Politik

Deutsche Rüstungsexporte für türkische Marine in Milliardenhöhe

Griechenland hat Deutschland aufgefordert, die Rüstungsexporte an die türkische Marine zu stoppen. Grund ist der Konflikt um Erdgasvorkommen im Mittelmeer.
09.11.2020 12:13
Aktualisiert: 09.11.2020 12:13
Lesezeit: 1 min
Deutsche Rüstungsexporte für türkische Marine in Milliardenhöhe
Wegen des aktuellen Streits im Mittelmeer stehen nun auch die Lieferungen von ThyssenKrupp an die Türkei in der Kritik. (Foto: dpa) Foto: Marcel Kusch

Die deutsche Rüstungsindustrie hat seit 2004 Kriegsschiffe oder Teile dafür im Wert von 9,8 Milliarden Euro an die Türkei geliefert. Das geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die neu erteilten Genehmigungen der Bundesregierung für die Produktion von Kriegsschiffen lag in diesem Zeitraum deutlich niedriger: Seit 2002 wurden Exporte im Wert von 522 Millionen Euro für den Bau, die Bewaffnung oder die technische Ausrüstung von Kriegsschiffen erlaubt.

Der Großteil der Genehmigungen wurde also schon vor 2002 erteilt. Die Lieferung kann sich bei Großprojekten aber Jahre oder Jahrzehnte hinziehen. Inzwischen sind die deutschen Rüstungsexporte an die türkische Marine wegen des Konflikts der Nato-Partner Griechenland und Türkei um Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer höchst umstritten.

Die Regierung in Athen hat den EU-Partner Deutschland aufgefordert, die Rüstungsexporte an die türkische Marine zu stoppen. Bisher unterbindet die Bundesregierung nur den Export von Rüstungsgütern an die Türkei, die im Syrien-Krieg eingesetzt werden können.

Es geht vor allem um den Bau von sechs U-Booten der Klasse 214, die in der Türkei unter maßgeblicher Beteiligung des Konzerns ThyssenKrupp Marine Systems montiert werden. Die Bundesregierung hatte die Lieferung von Bauteilen bereits 2009 genehmigt und den Export mit einer sogenannten Hermes-Bürgschaft von 2,49 Milliarden Euro abgesichert. Damals waren die Beziehungen zwischen beiden Ländern noch deutlich entspannter.

Jetzt gerät das U-Boot-Projekt wegen des sich zuspitzenden Konflikts im Mittelmeer immer stärker in die Kritik. Dagdelen nannte die Exporte "unerträglich". "Wer wie Kanzlerin Merkel und Außenminister Maas weiter Waffen an die Türkei liefert, sollte das Wort europäische Solidarität nicht mehr in den Mund nehmen", sagte sie.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik NATO-Rüstungsproduktion: Warum Europas Milliarden keine Raketen stoppen
02.07.2026

Die NATO gibt immer mehr Geld für Verteidigung aus, doch Europas Rüstungsindustrie kommt kaum hinterher. Beim Gipfel in Ankara zeigt sich...

DWN
Politik
Politik Merz lobt Reformpaket, wirbt um Unterstützung und verschärft Krankschreibungen
02.07.2026

Krankschreibungen sollen strenger werden, gleichzeitig verspricht die Koalition Steuerentlastungen und weniger Bürokratie. Kanzler...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit: Niederlagen im Fußball, Alarm in den Unternehmen
02.07.2026

Deutschland war Exportweltmeister, Fußballweltmeister und Vorbild für industrielle Stärke. Heute scheiden Nationalmannschaften früh...

DWN
Politik
Politik Koalition einigt sich auf Steuerentlastungen
02.07.2026

Zum 1. Januar 2027 soll eine Reform der Einkommensteuer in Kraft treten. Steuerzahler sollen dadurch insgesamt um 10 Milliarden Euro pro...

DWN
Finanzen
Finanzen Rüstungsaktien: Der Hype ist vorbei, jetzt zählt der Gewinn
02.07.2026

Europas Rüstungsindustrie galt lange als großer Gewinner der Zeitenwende. Bei Rheinmetall und anderen Verteidigungswerten bröckelt die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chinesische Übernahme von MediaMarktSaturn: Ministerium genehmigt Angebot
02.07.2026

Der chinesische Handelskonzern JD.com will sich MediaMarktSaturn sichern. Das Bundeswirtschaftsministerium erteilt die Freigabe unter...

DWN
Immobilien
Immobilien Mietrechtsreform: Die neue Indexmiete
02.07.2026

Ab 01. Juli 2026 tritt eine vom Kabinett beschlossene Mietrechtsreform in Kraft, welche die Rechte und Möglichkeiten von Mietern und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt in letzter Minute nach, trotz Warshs Inflationsoptimismus
01.07.2026

Überraschende Kehrtwende kurz vor Handelsschluss: Erfahren Sie, welche Faktoren die US-Märkte am Abend bewegten.