Politik

Neue CO2-Sondersteuer ab 1. Januar: Heizen und Tanken wird teurer, Strompreis explodiert

Ab dem 1. Januar erhebt die Bundesregierung eine Sondersteuer auf Emissionen des Naturgases Kohlenstoffdioxid, welche in den kommenden Jahren weiter angehoben wird. Damit sollen angeblich umweltfreundliche Kaufanreize gesetzt werden - tatsächlich dürfte es ums dringend benötigte Geld der Bürger gehen.
03.01.2021 12:00
Lesezeit: 3 min
Neue CO2-Sondersteuer ab 1. Januar: Heizen und Tanken wird teurer, Strompreis explodiert
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Umweltministerin Svenja Schulze (links). (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Zum 1. Januar 2021 hat die Bundesregierung eine Sonderabgabe auf Emissionen des Naturgases Kohlenstoffdioxid (CO2) eingeführt. Bei CO2 handelt es sich um ein Gas, ohne das kein menschliches, tierisches und pflanzliches Leben auf der Erde möglich wäre, welches jedoch von Wissenschaftlern für den „Klimawandel“ verantwortlich gemacht wird.

Zum Start der CO2-Sondersteuer auf Sprit, Heizöl und Erdgas setzt Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf die Signalwirkung des Instruments - auch wenn die Preise erst mal wenig steigen. „Der CO2-Preis setzt ein ganz klares Signal, nämlich: CO2 auszustoßen wird im Vergleich zu klimafreundlichen Alternativen verlässlich teurer“, wird die SPD-Politikerin von der Deutschen Presse-Agentur zitiert. „Das beeinflusst Investitionsentscheidungen.“

Die gesamte Gesellschaft in Deutschland werde eingebunden, behauptet Schulze. „Wir wollen, dass alte Ölheizungen ausgetauscht werden, dass man auf erneuerbare Energien setzt. Der CO2-Preis wird helfen, diese Entwicklung zu beschleunigen.“ Der Staat wollte damit kein zusätzliches Geld einnehmen, so Schulze: „Wir setzen darauf, dass die Bürgerinnen und Bürger auf klimafreundliche Alternativen umsteigen und deshalb den CO2-Preis gar nicht erst zahlen müssen.“

Angesichts der sich auftürmenden Schuldenberge des Bundes in Zusammenhang mit der Corona-Krise ist es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass die Politiker mit der Sondersteuer kein Geld einnehmen wollen. 2021 wird die Bundesregierung mindestens 180 Milliarden Euro Netto-Neuschulden aufnehmen müssen, im Jahr 2020 waren es netto etwa 220 Milliarden Euro - die Politik der Schwarzen Null wurde damit inzwischen beendet.

EU-weit gibt es schon einen Handel mit sogenannten „CO2-Verschmutzungsrechten“, den Emissionshandel. Energiewirtschaft und Teile der Industrie müssen pro Tonne Emissionen, die sie verantworten, ein Zertifikat nachweisen - teils werden die Zertifikate verteilt, teils bildet sich ihr Preis durch Angebot und Nachfrage. Von Januar an gibt es in Deutschland ein solches System für das Inverkehrbringen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas. In den ersten Jahren gibt es die Zertifikate zum langsam ansteigenden Festpreis, so dass sie wirken wie eine Steuer. 2021 sind es 25 Euro pro Tonne, das verteuert Öl und Diesel um rund 8 Cent pro Liter, Benzin um 7 Cent und Erdgas um 0,6 Cent pro Kilowattstunde.

Explodierender Strompreis kostet den Steuerzahler Milliarden

Von Jahr zu Jahr steigt der Preis, irgendwann soll er sich auch am Markt bilden - möglichst EU-weit, aber ob das klappt, ist offen. „Die Bundesregierung hat bereits eine Entlastung angelegt“, betonte Schulze. Dies soll über Zuschüsse aus Steuergeld beim Strompreis, eine Erhöhung des Wohngeldes und eine höhere Pendlerpauschale geschehen. „Aber bei der Entlastung müssen wir noch weiterkommen“, sagte Schulze - und meinte damit die Verteilung der steigenden Heizkosten zwischen Vermietern und Mietern.

Der Strompreis ist in Deutschland infolge des Ausstiegs aus Atom- und Kohlekraft in den vergangenen Jahren explodiert und gehört nun zu den höchsten weltweit. Im Jahr 2020 mussten mehrere Milliarden Euro an Steuergeldern ausgegeben werden, um die Erhöhungen zumindest abzuschwächen.

