Deutschland

Auf diese Steueränderungen müssen Sie sich einstellen

Im kommenden Jahr wird es einige Veränderungen bei der Steuer geben. Doch es bleibt unklar, wie die staatlich-steuerlichen Einbußen finanziert werden sollen.
30.12.2020 11:03
Aktualisiert: 30.12.2020 11:03
Lesezeit: 3 min

KFZ-STEUER: Für neue Autos mit hohem Spritverbrauch steigt die Kfz-Steuer. Das soll Bürger dazu bringen, sparsamere Pkw zu kaufen. Bereits zugelassene Autos sind allerdings nicht betroffen. Einer Studie zufolge wird es pro Jahr im Schnitt um 15,80 Euro teurer - bei vielen Autos ändert sich aber überhaupt nichts.

EINKOMMENSTEUER: Für alle Steuerzahler steigt der Grundfreibetrag, auf den man keine Steuern zahlen muss. 2021 liegt er bei 9.744 Euro statt bisher 9.408 Euro. Die Grenze, ab der der 42-prozentige Spitzensteuersatz fällig wird, steigt leicht auf ein Jahreseinkommen von 57.919 Euro. Außerdem dürfen Alleinerziehende höhere Unterhaltsleistungen bei den Steuern abziehen.

STEUERERLEICHTERUNG FÜR MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN: Menschen mit Behinderungen können bei der Steuererklärung ab 2021 höhere Pauschbeträge geltend machen. Durch diese Pauschalen kann man es sich in vielen Fällen sparen, etwa Fahrtkosten aufwendig einzeln nachzuweisen. Konkret gilt etwa bei einem Grad der Behinderung von 50 künftig eine Pauschale von 1.140 Euro, bei einem Grad von 100 sind es 2.840 Euro.

MEHRWERTSTEUER: Ab Januar gilt wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf die meisten Güter und 7 Prozent auf Waren des täglichen Bedarfs. Die Bundesregierung hatte die Steuer wegen der Corona-Pandemie für ein halbes Jahr gesenkt, damit die Menschen trotz der unsicheren Zeit weiter Geld ausgeben und die Konjunktur stützen.

SOLIDARITÄTSZUSCHLAG: Für 90 Prozent der heutigen Zahler fällt der Soli ab Januar komplett weg, für weitere 6,5 Prozent zumindest zum Teil. Nur den Top-Verdienern wird er weiter in voller Höhe abgezogen. Der Zuschlag beträgt 5,5 Prozent der Körperschaft- oder Einkommensteuer - insgesamt sparen die Bürger durch den Abbau rund 10 Milliarden Euro.

Ob man weiter zahlen muss oder nicht, hängt vom zu versteuernden Einkommen und den Lebensumständen ab, etwa, ob man Kinder hat, alleinerziehend oder verheiratet ist. Singles sparen laut Soli-Rechner des Finanzministeriums bis zu einem zu versteuernden Einkommen von rund 96.800 Euro Geld. Zusammenveranlagte Paare bis etwa 193.500 Euro. Demnach kann ein Single Steuern von bis zu 930 Euro im Jahr sparen, ein Paar mehr als 1.860 Euro. Wer sehr wenig verdient, profitiert allerdings kaum - weil er schon heute nur wenig Soli zahlt.

KINDERGELD: Das Kindergeld steigt für das erste und zweite Kind ab Januar auf 219 Euro pro Monat, für das dritte Kind gibt es 225 Euro und ab dem vierten Kind 250 Euro. Darüber wurde der Kinderfreibetrag bei der Steuer um mehr als 500 Euro auf 8.388 Euro angehoben.

Eltern können entweder Kindergeld oder Kinderfreibetrag nutzen. Der Freibetrag verringert die Einkommensteuer und lohnt sich daher vor allem für Besserverdiener. Das Finanzamt prüft, welche Hilfe für welche Familie mehr bringt. Kritiker sagen, Familien mit ganz geringem Einkommen hätten nichts von der Erhöhung, weil das Kindergeld mit Hartz-IV verrechnet wird.

