Deutschland

Weniger Rabatte und Kaufanreize: Ausgerechnet in der Wirtschaftskrise setzten die Autobauer auf volles Risiko

Die Auto-Hersteller wollen "werthaltiger", sprich teurer, verkaufen. Dafür nehmen sie einen Rückgang der Absatzzahlen hin.
23.12.2020 10:19
Aktualisiert: 23.12.2020 10:19
Lesezeit: 1 min
Weniger Rabatte und Kaufanreize: Ausgerechnet in der Wirtschaftskrise setzten die Autobauer auf volles Risiko
Diese Aufnahme einer Produktionsstraße im VW-Werk in Wolfsburg vermittelt Dynamik. Aber der Absatz der Autobauer entwickelt sich nicht dynamisch - im Gegenteil. (Foto: dpa) Foto: Jochen Lübke

Ausgerechnet im Jahr der durch Covid-19 ausgelösten Wirtschaftskrise setzen die Autoanbieter in Deutschland auf Risiko: Die Unternehmen haben ihre Maßnahmen zur Verkaufsförderung und die preislichen Zugeständnisse stark heruntergefahren. Nach einer Analyse des Duisburger „CAR-Centers Automotive Research“ erreicht der sogenannte Attraktivitäts-Index für Autokäufer im Jahr 2020 einen Wert von 122. Niedriger lag der Wert seit acht Jahren nicht mehr (2012: 118,2). Es ist vor allem ein gewaltiger Rückgang im Vergleich zu vergangenen drei Jahren (2017: 139,9 / 2018: 140,3 / 2019: 137,2).

Die Strategie der Autobauer lautet derzeit also „werthaltiges Verkaufen“. Sie kürzen dafür die Rabatte und bieten darüber hinaus weniger Eigenzulassungs-Fahrzeuge an. Tatsächlich erreicht die Eigenzulassungsquote dieses Jahr mit 24,9 Prozent den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Die Konzerne setzen stattdessen verstärkt auf Finanz-Leasing sowie auf Auto-Abos, bei denen der Kunde für eine monatliche Gebühr einen Wagen nutzen darf, aber nicht die Eigentumsrechte erwirbt.

Im Endeffekt hoffen die Unternehmen also, dass sie durch den Verzicht auf hohe Kaufanreize mehr verdienen, obwohl die Zahl der in Deutschland verkauften Fahrzeuge stark rückläufig ist. So dürften die Verkaufszahlen des Dezembers mit circa 225.000 Einheiten um rund 20 Prozent unter denen des Novembers liegen. Der Gesamtabsatz dieses Jahres dürfte bei 2,83 Millionen Fahrzeugen liegen – das ist der schlechteste Wert seit der Wiedervereinigung. Nach Schätzungen des CAR-Centers wird auch das Jahr 2021 keine großen Veränderungen bringen, die drei-Millionen-Marke wird wieder nicht erreicht werden. Das wäre das erste Mal seit der Wiedervereinigung, dass der deutsche Pkw-Markt zwei Jahre hintereinander die drei Millionen nicht erreicht.

Was bedeutet das nun für die Autokäufer? Die beiden Automobil-Experten Ferdinand Dudenhöffer und Alfred Paul vom CAR-Center glauben, dass es sich lohnt, mit einer Anschaffung noch zu warten. Lange könnten die Unternehmen ihre Strategie des Verkaufens mit höheren Margen und dem damit einhergehenden Verzicht auf hohe Verkaufsvolumen nämlich nicht mehr durchhalten. Zitat: „Wir gehen davon aus, dass nach Beendigung des Lockdowns und zum Frühjahr hin wieder verstärkt Verkaufsförderungsprogramme in den Markt kommen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Edelmetalle in einer neuen Marktphase

Gold über 5.500 US-Dollar, Silber über 100 US-Dollar pro Unze

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzabteilungen vor dem Kollaps? Warum 2026 alles ändert
31.01.2026

2026 wird zum Schicksalsjahr für Finanzabteilungen: KI verspricht Effizienz, Regulierung droht mit Sanktionen – und beides trifft jetzt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo EX60: Schwedens Antwort auf den BMW iX3 und den Mercedes GLC
31.01.2026

Volvo will sich mit einem neuen Elektro-SUV im Premiumsegment strategisch neu ausrichten. Gelingt es dem Hersteller damit erstmals,...

DWN
Finanzen
Finanzen Trotz niedrigem Kakaopreis: Hoher Schokoladenpreis bremst die Nachfrage
31.01.2026

Obwohl der Kakaopreis seit Monaten deutlich fällt, wird Schokolade spürbar teurer. Während die Umsätze aufgrund des hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Macrons kurioser Auftritt in Davos: Sonnenbrille sorgt für Kurssprung der iVision Tech-Aktie
31.01.2026

Macrons Sonnenbrille löste bei seinem Auftritt in Davos eine ungewöhnliche Marktreaktion aus. Die mediale Aufmerksamkeit katapultierte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Schienengüterverkehr unter Druck: Deutlicher Rückgang der Transportleistungen
31.01.2026

Der europäische Schienengüterverkehr verliert europaweit an Bedeutung. Welche Ursachen stehen hinter dieser Entwicklung und welche Folgen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Erstarkender Dollar drückt Aktien und Edelmetalle ins Minus
30.01.2026

Die US-Börsen beendeten den Freitag mit Verlusten. Der Dollar legte zu, während die Preise für Gold und Silber drastisch einbrachen.

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 05: Die wichtigsten Analysen der Woche
30.01.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 05 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Panorama
Panorama Solarstrom, Euro, Fastenmonat – das bringt der Februar
30.01.2026

Im kürzesten Monat des Jahres verschwindet eine Währung endgültig aus einem EU-Land, für Urlauber bringt das Erleichterung. Für...