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Mit Prognose-Erhöhung und Zukauf: Wie Covestro den 3-D-Druck in Deutschland voranbringt

Der Werkstoff-Hersteller Covestro vom Rhein hat gerade unerwartet seine Prognose für 2020 erhöht. Doch das ist noch nicht alles.
10.12.2020 16:49
Aktualisiert: 10.12.2020 16:49
Lesezeit: 3 min
Mit Prognose-Erhöhung und Zukauf: Wie Covestro den 3-D-Druck in Deutschland voranbringt
Mit 3-D-Druck lassen sich mittlerweile alle möglichen Gegenstände vervielfältigen. (Foto: dpa)

„Eine überlegene Herstellungstechnik reicht heute nicht mehr aus, um wirklich nachhaltige Produkte herzustellen”, sagt Patrick Rosso, globaler Leiter des Bereichs Additive Fertigung bei Covestro, dem Leverkusener Werkstoff-Hersteller.

„Wir wollen die Zirkularität unserer Produkte erhöhen und dabei ihre guten Eigenschaften erhalten. Deshalb entwickeln wir derzeit neue, nachhaltigere Produkte, die sich bereits in der Testphase befinden.”

Das Unternehmen, das vor fünf Jahren aus der Kunststoff-Sparte von Bayer hervorgegangen ist, macht derzeit mit positiven Nachrichten auf sich aufmerksam – und zwar unter anderem mit Projekten zum 3-D-Druck.

Die Technologie dürfte künftig für die Entwicklung der gesamten Industrie und Wirtschaft in Deutschland von besonderer Wichtigkeit werden. Die Unternehmensberatung Ernst& Young geht in einer Studie davon aus, dass die Firmen in Deutschland 2019 mit dem Verkauf der Technologie rund elf Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

Zu den besonderen Produkten, die derzeit Covestro entwickelt, gehören Filamente – also einzelne Fasern – aus Kunststoffen, die recycelt worden sind. Das Interessante: Der Hersteller greift teilweise bei der Produktion auf Rohstoffe zurück, die aus Abfall stammen, der in den Produktionsstätten des Konzerns anfällt. Diese können nach der Umarbeitung als Filament für den dreidimensionalen Druck verwendet werden.

Doch das ist noch nicht alles: Der Hersteller vom Rhein, der weltweit 15.700 Mitarbeiter beschäftigt, entwickelt Produkte für den 3-D-Druck, in denen der Kohlenstoffgehalt fast zur Hälfte aus Biomasse stammt. Aus einem solchen Material haben die Experten des Konzerns eine Schuh-Innensohle gedruckt.

Dabei wendeten sie ein besonderes Verfahren an, das sich selektives Lasersintern (SLS) nennt. Hierbei handelt es sich um ein additives Fertigungsverfahren, das räumliche Strukturen herstellt – und zwar unter anderem mit einem Laser aus einem pulverförmigen Ausgangsstoff.

Damit gibt Covestro der gesamten Technologie in Deutschland einen wichtigen Schub, der sich bereits Anfang Oktober angedeutet hat. Denn der Konzern vom Rhein hat zu diesem Zeitpunkt die Übernahme eines Geschäftsbereiches des niederländischen Chemie-Unternehmens DSM bekannt gegeben.

Die Unternehmen haben einen Kaufpreis in Höhe von 1,61 Milliarden Euro vereinbart, der durch eine Kombination aus Eigen- und Fremdkapitalinstrumenten finanziert wird. Der Geschäftsbereich von DSM verfügt unter anderem über wachstumsstarke Lösungen für die additive Fertigung. Zur Einordnung: Der deutsche Hersteller hat 2019 einen Umsatz von 12,4 Milliarden Euro erreicht.

Durch die Akquisition wird der Umsatz von Covestro im Vergleich zum Vorjahr um rund eine Milliarde Euro und der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 141 Millionen Euro gesteigert. Durch den Zukauf wird Covestro einer der führenden Anbieter im Bereich nachhaltiger Beschichtungsharze.

