Marktbericht

Südzucker gibt Prognose für das Geschäftsjahr auf

Der weltgrößte Zuckerproduzent traut sich wegen der Corona-Krise keine Prognose für das laufende Geschäftsjahr mehr zu. Der Aktienkurs bricht stark ein.
14.12.2020 17:00
Aktualisiert: 14.12.2020 17:00
Lesezeit: 2 min

Der Nahrungsmittel- und Zuckerproduzent Südzucker hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2020/21 auch aufgrund der Corona-Pandemie zusammengestrichen. Das Management verwies in einer Mitteilung vom Montagnachmittag auch auf die Senkung der Jahresziele durch die Biosprit-Tochter Cropenergies früher am selben Tag wegen des erneuten Corona-Lockdowns. Beide Aktien gaben zum Wochenstart deutlich nach.

Südzucker erwartet für das laufende Geschäftsjahr nun ein operatives Ergebnis von 190 bis 240 Millionen Euro. Die vorherige Prognose sah ein Ergebnis eher im unteren Bereich von 300 bis 400 Millionen Euro vor. Immerhin wäre das noch eine Verbesserung im Vergleich zu den 2019/20 erzielten 116 Millionen Euro.

Auch beim Umsatz muss das SDax-Unternehmen eine Korrektur vornehmen: Statt wie bislang erhofft 6,9 bis 7,2 Milliarden Euro soll das Geschäftsjahr 2020/21 mit einem Erlös von 6,6 bis 6,8 Milliarden Euro enden, nach 6,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Ein Händler sprach von einer massiven Gewinnwarnung, da die neue Prognose für das operative Ergebnis rund ein Drittel unter der durchschnittlichen Analystenschätzung liege. Die Südzucker-Aktie sackte zuletzt um fast 8 Prozent auf 12,10 Euro ab. Tochter Cropenergies stellte das mit einem Minus von mehr als 17 Prozent sogar noch in den Schatten, womit die beiden Papiere am späten Nachmittag eindeutige Schlusslichter im SDax waren.

Bereits im Oktober habe der Südzucker-Vorstand negative Effekte durch den erneuten europaweiten Corona-Lockdown verzeichnet. Bei der Zahlenvorlage zum ersten Geschäftshalbjahr Mitte Oktober war der Konzern noch davon ausgegangen, dass sich positive und negative Effekte einzelner Sparten ausgleichen. Nach vorläufigen Zahlen lag der Konzernumsatz im dritten Quartal mit 1,74 Milliarden Euro geringfügig höher als im Vorjahr. Das operative Konzernergebnis legte wie prognostiziert von 39 auf 66 Millionen Euro zu.

In den vergangenen Wochen materialisierten sich nun aber mehr und mehr die schon früher angesprochenen Risiken über das Ausmaß der Erlöserhöhung für die noch ausstehenden Kontraktmengen sowie den Absatz im Umfeld der Corona-Pandemie, hieß es weiter. Zudem verwies das Unternehmen auf finale Kapazitätsauslastung infolge der fortgesetzten Trockenheit und des verstärkten Schädlingsbefalls in einigen Anbaugebieten. Auch blieben die weiteren Auswirkungen der Pandemie schwer einschätzbar und könnten auch über das laufende Geschäftsjahr hinaus zu Risiken führen.



Die Südzucker-Tochter Cropenergies erwartet wegen der Belastungen durch die zweite Corona-Welle für das Geschäftsjahr 2020/21 nun einen Umsatz zwischen 825 und 855 Millionen Euro. Mitte September hatte der Biosprit-Hersteller noch 850 bis 900 Millionen Euro zugetraut. Beim operativen Ergebnis erwartet der Konzern 95 bis 110 Millionen statt der zuvor kalkulierten 110 bis 140 Millionen Euro.

Nach vorläufigen Zahlen war der Cropenergies-Umsatz in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres um 6,4 Prozent auf 625 Millionen Euro gefallen. Das operative Ergebnis legte indes um fast 13 Prozent auf 79 Millionen Euro zu. Den vollständigen Bericht zu den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2020/21 will Cropenergies Mitte Januar vorlegen. Seit Anfang November sind die Aktien des Konzerns im SDax gelistet. Sie sackten als Schlusslicht um fast 15 Prozent ab. Südzucker-Aktien notierten zuletzt rund 9 Prozent im Minus.

Auch in der Ölbranche werden Prognosen gekappt

Nach Einschätzung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) wird die Rohölnachfrage im ersten Quartal 2021 niedriger ausfallen als bisher erwartet. Die bisherige Prognose wurde um eine Million Barrel pro Tag reduziert, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht des Ölkartells. Damit würde die Ölnachfrage nur noch um 500 000 Barrel pro Tag zum Vorquartal steigen.

Die Opec verweist auf Unsicherheiten mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Krise und die Verteilung von Impfstoffen. Zuletzt hatte sich die Lage in Europa und den USA verschärft. Eine erneute Schwächung des Wirtschaftswachstums würde auch die Nachfrage nach Rohöl dämpfen.

Die aus 23 Ländern bestehende Opec+ wird sich am 4. Januar treffen und über die Fördermengen sprechen. Bisher hatte man sich auf eine Anhebung der Fördermenge um 500 000 Barrel pro Tag geeinigt. Derzeit werden täglich 7,7 Millionen Barrel gefördert. Bei der Opec+ sind neben den Opec-Staaten auch Länder wie Russland beteiligt.

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