Politik

Wie Obama: Biden will „Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, um die freie Welt zu führen“

Joe Biden verspricht, dass er die Glaubwürdigkeit der USA wiederherstellen möchte, um die „freie Welt“ zu führen. „Wir werden uns erneut für Freiheit und Demokratie einsetzen“, so Biden. Seine Worte sind nahezu identisch mit den Worten Obamas kurz vor seinem Amtsantritt im Jahr 2008.
29.12.2020 21:12
Aktualisiert: 29.12.2020 21:12
Lesezeit: 3 min

Der gewählte US-Präsident Joe Biden hat gesagt, Amerika unter ihm würde seine Glaubwürdigkeit, die „freie Welt zu führen“, zurückgewinnen. Denn ohne Amerikas Führung würde die Welt einem „enormen Vakuum“ gegenüberstehen. Bidens Bemerkungen kamen, als er ein Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam abhielt, um verschiedene strategische Herausforderungen zu besprechen.

Biden sagte, dass es mehrere dringende nationale Sicherheitsprobleme gibt, die seine Regierung bei seinem Amtsantritt im nächsten Monat angehen will, darunter die Coronavirus-Pandemie und die Klimakrise. „Wir haben als Nation unglaubliche Herausforderungen gemeistert. Und wir werden es wieder tun. Wir werden es tun, indem wir zusammenkommen. Indem wir uns nach einem Jahr voller Schmerzen und Verluste vereinen, um zu heilen, wieder aufzubauen und Amerikas Platz in der Welt zurückzugewinnen. Dies ist die Arbeit, die vor uns liegt, und ich weiß, dass wir der Aufgabe gewachsen sind. Wir werden uns erneut für Freiheit und Demokratie einsetzen. Wir werden unsere Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, um die freie Welt zu führen. Wir müssen das Vertrauen und die Zuversicht einer Welt zurückgewinnen, die begonnen hat, Wege zu finden, um (...) ohne uns zu arbeiten“, zitiert „The Economist“ Biden.

Zuvor hatte er gesagt, dass er gemeinsam mit den demokratischen Verbündeten Deutschland und Frankreich den Rest der Welt „zu demokratisieren“ möchte (HIER). Bidens Worte erinnern an die Worte von Barack Obama kurz vor seinem Amtsantritt im Jahr 2008. Auch er versprach damals „We can change“ und „Yes, we can repair this world“. Was anschließend folgte, war das hier:

Im September 2014 ordnete Obama innerhalb weniger Tage in sieben verschiedenen Ländern Luftangriffe an. Bei den Ländern handelte es sich um Afghanistan, Pakistan, Jemen, Libyen, Somalia, Irak und Syrien, berichtet die CNN. Im Verlauf der Luftangriffe wurden Drohnen eingesetzt. Dabei kamen auch Zivilisten ums Leben.

„Obama reduzierte die Zahl der US-Truppen in Kriegsgebieten von 150.000 auf 14.000 und stoppte den Zustrom amerikanischer Soldaten, die in Leichensäcken nach Hause kamen. Er benutzte auch Diplomatie, nicht Krieg, um eine angespannte nukleare Pattsituation mit dem Iran zu entschärfen. Aber er erweiterte die Rolle der Elite-Kommandoeinheiten und den Einsatz neuer Technologien, einschließlich bewaffneter Drohnen und Cyberwaffen, erheblich“, so die Los Angeles Times.

Jon Alterman vom "Center for Strategic and International Studies" sagt, dass unter Obama weiterhin Kriege geführt wurden, lediglich das Konzept der Kriegsführung habe sich verändert.

Am 23. Januar 2009, nur drei Tage nach seiner Präsidentschaft, ordnete Obama seine erste kinetische Militäraktion an: zwei Drohnenangriffe im Abstand von drei Stunden in Waziristan, Pakistan, bei denen bis zu zwanzig Zivilisten getötet wurden, so das Council on Foreign Relations.