Doch nicht nur das: Bisher hat Covestro überwiegend 3-D-Druck-Material in Partnerschaften produziert. Jetzt wird durch den Zukauf dieser Bereich weiter ausgebaut. Nach Aussagen des Konzerns handelt es bei den 3-D-Druck-Polymere um ein wachstumsstarkes Segment, das eine durchschnittliche Wachstumsrate von über 20 Prozent verzeichnet.

Doch dies war nicht die einzige positive Nachricht des Unternehmens in der jüngsten Vergangenheit: Denn der Produzent hat gerade am Dienstag seine Prognose für das EBITDA und den Free Operating Cash Flow (FOCF) im Geschäftsjahr 2020 erhöht. Der Grund: Das vierte Quartal ist doch besser verlaufen als erwartet. Damit liegt die neue Prognose über dem bisher gegebenen Ausblick sowie über den aktuellen Kapitalmarkterwartungen.

So soll das EBITDA nun zwischen 1,44 und 1,5 Milliarden Euro liegen. Der bisherige Ausblick war lediglich von 1,2 Milliarden Euro ausgegangen. Der FOCF soll nun zwischen 400 und 550 Millionen Euro liegen. Bisher lagen die Erwartungen zwischen gar keinem FOCF und 300 Millionen Euro.

70 Prozent der Unternehmen in Europa nutzen die Technologie

So gut laufen nun die aktuellen Geschäfte. Gleichzeitig setzt das Management mit dem 3-D-Druck auf eine Technologie, die unter den Firmen immer mehr Akzeptanz findet. Aus einer aktuellen Untersuchung des Onlinehändler Reichelt Elektronik (RE) vom Juni geht hervor, dass der dreidimensionale Druck verstärkt zum technischen Standard der Firmen wird. Dabei hat RE fast 1.700 Unternehmen in ganz Europa befragt. 500 davon stammten aus Deutschland.

Das Ergebnis: 70 Prozent der befragten Manager verwenden bereits die Technologie, wobei 62 Prozent ihren Angestellten sogar direkt Geräte am Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Besonders wichtig: Die Einsatzmöglichkeiten von 3-D-Druck sind sehr vielfältig: 84 Prozent nutzen die Technologie für Anwendungsbeispiele, während 82 Prozent sie für Prototypen einsetzen.

79 Prozent der Betriebe vervielfältigen damit Ersatzteile. Ein Manko: Die Zahl der Unzufriedenen ist hier allerdings nicht gering: So ist knapp ein Fünftel mit der Qualität der Gegenstände, die sie gedruckt haben, nicht zufrieden.

Trotzdem zeigen diese Statistiken, wie wichtig die Technologie bereits ist. Sie kommt auch bei der Bekämpfung der Pandemie zum Einsatz, wenn beispielsweise Schutzmasken aus 3-D-Druckern vervielfältigt werden. Und auch hier war Covestro bereits aktiv: So hat das Unternehmen im Mai die Stadt Dormagen mit 7.000 Euro unterstützt, damit diese sich ein Gerät dafür zulegen konnte.

Der Werkstoff-Hersteller bringt sich bei der Anwendung dieses besonderen Druckes auf unterschiedliche Art und Weise ein. Das Portfolio umfasst Materialien für alle wichtigen Technologien im Bereich der additiven Fertigung. Dadurch lassen sich nicht nur Schuhinnensohlen drucken, sondern auch Werkzeuge und Mode.

Insgesamt ist Covestro vielseitig aufgestellt, um vom lukrativen Geschäft mit dem 3-D-Druck zu profitieren. Insgesamt sieht auch der Ausblick für die Branche nicht schlecht aus. So schreibt der Fachdienst „3-Druck.com“:

„Obwohl für 2021 eine Impfung gegen COVID-19 zu erwarten ist, wird die Krise auch 2021 eine Rolle spielen. So werden viele Maßnahmen aufrecht bleiben und weiterhin zu Einschränkungen führen. Gleichzeitig kann die additive Fertigung bei der Digitalisierung der Produktion wichtig sein und Workflows in Unternehmen verbessern“, glauben die Fachleute.

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