Wirtschaft

Zentralbanken nutzen den Klima-Wandel, um heimlich ihre Macht auszubauen

Die vier mächtigsten Zentralbanken der Welt nutzen den sogenannten „Kampf gegen den Klimawandel“, um ihre Macht erheblich auszuweiten.
06.12.2020 22:08
Aktualisiert: 06.12.2020 22:08
Lesezeit: 3 min

Die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve, die Bank of England und die japanische Zentralbank wollen sich künftig nicht mehr nur darum kümmern, dass die Inflation hoch genug bleibt. Sie haben sich nun außerdem die Bekämpfung des Klimawandels zum Ziel gesetzt. So will etwa EZB-Chefin Christine Lagarde den Klimaschutz zu einem wesentlichen Bestandteil der Geldpolitik machen. Sie drängt darauf, dass der Klimawandel ein wichtige Rolle erhält, wenn die Europäische Zentralbank ihre erste strategische Überprüfung seit 2003 durchführt.

Den Konflikt mit Kritikern in den Reihen der EZB nimmt Lagarde dabei durchaus in Kauf, wie die Financial Times berichtet. So sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann bereits im vergangenen Jahr, dass er jeden Versuch, die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank auf die Bekämpfung des Klimawandels umzulenken, "sehr kritisch" betrachten werde. Doch Weidmann vertritt hier eine Minderheitenmeinung mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Auch die Bank of England hat sich Ende letzten Jahres der Rettung des Klimas verschrieben. Die Welt werde sich unumkehrbar erwärmen, wenn die Unternehmen nicht bald ihre Prioritäten ändern, sagte der scheidende Zentralbankchef gegenüber der BBC. Zwar habe der Finanzsektor begonnen, die Investitionen in fossile Brennstoffe zu drosseln - aber viel zu langsam. Wenn die Firmen die Klimakrise nicht zur Kenntnis nehmen, würden viele ihrer Vermögenswerte wertlos werden.

Japans Zentralbankchef Haruhiko Kuroda warnt ebenfalls vor den Risiken des Klimawandels. Dies sei ein ganz neues Problem, mit dem sich die Zentralbanken zur Aufrechterhaltung der Finanzstabilität befassen müssten, zitiert ihn Reuters. Japans Naturkatastrophen wie der starke Taifun im letzten Oktober könnten den Wert von Vermögenswerten und Wertpapieren beeinträchtigen, und das damit verbundene Risiko könne eine bedeutende Herausforderung für Finanzinstitute darstellen.

Auch nach Ansicht der US-Notenbank ist der Klimaschutz entscheidend für die Geldpolitik. "Es wird für die Federal Reserve zunehmend wichtig sein, die Auswirkungen des Klimawandels und der damit verbundenen Politik bei der Festlegung der Geldpolitik zu berücksichtigen, um unsere Ziele der maximalen Beschäftigung und Preisstabilität zu erreichen", sagte Ende letzten Jahres Lael Brainard, Vorstand des Fed-Ausschusses für Finanzstabilität.

Welche Mittel die Zentralbanken an der Hand haben, um gegen den Klimawandel zu kämpfen, zeigt sich an den Forderungen, die in diesem Zusammenhang an sie gestellt werden. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang ein offener Brief an Christine Lagarde, den im November 2019 62 Lobbyorganisationen veröffentlichten, darunter zum Beispiel Namen wie Greenpeace, Attac und WWF. Die Autoren unterstützen die EZB-Chefin ausdrücklich in ihrem erklärten Ziel, das Klima zu retten.

"Nach Schätzungen könnten die physischen Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel ohne Gegenmaßnahmen zu Wertverlusten von bis zu 24 Billionen Dollar [kein Übersetzungsfehler!] bei globalen finanziellen Vermögenswerten führen", warnt der offene Brief. Es sei "besonders schockierend, dass die EZB - im Namen der Marktneutralität - weiterhin in großem Umfang Vermögenswerte von Unternehmen mit kohlenstoffintensiven und auf fossilen Brennstoffen beruhenden Aktivitäten erwirbt".