Die US-Regierung baute geheime Drohnen-Stützpunkte und andere Einrichtungen in Afrika und im Nahen Osten und schickte Truppen und Kriegsschiffe in den westlichen Pazifik. Sie verlegte auch Truppen und Ausrüstung nach Osteuropa.

Unter der Obama-Regierung wurde eine verfehlte Afghanistan-Politik betrieben. Es gab während seines verdeckten Kriegs gegen den Terror zehnmal mehr Drohnen-Luftangriffe als unter seinem Vorgänger George W. Bush. Die Opfer unter der Zivilbevölkerung in Afghanistan waren hoch. Die Vereinten Nationen (UN) meldeten alleine im Jahr 2016 mindestens 85 Todesfälle, so das Bureau of Investigative Journalism (TBIJ). „Insgesamt 563 Angriffe, hauptsächlich durch Drohnen, richteten sich während der beiden Amtszeiten Obamas gegen Pakistan, Somalia und den Jemen, verglichen mit 57 Angriffen unter Bush“, so das TBIJ.

Während seiner gesamten Amtszeit genehmigte der Präsident dem Council on Foreign Relations zufolge 542 Drohnen-Angriffe. Dabei wurden insgesamt 3.797 Menschen getötet.

Aus dem Enthüllungsbuch „Double Down“ von Mark Halperin und John Heilemann geht hervor, dass Obama alles andere als ein friedliebender Präsident gewesen ist. Der ehemalige US-Präsident soll nach Angaben der Washington Post im Gespräch mit seinen Beratern im Zusammenhang mit seinem Drohnen-Krieg gesagt haben: „Ich bin wirklich gut im Töten von Leuten.“

Obama ist nach wie vor Träger des Friedensnobelpreises, den er 2009, dem Jahr seiner Amtseinführung, „für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen Völkern zu stärken“, erhielt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: 5 Chip-Aktien, die Sie haben müssen – Bitcoin-Kurs mit großem Potenzial
05.10.2026

Der S&P 500 legt trotz höherer Zinsen und geopolitischer Spannungen weiter zu. Investoren hoffen auf eine historisch starke Schlussrallye...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
05.10.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Saatgutproduzent Christopher Rudloff im Interview: „Wir können keine Sonderschichten fahren“
04.10.2026

Hitze erreicht die Bilanz von Saatgutproduzenten mit zwei Jahren Verzögerung. Christopher Rudloff führt die RUDLOFF GmbH in Sereetz bei...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienvermögen: Warum Erben Arbeit schlägt
04.10.2026

Deutschlands Wohlstandsversprechen gerät ins Wanken: Während Immobilien- und Erbschaftsvermögen immer wichtiger werden, lässt sich mit...

DWN
Politik
Politik Handwerkerbonus wird gekappt: Bis zu 300 Euro weniger – Fiskus profitiert
04.10.2026

Mehr Geld im Portemonnaie – das verspricht die Einkommensteuerreform 2027. Beim Handwerkerbonus passiert das Gegenteil: Statt 1.200 Euro...

DWN
Finanzen
Finanzen 800 Milliarden Dollar für KI: Was passiert mit der Börse, wenn das größte Technologierennen langsamer wird?
04.10.2026

Die größten US-Techkonzerne investieren in diesem Jahr fast 800 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur...

DWN
Politik
Politik „Auf dünnem Eis“: Weltenergie-Chef warnt, drei neue Schocks könnten Europas Preise in die Höhe treiben
04.10.2026

Europa könnte vor einem schwierigen Winter stehen. Nach Einschätzung von IEA-Chef Fatih Birol laufen gleich drei Faktoren aus, die die...

DWN
Panorama
Panorama Sie bezahlte ein Croissant mit Karte und tippte ihre PIN ins Trinkgeldfeld
04.10.2026

Ein gewöhnlicher Einkauf in einer Bäckerei am Bahnhof von Winterthur endete für eine Seniorin mit einer Abbuchung von rund 1.707 Euro....