Die SPD-geführten Ministerien für Umwelt, Finanzen und Justiz haben vorgeschlagen, dass Vermieter die Hälfte der Zusatzkosten auf ihre Mieter umlegen dürfen und den Rest selbst bezahlen müssen. Denn die Mieter sind es zwar, die die Heizung hoch- oder herunterdrehen - aber die Vermieter entscheiden, ob eine alte Ölheizung im Keller steht oder eine moderne, angeblich „klimafreundliche“ Heizung, die Geld spart. „Wir haben einen Vorschlag vorgelegt, da muss die Union jetzt noch mitgehen“, sagte Schulze. „Ich bin zuversichtlich, dass auch die Union die Mieterinnen und Mieter bei dieser wichtigen Frage nicht alleine lassen will.“

Neben der CO2-Sondersteuer greift 2021 auch erstmals das neue Klimaschutzgesetz, das Bereichen wie Verkehr oder Landwirtschaft jahresgenaue „Treibhausgas-Budgtes“ vorschreibt. Wer die nicht einhält, muss nachsteuern - die zuständigen Minister müssen Sofortprogramme vorlegen.

„Die genauen Emissionsdaten kommen im März“, sagte Schulze. „Danach wird der neue Expertenrat sich das gründlich, aber auch zügig anschauen.“ Die Bereiche Verkehr und Gebäude/Heizen gelten dabei zwar eigentlich als besondere Sorgenkinder. Allerdings ist der Energieverbrauch wegen der Corona-Krise 2020 stark gefallen. Es ist also denkbar, dass die Ergebnisse unerwartet gut ausfallen.

Lesen Sie dazu auch:

Deutsche Bank: Der Green Deal der EU kann nur in einer Ökodiktatur verwirklicht werden

DWN-SPEZIAL - Deutschlands Stromnetz ist akut gefährdet, es droht eine Strommangel-Wirtschaft

Renaissance der Kernkraft in Europa: Polen steigt in die Atomenergie ein, Deutschland mit „Energiewende“ isoliert

Wegen CO2-Abgabe: Die Gaspreise werden im kommenden Jahr deutlich steigen

Solarbranche: Ab 2022 muss Deutschland in großem Stil Strom aus dem Ausland importieren

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik EU-Rohstoffpolitik: Europäischer Rechnungshof sieht strukturelle Schwächen
22.02.2026

Die EU will mit ihrer Rohstoffpolitik die Versorgung mit kritischen Rohstoffen sichern, doch der Europäische Rechnungshof sieht deutliche...

DWN
Politik
Politik World Leaders Ranking: Indiens Premier Modi bleibt beliebtester Staatschef – wo steht Merz?
22.02.2026

Die aktuellen Ranglisten zur Zustimmung für Staats- und Regierungschefs offenbaren spürbare Verschiebungen im globalen Machtgefüge....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der Ukraine-Krieg und Deutschlands Rohstoff-Dilemma: Abhängigkeit statt Versorgungssicherheit
22.02.2026

Der Ukraine-Krieg hat nicht nur Europas Sicherheitsordnung erschüttert, sondern auch Deutschlands wirtschaftliches Fundament offengelegt....

DWN
Finanzen
Finanzen Amundi verringert Dollar-Exponierung: Europa im Zentrum der Anlagestrategie
22.02.2026

Amundi reduziert gezielt Dollar-Engagements und richtet seine Portfolios stärker auf Europa und Schwellenmärkte aus. Signalisiert dieser...

DWN
Politik
Politik Sanktionslücke bei Düngemitteln: Russlands Rüstungsindustrie profitiert
22.02.2026

Eine Sanktionsausnahme für Düngemittel verschafft Russlands Rüstungsindustrie Zugang zu zentralen Vorprodukten für Munition, obwohl...

DWN
Politik
Politik Washington Post unter Druck: Welche Rolle spielt Jeff Bezos für die Pressefreiheit?
22.02.2026

Die Washington Post steht exemplarisch für den wachsenden Druck auf die Pressefreiheit in den USA. Gerät die publizistische...

DWN
Politik
Politik Das Ländle wählt: Wohin steuert das Autoland Baden-Württemberg?
22.02.2026

Am 8. März entscheidet sich, welche Wirtschaftspolitik im Südwesten künftig gelten soll. Die Konzepte der Parteien reichen von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue Ära im Welthandel: Bain-Chef sieht strukturellen Umbruch
21.02.2026

Geopolitische Spannungen und technologische Umbrüche erzwingen eine strategische Neuausrichtung in der Weltwirtschaft. Wie lässt sich...