Die EZB sollte sich "unverzüglich dazu verpflichten, kohlenstoffintensive Vermögenswerte schrittweise aus ihren Portfolios zu streichen, angefangen mit dem sofortigen Verkauf von Vermögenswerten mit Bezug zu Kohle". Die Ansicht der Briefunterzeichner fordern von der EZB eine Neugestaltung der Wertpapierkäufe (Quantitative Easing) und der Refinanzierungsgeschäfte, "um sicherzustellen, dass sie Investitionen unterstützen, die zum Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft beitragen".

Bei den geforderten Wertpapierkäufen handelt es sich um ein bewährtes geldpolitisches Mittel, das alle großen Zentralbanken zur Anwendung bringen. Um Wertpapiere kaufen zu können, schaffen die Zentralbanken Geld aus dem nichts und erweitern ihre Bilanzen entsprechend. Bisher wurden die Wertpapierkäufe mit der Rettung des Finanzsystems oder mit dem Kampf gegen eine zu niedrige Inflation gerechtfertigt. Doch die Käufe haben auch erhebliche Nebenwirkungen.

Wertpapierkäufe durch Zentralbanken haben zum einen den Effekt, dass die Wertpapierpreise steigen, wovon die Wohlhabenden der Welt in den letzten Jahren massiv profitiert haben. Zum anderen ermöglichen Wertpapierkäufe ineffizienten Unternehmen und Staaten das billige Schuldenmachen. In der Folge werden Ressourcen verschwendet. Denn knappe Ressourcen wie Bodenschätze und Arbeitskraft, die für ineffiziente Projekte eingesetzt werden, fehlen dann für effizientere Projekte. Diese Verschwendung schadet letztlich auch der Umwelt.

Mit dem Klimaschutz schaffen sich die Zentralbanken nun einen Vorwand fürs Gelddrucken und den Kauf von Wertpapieren, der niemals versiegen wird. Denn während das Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent tatsächlich erreicht werden kann, wird das Klima niemals aufhören, sich zu wandeln. Wird es zu warm (oder zu kalt), muss man mehr Geld drucken. Wird es zu windig, muss man mehr Geld drucken. Gibt es zu viele oder zu wenige Niederschläge, muss man mehr Geld drucken. Die Zentralbanken haben diesen Trick zum Ausbau ihrer Macht offenbar längst erkannt.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutscher Arbeitsmarkt: Schwache Konjunktur bremst Erholung
08.01.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt trotz langsamer steigender Arbeitslosigkeit durch Konjunkturflaute und strukturelle Probleme belastet,...

DWN
Politik
Politik USA wollen sich für Jahre Zugriff auf Venezuelas Öl sichern
08.01.2026

Präsident Trump meldet Ansprüche auf die gewaltigen Bodenschätze an. Doch die Regierung in Caracas will sich nicht unter Druck setzen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie hebt ab: Was hinter dem Aufwärtstrend des DAX-Werts steckt und welche Rolle Venezuela spielt
08.01.2026

Die Rheinmetall-Aktie ist am Donnerstag kräftig nach oben geklettert. Der DAX-Wert setzt damit seine Aufwärtsrally seit Beginn des neuen...

DWN
Finanzen
Finanzen Amazon-Aktie: Warum Anleger zwischen Chance und Risiko abwägen
08.01.2026

Amazon prägt den globalen Technologiemarkt, bleibt an der Börse zuletzt jedoch hinter anderen Konzernen zurück. Handelt es sich dabei um...

DWN
Technologie
Technologie Lego Smart-Brick: Technologischer Meilenstein verändert den Spielwarenmarkt
08.01.2026

Lego befindet sich in einer Phase außergewöhnlicher Marktdynamik und strategischer Neuorientierung. Reicht technologische Innovation aus,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Erholt sich die deutsche Industrie?
08.01.2026

Die deutschen Industrieunternehmen überraschen im November mit einem kräftigen Auftragsschub. Besonders Metallerzeugnisse und der...

DWN
Finanzen
Finanzen Zalando-Aktie: Logistikzentrum Erfurt schließt, 2.700 Jobs betroffen
08.01.2026

Der Berliner Modekonzern Zalando zieht die Reißleine und schließt sein Logistikzentrum in Erfurt. 2.700 Beschäftigte verlieren ihren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Abfindung verhandeln: Wie Sie das Optimale aus Ihrem Jobverlust herausholen
08.01.2026

Die deutsche Wirtschaft streicht Stellen. Um Jobs abzubauen, bieten Unternehmen Mitarbeitern oft hohe Abfindungen an, um die...