Wirtschaft

"Made in All of America": Was Biden mit der US-Wirtschaft vorhat

Beim momentanen Stand der Dinge würde Joe Biden neuer US-Präsident werden. Das ist Grund genug, sich seine wirtschaftspolitischen Ziele genauer anzuschauen.
05.11.2020 15:03
Aktualisiert: 05.11.2020 15:03
Lesezeit: 2 min
"Made in All of America": Was Biden mit der US-Wirtschaft vorhat
Den aktuellsten Prognosen zufolge wird Biden nach dem Ende der Auszählungen die Nase vorn haben. (Foto: dpa) Foto: Patrick Semansky

Joe Biden fehlen nur noch wenige Stimmen im Wahlkollegium, dann wird er neuer US-Präsident. Was aber will der Demokrat wirtschaftspolitisch, sollte er im Januar ins Weiße Haus einziehen? Seine Pläne reichen von höheren Unternehmensteuern bis hin zur Förderung von US-Produkten. Nicht alles ließe sich einfach umsetzen, denn im Senat könnten die Republikaner ihre Mehrheit verteidigen und wichtige Gesetzesvorhaben blockieren. Biden wäre dann auf Kompromisse angewiesen oder könnte zumindest einen Teil seiner Vorhaben mit Hilfe von Präsidialverordnungen durchsetzen. Nachfolgend ein Überblick:

Made in „All of America“

Der Demokrat kündigt in seiner "Buy American"-Initiative an, die Nachfrage nach heimischen Industrieprodukten durch eine staatliche Beschaffungsinitiative und den Ausbau der Infrastruktur mit 400 Milliarden Dollar anzukurbeln. Regierungsaufträge sollen jenen Unternehmen vorbehalten sein, die überwiegend in den USA produzieren. Mit einer Mischung aus spezifischen Anreizen und neuen Finanzierungsinstrumenten unter dem Schlagwort "Made in All of America" sollen speziell kleinere Unternehmen gefördert werden. Biden stellt zudem 300 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung in Aussicht - etwa in den Bereichen 5G, Elektromobilität und Künstliche Intelligenz.

Steuern

Biden will die Unternehmensteuern anheben, und zwar auf 28 Prozent. Das läge in der Mitte zwischen dem aktuellen Niveau und dem vor Trumps Steuerreform. Zugleich will der Demokrat die Reichen stärker zur Kasse bitten: Der Spitzensteuersatz soll von 37 Prozent auf das alte Niveau von 39,6 Prozent angehoben und zugleich Steuerschlupflöcher geschlossen werden. Einkommen von unter 400.000 Dollar pro Jahr will Biden von Steuererhöhungen verschonen, was auf mehr als 98 Prozent der Haushalte zutrifft. Zwischen 2,4 und 3,4 Billionen Dollar könnten Berechnungen von US-Instituten zufolge dadurch binnen eines Jahrzehnts an Mehreinnahmen generiert werden.

Handelspolitik

"Ich werde Zölle einsetzen, wenn sie gebraucht werden, aber der Unterschied zwischen Trump und mir besteht darin, dass ich eine Strategie - einen Plan - haben werde, um mit diesen Zöllen zu gewinnen, und nicht nur, um Härte vorzutäuschen", schrieb Biden an die Gewerkschaft United Steelworkers. Die Stahl- und Aluminiumzölle würden so lange bestehen bleiben, bis eine globale Lösung zur Begrenzung der Überproduktion - weitgehend in China zentriert - ausgehandelt werden kann. Als bekennender Transatlantiker ist Biden aber auch an einem besseren Verhältnis zu Europa gelegen. Dass er Strafzölle auf Importe europäischer Autos androht, wie sein Rivale Trump es regelmäßig tut, gilt als wenig wahrscheinlich. Vielmehr dürfte er versuchen, die europäischen Partner einzuspannen, um gemeinsam den Aufstieg Chinas zu bremsen.

Klimapolitik

Mit zwei Billionen Dollar will der Demokrat in den kommenden vier Jahren den Ausbau einer klimaschonenden Infrastruktur fördern - von alternativen Antriebsstoffen wie Elektromobilität bis hin zu grünem Wasserstoff. Auch die Solar- und Windenergie sollen gefördert werden. Bidens Ziel ist es, dass die USA bis spätestens 2050 klimaneutral werden.

Fazit

  • Für eine seriöse finale Beurteilung müsste man mehr zum Beispiel über die geplanten Anreize zum Kauf heimischer Produkte wissen. Der bürokratische Aufwand dürfte hier aber sehr hoch sein.
  • Die handelspolitischen Pläne sind noch sehr schwammig.
  • Die Industrie- und Klimapolitik wird nicht billig. Im Windschatten der Wahl emittierte das Schatzamt Staatsanleihen im Rekordvolumen von 122 Milliarden – das Geld fließt ausschließlich in die Bedienung fällig gewordener Altschulden. Bidens geplante Steuererhöhungen werden zur Finanzierung der großen Vorhaben jedenfalls nicht ausreichen, zumal sie sich auch negativ auf die Wirtschaftsaktivität auswirken werden. Die Staatsschulden-Orgie wird also weitergehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Energiewende-Pläne: Umweltminister Schneider stoppt Entwurf von Reiche
07.05.2026

Im Streit um die Energiewende zeigt sich die Bundesregierung tief gespalten. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) lehnte die Pläne von...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt leicht nach, da sich die Ölpreise erholen
07.05.2026

Geopolitische Unsicherheiten und überraschende Gewinner: Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte aktuell in Atem halten.

DWN
Politik
Politik Friedenssignale aus Teheran: Warum Trump den Iran-Krieg kaum als Sieg verkaufen kann
07.05.2026

Die Märkte setzen auf Entspannung im Iran-Konflikt, doch Trump steht vor einer politischen Niederlage und die Zukunft der Straße von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rohstoffmärkte unter Druck: Was den Kupferpreis jetzt bewegt
07.05.2026

Der Kupferpreis steht im Zentrum neuer Machtverschiebungen an den Rohstoffmärkten. Wie stark kann KGHM davon profitieren, wenn Geopolitik,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Effizienz-Schock bei DeepL: Kölner KI-Aushängeschild entlässt 250 Mitarbeiter
07.05.2026

Das Kölner Vorzeige-Startup DeepL galt lange als die deutsche Antwort auf das Silicon Valley. Doch trotz technischer Erfolge zieht das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kraftwerksgesetz: Kartellamt warnt vor Einschränkung des Wettbewerbs
07.05.2026

Das Kartellamt äußert massive Kritik am geplanten Kraftwerksgesetz (StromVKG) des Wirtschaftsministeriums. Laut einer aktuellen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Warsteiner Brauerei: Konzern schließt Standorte und bündelt Bierproduktion
07.05.2026

Die Warsteiner Brauerei (Haus Cramer Gruppe) reagiert auf den sinkenden Bierkonsum in Deutschland mit einem drastischen Kapazitätsabbau....

DWN
Technologie
Technologie KI-Gesetz der EU: Neues Verbot für Missbrauch-Deepfakes beschlossen
07.05.2026

Die EU verschärft das KI-Gesetz und verbietet künftig sexualisierte Deepfakes sowie KI-Inhalte, die Kindesmissbrauch darstellen....