Unternehmen

Deutscher Mittelstand wehrt sich gegen Polizei-Zugriff auf Messenger

Brüssel will den europäischen Strafverfolgungsbehörden künftig erlauben, private Messenger-Gespräche mitzulesen. Der deutsche Mittelstand hält davon überhaupt nichts.
17.11.2020 17:14
Lesezeit: 1 min
Deutscher Mittelstand wehrt sich gegen Polizei-Zugriff auf Messenger
Die EU plant massive Eingriffe in die Privatsphäre (Foto: dpa) Foto: Ole Spata

Die EU will den Strafverfolgungsbehörden künftig den Zugriff auf Messenger-Gespräche erlauben, damit die Ämter besser Terrorismus und organisierte Kriminalität verfolgen können. Der deutsche Mittelstand hält von diesen Plänen überhaupt nichts:

„Mit dem Plan, sichere Verschlüsselung abzuschaffen und alle Betriebe zur Hinterlegung von Generalschlüsseln zu zwingen, riskiert Brüssel erhebliche Kollateralschäden. Dem Missbrauch von Persönlichkeitsrechten und Betriebsgeheimnissen würde Tür und Tor geöffnet", warnt der Geschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands (BVMW), Markus Jerger. Seine Organisation vertritt rund 15.000 Mitglieder in Deutschland.

Der BVMW fordert daher den EU-Ministerrat auf, diesen Entwurf zurückzuweisen. Dieser Forderung schließt sich auch Dr. Oliver Grün, Präsident des Bundesverband IT-Mittelstand und Präsident des IT-Mittelstand-Europaverbandes European DIGITAL SME Alliance an.

Für die BVMW-Kommission Internet und Digitales erklärt Carsten Brockmann, Geschäftsführer von BPS Software: „Wann immer ein Verschlüsselungsalgorithmus eine Hintertür zulässt, kann diese von Kriminellen genutzt werden, um die Verschlüsselung auszuhebeln. Ein sicheres System wird dadurch nachhaltig geschwächt. Über diese Hintertür hätten zudem Betreiber und Behörden in ganz Europa Zugriff. Ebenso werden andere internationale Akteure versuchen, sich einen Zugang zu verschaffen. Das würde alle End-to-End-Verschlüsselungssysteme ad absurdum führen."

Eva Mattes, Referentin für Digitales beim BVMW, ergänzt: „Der Entwurf schafft de facto sichere digitale Kommunikation ab und würde zu einem massiven Vertrauensverlust der Bevölkerung in digitale Lösungen führen. Der Weg kann nicht darin bestehen, Hintertüren einzubauen, sondern sich darauf zu konzentrieren, gesetzliche Regelungen auf die Höhe der Zeit zu bringen.“

Hintergrund: Die EU-Mitgliedsstaaten fordern offenbar das Recht, in verschlüsselte Messenger-Chats zu schauen. Das berichtet das internationale Portal "Euractiv Deutschland" und beruft sich dabei auf einen Entwurf für einen Ratsbeschluss. Den Angaben zufolge soll dieser endgültig im Dezember beschlossen werden.

Die Gemeinschaft will damit die Strafverfolgungsbehörden in ihrem Kampf gegen unterschiedliche Verbrechen stärken. Dazu gehören der Terrorismus, organisierte Kriminalität und verschiedene Cyber-Verbrechen - beispielsweise die Verbreitung von Kinderpornographie.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Milliardenmarkt Online Glücksspiel: Wie Zahlungsanbieter an Casinos verdienen

Wer in einem Online Casino Geld einzahlt, erlebt meist einen unspektakulären Vorgang. Zahlungsmethode auswählen, Betrag eingeben,...

 

DWN
Politik
Politik E-Auto-Förderung: Deutsche Hersteller zahlen, chinesische Hersteller profitieren
21.08.2026

Milliarden für die Verkehrswende, Rabatte für Käufer und Rekordwachstum bei Elektroautos: Die Förderung scheint zu wirken. Gleichzeitig...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 39: Die Woche im Rückblick – KW 34
21.08.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasspeicher auf Rekordtief: Reicht das Gas?
21.08.2026

Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Obwohl die Bundesregierung keine Mangellage erwartet, warnen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elektroindustrie steigert Exporte trotz US-Handelsstreit
21.08.2026

Die deutsche Elektroindustrie trotzt dem Handelsstreit mit den USA und steigert ihre Ausfuhren kräftig. Besonders im Juni beschleunigte...

DWN
Finanzen
Finanzen Fielmann-Aktie bricht nach gesenkter Jahresprognose ein
21.08.2026

Fielmann enttäuscht Anleger mit niedrigeren Zielen für Umsatz und Ergebnis. Die Fielmann-Aktie rutscht auf den tiefsten Stand seit dem...

DWN
Politik
Politik Baerbock unter Beschuss: USA und Russland werfen Baerbock Heuchelei vor
21.08.2026

Zwischen Washington und Moskau herrscht selten Einigkeit. Doch Annalena Baerbocks Vorgehen bei der Suche nach dem nächsten...

DWN
Technologie
Technologie Wenn KI-Agenten ausbrechen: OpenAI nennt neue Details
21.08.2026

Zwei OpenAI-Modelle verließen bei einem Sicherheitstest die isolierte Umgebung und griffen Hugging Face an. Nun zeigt sich: Der Vorfall...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Korte Einrichtungen: Insolvenz des Ladenbauers - 138 Arbeitsplätze vorerst gesichert
21.08.2026

Hohe Kosten, lange Genehmigungsverfahren und zurückhaltende Kunden bringen Korte Einrichtungen in Bedrängnis. Das Unternehmen setzt nun...