GRUNDFREIBETRAG: Die Einkommensgrenze, ab der man Steuern zahlen muss, wird um 336 Euro auf 9.744 Euro angehoben. Dadurch zahlen die meisten Bürger weniger Steuern. Zugleich steigt die Grenze, ab der der 42-prozentige Spitzensteuersatz fällig wird, leicht auf ein Jahreseinkommen von 57.919 Euro.

Die Debatte, wie es in der Haushalts- und Finanzpolitik weitergeht nach der Krise, dürfte im Wahljahr 2021 an Fahrt gewinnen - und die Frage, wer die Kosten der Pandemie bezahlt. SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz will im Fall eines Wahlsiegs Vermögende stärker belasten. Die Union lehnt das ab. „Wir wollen keine Vermögensabgabe“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Bundestag. „Die Kernaufgabe heißt: Wie schaffen wir Wachstum? Denn über Wachstum können wir auch Mehreinnahmen generieren.“

DIW-Präsident Fratzscher aber warnt: „Anders als nach der Finanzkrise vor zehn Jahren wird es nach der Corona-Krise nicht zu einem Beschäftigungsboom kommen, weil die Babyboomer-Jahrgänge in Rente gehen. Die Beschäftigung wird trotz Zuwanderung eher sinken. Das bedeutet, die Steuereinnahmen werden nicht mehr so sprudeln.“

Der Staat müsse deutlich mehr investieren: „Wir haben im internationalen Vergleich eine schlechte digitale Infrastruktur, eine schlechte Verkehrsinfrastruktur. Wir geben zu wenig Geld für Bildung aus und stehen vor riesigen Herausforderungen beim Klimaschutz.“ Fratzscher plädiert für eine Steuerreform, die vor allem Firmen sowie kleine und mittlere Einkommen entlastet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Sinkende Ausbildungszahlen: Falsche Wirtschaftspolitik kostet Ausbildungsplätze
10.06.2026

Hohe Ausbildungskosten, wirtschaftliche Unsicherheiten: Viele Unternehmen sparen inzwischen am Nachwuchs und fahren systematisch...

DWN
Technologie
Technologie Spotify gegen Apple: Machtkampf um die Zukunft der App-Ökosysteme
10.06.2026

Der Konflikt zwischen Spotify und Apple spitzt sich zu. Im Zentrum steht nicht nur Musik-Streaming, sondern die grundlegende Frage der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvente Perlon-Gruppe: Deutscher Weltmarktführer geht an China
10.06.2026

Die deutsche Chemie ist in einer schwierigen Lage, geplagt von hohen Kosten, schwachem Weltmarkt und chinesischer Konkurrenz. Ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Personalabbau bei Chemieriese Evonik: 1.850 Arbeitsplätze fallen weg
10.06.2026

Deutschlands Industrie baut weiter ab: Der Essener Chemiekonzern Evonik streicht 1.850 Stellen bis Ende 2026. Die Krise der deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Schaeffler-Aktie im Fokus: Erholung nach Vortagsrutsch - Was das Kursziel erhöht
10.06.2026

Aktie im Fokus: Für die Aktien von Schaeffler ist im vorbörslichen Handel am Mittwoch direkt wieder eine Erholung angesagt.

DWN
Politik
Politik FDP-Chef Kubicki rechnet mit Merz ab: “Erwartungsmanagement ist unterirdisch“
10.06.2026

In der ARD-Sendung Maischberger warf Kubicki dem CDU-Chef vor, "unglaublich schlecht" zu kommunizieren. Seine Kritik fällt deutlich aus...

DWN
Politik
Politik Nach Trump-Ansage: Netanjahu zu Alleingang gegen den Iran bereit
10.06.2026

Israel hat seine Angriffe auf den Iran auf US-Wunsch eingestellt - schließt aber einen Alleingang nicht aus. Ein Iran-Experte warnt vor...

DWN
Politik
Politik Düngemittel-Lobbyisten tummeln sich in Belarus
10.06.2026

Minsk versucht mit Unterstützung der USA, die bislang unnachgiebige Haltung der Europäischen Union zum Transit von belarussischem Dünger...