegische IT-Unternehmen Visma plant laut Financial Times einen Börsengang in London im ersten Halbjahr 2026. Visma hat London vor Amsterdam gewählt – maßgeblich aufgrund von Reformen der britischen Börsenregulierung, die London attraktiver für internationale Listings machen sollen (dazu gehört zum Beispiel die Einbeziehung von in Euro gehandelten Aktien in FTSE-Indizes).
Visma hat den gerade erst den Kreis der Banken für das IPO erweitert: Neben Goldman Sachs, Morgan Stanley und UBS sollen nun mindestens 11 weitere internationale Banken beteiligt sein, darunter Bank of America, Santander, Barclays, BNP Paribas, Nordea, DNB und weitere. Die verstärkte Bankbeteiligung deutet darauf hin, dass die Vorbereitungen für ein großvolumiges IPO im ersten Halbjahr 2026 in vollem Gange sind. Der Visma-Börsengang könnte ein Volumen von rund 19 Milliarden Euro umfassen.
Monzo: Börsengang des britischen Fintechs könnte sich verzögern
Das britische Fintech Monzo wird seit Jahren als IPO-Kandidat gehandelt. Der Rücktritt von CEO TS Anil dürfte den Monzo-Börsengang jedoch verzögern – der Rücktritt erfolgte hauptsächlich wegen interner Differenzen über das Timing des Börsengangs. Der Konflikt drehte sich zuletzt um die Frage, ob Monzo schon bereit für einen IPO sei oder ob erst die internationale Expansion gestärkt werden sollte.
Neue Monzo-CEO ist Diana Layfield. Sie bringt Erfahrung unter anderem als General Managerin für Search, International & Growth bei Google mit sowie als ehemalige CEO der Afrika-Region bei Standard Chartered. Layfield soll das Fintech stärker auf internationale Expansion und für einen stabilen Monzo-Börsengang ausrichten.
Weitere Börsengänge 2026: Shein und Canva
Der Modekonzern Shein strebt nach gescheiterten Versuchen in New York und London nun eine Notierung in Hongkong an. Die Bewertung sank von 100 Milliarden Dollar vor drei Jahren auf rund 30 Milliarden Dollar. Konkurrenz durch Temu sowie verschärfte Handelsregeln in den USA und Europa belasten das Geschäftsmodell. Das australische Designunternehmen Canva mit 240 Millionen monatlich aktiven Nutzern erwirtschaftete zuletzt 3,3 Milliarden Dollar Umsatz. Ein IPO gilt in den kommenden Jahren als wahrscheinlich.
Und Deutschland? Konkrete neue IPO-Kandidaten sind derzeit nicht bekannt. Der deutsche Kapitalmarkt verzeichnete 2025 keine nennenswerten Börsengänge. Seit 2018 gab es nur wenige größere Neuemissionen. Während etwa die Börse Zagreb 2025 drei neue Unternehmen listete, blieb es in Deutschland vergleichsweise ruhig. Für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzstandorts Deutschland wird entscheidend sein, ob es gelingt, innovative Wachstumsunternehmen künftig stärker an die heimischen Börsen zu binden.

