Wirtschaft

Für Großbritannien haben die dunklen Jahre begonnen

Drei Meldungen aus den vergangenen Tagen lassen aufhorchen: Demnach stehen Großbritannien sehr schwere Zeiten bevor.
11.01.2021 11:24
Aktualisiert: 11.01.2021 11:24
Lesezeit: 3 min

Drei Meldungen aus den vergangenen Tagen deuten darauf hin, dass Großbritannien auf schwere wirtschaftliche und politische Turbulenzen zusteuert.

Aufsicht: Tausende Finanzinstitute stehen vor dem Kollaps

Die britische Finanzaufsicht FCA sieht schwarz für tausende kleinere Finanzinstitute in dem schwer von der Corona-Krise getroffenen Land. Bei rund 4000 Unternehmen aus der Branche sei durch die Pandemie die Finanzkraft gefallen und das Risiko eines Zusammenbruchs deutlich gestiegen, erklärte die Financial Conduct Authority (FCA) am Donnerstag, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Die Behörde bezog in ihre Untersuchungen 23.000 Institute ein. Bei den bedrohten Firmen handele es sich vor allem um kleinere und mittelgroße Finanzhäuser. Die 1500 größten Banken in Großbritannien waren in den Stresstest gar nicht einbezogen. Sie werden direkt von der Bank of England (BoE) beaufsichtigt.

Verband warnt vor Massensterben bei Unternehmen

Der britische Unternehmensverband Federation of Small Businesses hat indes vor massenhaften Schließungen kleiner Unternehmen wegen der Corona-Pandemie gewarnt. Mindestens 250 000 dieser Firmen in Großbritannien seien von Schließungen bedroht, hieß es in einer Mitteilung des Verbands von Montag. Dies ist eine Hochrechnung auf der Grundlage einer Umfrage von 1400 Unternehmen. Von diesen gaben rund fünf Prozent an, voraussichtlich in den kommenden zwölf Monaten schließen zu müssen - nach Angaben des Verbandes ein Negativrekord.

Knapp ein Viertel der befragten Unternehmen haben im vergangenen Quartal, in dem das Land in einen erneuten Lockdown gehen musste, die Zahl ihrer Mitarbeiter reduziert. 14 Prozent erwarten, dies in den nächsten drei Monaten tun zu müssen. Die Umfrage fand statt, bevor England Anfang Januar erneut in einen dritten Lockdown ging.

Mike Cherry, der Vorsitzende der Federation of Small Businesses forderte die Regierung zu weiterer Unterstützung auf: „Die Unterstützung von Unternehmen hat nicht mit der Intensivierung der Beschränkungen Schritt gehalten“, so Cherry. „Als Konsequenz daraus riskieren wir in diesem Jahr, Hunderttausende großartige, wertvolle kleine Unternehmen zu verlieren, die mit großen Verlusten für Gemeinden und individuelle Lebenswelten einhergehen.“

Risse im Vereinigten Königreich

Der Austritt aus der Europäischen Union führt zudem zu politischen Spannungen zwischen den Landesteilen. Insbesondere in Schottland gärt es gewaltig – die Unzufriedenheit könnte sich in einem erneuten Referendum über eine Unabhängigkeit entlanden.

Wie der EUObserver berichtet, fordern inzwischen erste Stimmen Kompensationen in Milliardenhöhe von London, um die Folgen des Brexit abzufedern. In Schottland selbst hatte sich 2016 eine Mehrheit für den Verbleib in der EU ausgesprochen.

„Die britische Regierung muss ein rasches Multimilliarden-Rettungspaket als Kompensation für Schottland bereitstellen, um den dauerhaften durch den Brexit entstandenen Schaden für schottische Unternehmen, Industrien und Städte abzufedern“, zitierte der Guardian einen Abgeordneten der Scottish National Party. Hintergrund ist der faktische Verlust des europäischen Marktes für viele britische Unternehmen, obwohl Ende 2020 sprichwörtlich in letzter Minute von EU und Großbritannien ein Handelsabkommen verabschiedet wurde.

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hält weiter an ihren Plänen zum Beitritt Schottlands zur EU fest. Nach dem von ihr angestrebten Unabhängigkeitsreferendum werde sie ihre Nation zügig in die Europäische Union führen, sagte Sturgeon im Interview mit der Tageszeitung Die Welt und anderen europäischen Medien. „Mehr als die Hälfte der Schotten will laut jüngsten Umfragen die Unabhängigkeit. Ich bin zuversichtlich, dass die Schotten beim nächsten Referendum Ja sagen werden.“

Ein unabhängiges Schottland werde dann unmittelbar einen Antrag zur EU-Mitgliedschaft stellen. Ihrer Ansicht nach sei Schottland „ein einmaliger Fall für einen schnellen Beitritt zur EU“. Schottlands Beitritt sei „keine Erweiterung“. Als Teil des Vereinigten Königreichs sei Schottland schließlich über 40 Jahre Mitglied gewesen. „Schottland kommt nach Hause, das ist kein neuer Anfang.“

Schottland braucht für das Referendum die Zustimmung Londons. Lasse Premier Boris Johnson ein Referendum nicht zu, schließe sie den gerichtlichen Weg nicht aus, so Sturgeon. „Verweigert London die Zustimmung, müssen wir sehen, ob das schottische Parlament die nötigen Gesetze erlassen kann. Diese Frage hat sich noch nicht vor Gericht gestellt, aber ich schließe das nicht aus. Wir können nicht zulassen, dass die britische Regierung die Demokratie blockiert.“

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