Unternehmen

Was Unternehmen bei den neuen Produkt-Vorschriften in Russland beachten müssen

Schätzungen zufolge verursachen Produktfälschungen weltweit pro Jahr einen Schaden im dreistelligen Milliarden-Euro-Bereich. Tendenz steigend. Russland, ein wichtiger Handelspartner deutscher Unternehmen, setzt deswegen zum Jahreswechsel ein ehrgeiziges Regulations-Projekt um. Die DWN zeigen in einer kurzen Checkliste, was alles zu beachten ist.
28.12.2020 13:00
Lesezeit: 1 min
Was Unternehmen bei den neuen Produkt-Vorschriften in Russland beachten müssen
Russland zum Jahresende: Ein Weihnachtsbaum steht auf dem Kathedralenplatz des Kremls. (Foto: dpa) Foto: Pavel Golovkin

Russland geht es darum, Verbraucher sowie Wirtschaft zu schützen und Steuerausfälle zu verhindern. Zu diesem Zweck führt die russische Regierung zum Jahreswechsel ein einheitliches System für die Serialisierung und (Nach-)Verfolgung von Konsumentenprodukten (Track & Trace) ein.

Ziel ist es, den Warenstrom vom Hersteller bis zum Verbraucher über die gesamte Lieferkette hinweg lückenlos zu verfolgen, um zu verhindern, dass gefälschte Produkte in Umlauf kommen. Dabei ist das System für eine Vielzahl von Branchen obligatorisch. Für manche Warengruppen ist die Frist, ab der Produkte nur noch serialisiert in den Handel gelangen dürfen, bereits abgelaufen oder steht unmittelbar bevor.

Was in der Theorie nach einem sinnvollen und nachvollziehbaren Vorhaben klingt, stellt viele Unternehmen in der Praxis vor große Herausforderungen.

Zum einen sind manche mit solchen regulatorischen Anforderungen bisher nicht in Berührung gekommen und wissen nicht, welche Konsequenzen es hat, wenn man sich nicht daran hält. Wer seine Produkte nicht gemäß der Regularien kennzeichnet, riskiert, vom russischen Markt ausgeschlossen zu werden.

Zum anderen kann es immer sein, dass die russische Regierung die Fristen, die sie einmal genannt hat, plötzlich unerwartet verschiebt. Dies kann nach vorne oder hinten sein. Das ist insbesondere dann heikel, wenn Unternehmen die nötigen Anpassungen noch nicht vorgenommen haben.

Carl-Rainer Stetter, Experte für Fälschungssicherheit beim IT-Dienstleister Arvato Systems, fasst die wichtige Fragestellungen zusammen:

  1. Ist die Produktpalette komplett oder nur teilweise zu serialisieren?
  2. Gelten für einzelne Produktkategorien spezielle Fristen?
  3. Wie wirkt sich die Verordnung auf Produktregistrierung und -zertifizierung aus? Sind neue Produktnummern zu beantragen? Ist der Prozess der GTIN-Vergabe (Global Trade Item Number) zu verändern? Sind zusätzliche Produktattribute zu melden?
  4. Welches sind die relevanten Organisationen?
  5. Welche Auswirkungen hat die Verordnung auf die Exportprozesse? Welche Prozessänderungen sind zu berücksichtigen?
  6. Falls zutreffend: Was ändert sich für lokale Tochtergesellschaften? Wie wirkt sich die Verordnung auf die Importprozesse aus?
  7. Wie wirkt sich die Verordnung auf Sets identischer oder unterschiedlicher Produkte aus?
  8. Ist der Data-Matrix-Code auf dem Produkt oder – falls vorhanden – auf der Umverpackung anzubringen?
  9. Soll die Kennzeichnung während der Produktion, (bei der Verpackung) oder als Teil des Logistikprozesses erfolgen?
  10. Wer etikettiert die Produkte und verwaltet den Prozess?
  11. Wie wirken sich die Etikettierungsanforderungen auf die Hardware für die Verpackung aus?
  12. Wer stellt die Verifizierungscodes bereit? Welche Folgen hat das für den Datenaustausch mit russischen Importeuren?
  13. Können Geschäftspartner die Anforderungen ihrerseits erfüllen? Inwiefern müssen sie ihre eigenen Prozesse anpassen? Ist das fristgerecht möglich?
  14. Was sind die generellen Auswirkungen auf die Geschäfte für Russland?

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Morningstar-Analyse zum Iran-Krieg: Steigender Ölpreis belastet Weltwirtschaft
05.03.2026

Die Finanzmärkte reagieren bislang gelassen auf den Krieg gegen den Iran, doch eine Morningstar-Analyse warnt vor möglichen...

DWN
Politik
Politik Geburtenrate im Sinkflug: Deutsche bekommen weniger Kinder
05.03.2026

Nicht nur der Mittelstand bricht weg, auch die Geburtenrate: Immer wenige Deutsche bekommen Kinder. Viele können sich eigene Kinder nicht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Experten schlagen Alarm: Straße von Hormus könnte monatelang blockiert werden
05.03.2026

Experten warnen, dass Iran die für den globalen Ölhandel zentrale Straße von Hormus über längere Zeit unter Druck setzen könnte. Wie...

DWN
Politik
Politik Bürgergeld-Reform beschlossen: Strengere Regeln für 5,5 Millionen Empfänger
05.03.2026

Der Bundestag zieht die Zügel beim Bürgergeld deutlich an: strengere Regeln, härtere Sanktionen, mehr Druck zur Arbeitsaufnahme....

DWN
Finanzen
Finanzen Renk-Aktie: Dividende und Ausblick unter Druck
05.03.2026

Die Renk-Aktie schwankt weiter trotz Rekordumsätzen und stabiler Dividende. Analysten sehen Chancen für Investoren in einem geopolitisch...

DWN
Politik
Politik Putin-Gas: EU wird der Hahn abgedreht, Russland prüft vorzeitiges Embargo
05.03.2026

Putin erwägt, Gaslieferungen an die EU vorzeitig zu stoppen. Ein solches Vorgehen könnte die Energiepreise massiv anheizen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Überverantwortung im Job: Wenn Engagement zur Dauerbelastung wird – diese Lösungen gibt es
05.03.2026

Überverantwortung im Job gilt oft als Tugend: engagiert, gewissenhaft, verlässlich. Doch wer dauerhaft mehr trägt, als eigentlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und KI: Warum Maschinen die Cyberdevise bevorzugen
05.03.2026

Bitcoin behauptet sich als bevorzugtes Geld der Künstlichen Intelligenz – Fiatgeld verliert deutlich. Die Studie des BPI offenbart,...