Finanzen

Nach Rücktritt des Finanzministers: Türkische Lira erholt sich kräftig

Nachdem der türkische Finanzminister Berat Albayrak überraschend zurückgetreten ist, ist eine deutliche Erholung der Türkischen Lira eingetreten.
09.11.2020 13:13
Aktualisiert: 09.11.2020 13:13
Lesezeit: 1 min
Nach Rücktritt des Finanzministers: Türkische Lira erholt sich kräftig
15.08.2018, Türkei, Istanbul: Ein Mitarbeiter einer Wechselstube zählt türkische Lira-Banknoten. (Foto: dpa) Foto: Lefteris Pitarakis

Der Euro hat sich zum Wochenauftakt kaum bewegt. Er konnte damit die starken Kursgewinne der Vorwoche verteidigen. Gegen Mittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1866 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,1870 Dollar festgesetzt. In der vergangenen Woche was der Eurokurs etwa zwei Cent gestiegen.



Der US-Dollar wurde zuletzt nach dem Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl durch eine allgemein freundliche Stimmung an den Finanzmärkten belastet, während der Euro im Gegenzug gestützt wurde. Konjunkturdaten sorgten zum Wochenauftakt nicht für nennenswerte Impulse.



Eine starke Kursbewegung gab es hingegen bei der türkischen Lira. Nach der überraschenden Abberufung des Notenbankchefs und des Rücktritts des Finanzministers Berat Albayrak hatte sich der neue Notenbankchef des Landes, Naci Agbal, zu Wort gemeldet. „Notwendige geldpolitische Entscheidungen werden unternommen“, teilte der neue Notenbankgouverneur in einer am frühen Montagmorgen in Ankara veröffentlichten Stellungnahme mit.



Am Devisenmarkt konnte die türkische Lira nach den Aussagen zu einer deutlichen Kurserholung ansetzen. Im Mittagshandel wurde ein Dollar zeitweise für etwa 8,00 Lira gehandelt. Am Morgen mussten noch 8,44 Lira für einen Dollar gezahlt werden. Damit ist der Wert der türkischen Währung im Verlauf des Tages um etwa fünf Prozent gestiegen.



Zuvor hatte die türkische Währung stark unter Druck gestanden und erreichte am Freitag erneut Rekordtiefs im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro. Zeitweise wurde ein Euro für mehr als zehn Lira gehandelt.



Trotz des Wechsels an der Notenbank-Spitze rechnen Devisen-Experten der Commerzbank nicht mit einer grundlegenden Änderung der Lage. Devisen-Analyst Tatha Ghose erwartet in den kommenden Monaten eher eine Fortsetzung der Lira-Schwäche. In der Türkei sei der Leitzins von derzeit 10,25 Prozent zu niedrig vor dem Hintergrund einer Inflationsrate von knapp 12 Prozent. Der Kursverfall der Landeswährung liege zudem vor allem an der fehlenden Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Platzt die KI-Blase aufgrund des überhitzten Anleihemarktes?
17.09.2026

Ist der KI-Boom nur ein überzogener Hype? Wann ziehen die Investoren die Bremse - oder werden alle Erwartungen an die Einnahmen durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Erholung nach dem Fed-Schock – doch Dollar und Zinsen bremsen
17.09.2026

Der Goldpreis holt nach heftigen Ausschlägen wieder auf. Doch die erste US-Zinserhöhung seit drei Jahren verändert das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Gegen den Trend: KI-Start-up Langdock verlegt Sitz nach Deutschland
17.09.2026

Langdock kehrt mit seinem Hauptsitz aus den USA nach Deutschland zurück und plant Investitionen in ein eigenes Rechenzentrum für mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nach Drei-Euro-Zoll kommt die nächste Gebühr
17.09.2026

Neben Zöllen auf Onlinekäufe aus China kommt nun auch eine Gebühr für die Bearbeitung von Sendungen. Die Verantwortung des Verkäufers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau trotz hoher Umsätze: Elektroriese Media Markt plant Personalstreichung
16.09.2026

Media Markt und Saturn planen Stellenabbau: Trotz hoher Umsätze geraten Arbeitsplätze unter Druck. Nach Informationen der...

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street rutscht ab: Fed signalisiert dauerhaft höhere Zinsen
16.09.2026

Unerwartete Signale der US-Notenbank sorgen für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Entwicklungen jetzt die Kurse belasten.

DWN
Politik
Politik Bedrohungen durch Russland: Von der Leyen will eigenen Artikel 4 für die EU
16.09.2026

Leipziger Sprengstoffdrohne als mahnendes Beispiel: Reicht die Nato aus, um die Sicherheit Europas zu gewährleisten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Europa: Der Osten gewinnt, der Westen besitzt
16.09.2026

Fabriken gehen nach Osten. Arbeitsplätze gehen nach Osten. Wo liegen die wertmäßig größten Projekte? Wem gehört das Kapital?