Politik

US-Behörden treiben Zerschlagung von Facebook voran

Die US-Kartellbehörde und 46 Bundesstaaten haben Klage gegen Facebook eingereicht. Sie fordern eine Zerschlagung des Unternehmens.
11.12.2020 08:00
Lesezeit: 2 min
US-Behörden treiben Zerschlagung von Facebook voran
Mark Zuckerberg, Gründer und Vorsitzender von Facebook. (Foto: dpa) Foto: Liu Jie

Der Facebook-Aktienkurs ist am Mittwoch um rund 4 Prozent eingebrochen, und hat sich auch am Donnerstag noch nicht wieder erholt. Hintergrund ist, dass die US-Kartellbehörde FTC Facebook verklagt, in Zusammenarbeit mit zahlreichen US-Bundesstaaten, weil das Social-Media-Unternehmen angeblich seine marktbeherrschende Stellung missbraucht hat, um Wettbewerber zu schädigen.

Zusammen mit der Klage beantragen die FTC und die Bundesstaaten auch eine einstweilige Verfügung zur Rückabwicklung der Übernahmen von Instagram und WhatsApp durch Facebook. Die Klage folgte auf eine langwierige Untersuchung von Generalstaatsanwälten aus 46 Bundesstaaten, dem Sitz der US-Regierung District of Columbia und dem US-Territorium Guam.

In der Klage wird behauptet, dass der Social-Media-Gigant im Verlauf des letzten Jahrzehnts auf illegale Art und Weise seine Konkurrenten aufgekauft und Dienstleistungen für Konkurrenten gesperrt hat. Dabei habe Facebook seinen Nutzern die Vorteile eines Wettbewerbs vorenthalten sowie den Schutz der Privatsphäre und den Umfang der Dienstleistungen im Laufe der Zeit verringert.

Eingereicht wurde die Klageschrift gegen Facebook am Mittwoch von der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James, die eine überparteiliche Koalition von 48 Generalstaatsanwälten führt. "Seit fast einem Jahrzehnt hat Facebook seine Dominanz und Monopolmacht genutzt, um kleinere Rivalen zu vernichten und den Wettbewerb auszuschalten, und das alles auf Kosten der alltäglichen Nutzer", so James. Und weiter:

"Heute ergreifen wir Maßnahmen, um für die Millionen von Verbrauchern und viele kleine Unternehmen einzutreten, die durch das illegale Verhalten von Facebook geschädigt wurden. "nstatt sich dem Wettbewerb zu stellen, nutzte Facebook seine Macht, um den Wettbewerb zu unterdrücken, damit es die Nutzer ausnutzen und Milliarden einnehmen konnte, indem es mit persönlichen Daten Geld verdiente.

Fast alle Bundestaaten haben sich dieser überparteilichen Klage angeschlossen, weil die Bemühungen von Facebook, den Markt zu beherrschen, ebenso illegal wie schädlich waren. Die heutige Klage sollte eine klare Botschaft an Facebook und jedes andere Unternehmen senden, dass alle Bemühungen, den Wettbewerb zu ersticken, Innovationen zu reduzieren oder den Schutz der Privatsphäre zu beschneiden, mit der vollen Wucht unserer Behörden beantwortet werden."

Generalstaatsanwalt James und die Koalition beantragt vor dem Gericht, das illegale, wettbewerbswidrige Verhalten von Facebook einzustellen und das Unternehmen daran zu hindern, dieses Verhalten in Zukunft fortzusetzen. Darüber hinaus soll Facebook daran gehindert werden, weitere Übernahmen im Wert von 10 Millionen Dollar oder mehr zu tätigen, ohne die klagenden Staaten vorher darüber zu unterrichten.

Schließlich wird bei dem Gericht beantragt, alle zusätzlichen Erleichterungen zu gewähren, die es für angemessen erachtet, einschließlich der Veräußerung oder Umstrukturierung illegal erworbener Unternehmen oder gegenwärtiger Vermögenswerte oder Geschäftsbereiche von Facebook. Es geht also um nichts Geringeres als die Zerschlagung des Unternehmens.

Im Jahr 2012 kaufte Facebook Instagram für 1 Milliarde Dollar und im Jahr 2014 WhatsApp für 19 Milliarden Dollar. Diese Deals könnten nun rückgängig gemacht werden. Es handelt sich damit um die größte kartellrechtliche Klage, mit der Facebook jemals konfrontiert worden ist.

Das Unternehmen will sich gegen die Klage verteidigen und hat bereits darauf hingewiesen, dass die FTC seine Übernahmen selbst genehmigt hat.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Politik
Politik Trump verdient Milliarden im Amt: Wie das Präsidentenamt zur Geldquelle wird
10.01.2026

Das Weiße Haus ist traditionell mit politischer Macht verbunden, nicht mit privater Vermögensmehrung. Doch in welchem Ausmaß wird das...

DWN
Politik
Politik Emissionshandel: CO2-Zertifikate bringen Deutschland 21,4 Milliarden Euro ein
10.01.2026

Mit CO2-Zertifikaten kaufen Unternehmen die Erlaubnis, Treibhausgase auszustoßen. Damit finanziert werden Klimaschutz und Energiewende....

DWN
Finanzen
Finanzen Nachhaltigkeitsfinanzierung: Wie grüne Kriterien die Finanzwelt grundlegend verändern
10.01.2026

Wer heute Geld von einer Bank möchte, muss mehr liefern als gute Zahlen. Klimadaten, Energieverbrauch und CO2-Bilanzen entscheiden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bahnchefin Evelyn Palla: Ein schwieriger Start an der Konzernspitze
10.01.2026

Seit 100 Tagen steht Bahnchefin Palla an der Spitze der Deutschen Bahn. Große Erwartungen, harte Einschnitte und wenig spürbare...

DWN
Panorama
Panorama CES 2026 in Las Vegas: Wenn KI den Alltag übernimmt
10.01.2026

Auf der CES 2026 in Las Vegas zeigen Konzerne, wie tief Künstliche Intelligenz bereits in Geräte, Fabriken und Visionen eingreift. Doch...

DWN
Panorama
Panorama Folgen des Klimawandels: Erwärmung von Nord- und Ostsee setzt sich fort
10.01.2026

Nord- und Ostsee werden stetig wärmer: 2025 erreichte die Nordsee die höchste und die Ostsee die zweithöchste Temperatur seit Beginn der...

DWN
Panorama
Panorama Ukraine-Krieg: Tschechien will Granaten-Initiative für Ukraine weiterführen
10.01.2026

Mehr als vier Millionen Schuss Munition hat Kiew durch eine Prager Initiative erhalten. Überraschend will der neue Regierungschef Andrej...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Edeka-Händler Feneberg insolvent: 3.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
09.01.2026

Die Feneberg-Insolvenz trifft den Lebensmitteleinzelhandel im Süden unerwartet hart. Trotz geöffneter Märkte und gesicherter Löhne...