Panorama

Steuerzahlerbund: Beamtenstatus kritisch hinterfragen

Der Streit um den Beamtenstatus gewinnt an Schärfe: Politiker und Verbände ringen um Reformen, Kosten steigen, und Bürger fragen sich: Wie viel Verbeamtung braucht der Staat wirklich – und wer soll am Ende die finanziellen Folgen tragen?
15.08.2025 17:15
Aktualisiert: 16.08.2025 16:00
Lesezeit: 2 min

Steuerzahlerbund und CDU fordern klare Begrenzungen

Der Bund der Steuerzahler fordert, deutlich weniger Menschen in ein Beamtenverhältnis zu übernehmen. "Die öffentlichen Haushalte werden durch die XXL-Beamtenverhältnisse enorm belastet", sagte Präsident Reiner Holznagel der "Rheinischen Post". "Deshalb sollte der Beamtenstatus kritisch überprüft und sein Umfang mitsamt der Privilegien hinterfragt werden. Diese sind Beschäftigten in der Privatwirtschaft kaum noch erklärbar, da die finanzielle Schere immer weiter auseinandergeht."

Holznagel mahnte, neue Verbeamtungen auf das Nötigste und ausschließlich auf hoheitliche Kernfunktionen zu begrenzen – etwa bei Polizei, Finanzverwaltung und Justiz.

Auch Linnemann will weniger Verbeamtungen

Zuletzt sprach sich auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wegen der hohen Kosten durch Beamtenpensionen für eine Reduzierung der Verbeamtungen aus. "Ich möchte nur eins: Dass wir nur noch dort verbeamten, wo es wirklich hoheitliche Aufgaben gibt, bei Polizisten, bei Richtern, bei Staatsanwälten, bei Finanzbeamten, bei Zollbeamten – aber dann ist irgendwann gut", sagte er beim Tag des Handwerks Paderborn. Darüber berichtete die "Bild". In Ministerien müsse "nicht jeder verbeamtet werden, übrigens auch nicht in den Verwaltungen", so Linnemann.

Dobrindt: Keine Änderungen nötig

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht dagegen keinen Handlungsbedarf. Dem Sender Welt TV sagte er, das Beamtentum sei ein wichtiger Bestandteil für Stabilität. "Wir sind mit dem, was wir an Beamten in der Verwaltung, in der Bundesverwaltung haben, mit dem, was wir an Beamten beispielsweise bei der Bundespolizei, bei Sicherheitskräften haben, da sind wir sehr gut aufgestellt. Da gibt es keinen Bedarf irgendeiner Veränderung." Die Länder könnten überlegen, wie sie mit ihrem Personal umgehen.

Beamtenbund warnt vor Folgen

Der deutsche Beamtenbund (DBB) sieht die Diskussion um den Beamtenstatus kritisch. "Entbeamtung löst kein einziges Problem der Rentenversicherung oder der öffentlichen Haushalte, im Gegenteil. Sie würde viele neue schaffen", sagte DBB-Bundesvorsitzender Volker Geyer den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Beamtenstatus etwa für Lehrkräfte sichere den streikfreien Unterricht. "Wollen Linnemann, Holznagel und Co. Bürgern und Wirtschaft tatsächlich Streiks an deutschen Schulen zumuten?", fragte er.

Laut Geyer spart der Staat durch Entbeamtung bestimmter Berufsgruppen kein Geld: "Im Gegenteil, die Bruttobesoldung müsste kurzfristig steigen, Arbeitgeberanteile für die Rentenversicherung wären zu zahlen und Mittel für die Zusatzversorgung der dann angestellten Lehrerinnen und Lehrer bereitzustellen." Im öffentlichen Dienst arbeiten rund 5,3 Millionen Menschen. Etwa ein Drittel davon sind laut Bundesinnenministerium Beamtinnen und Beamte. Diese zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung, sondern erhalten nach dem Ausscheiden eine staatlich finanzierte Pension.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

DWN
Politik
Politik Energiepreise setzen Haushalte unter Druck: Wie die EU Stromkosten senken will
11.03.2026

Die EU-Kommission stellt einen neuen Energieplan vor, mit dem Haushalte in Europa spürbar bei den Stromkosten entlastet werden sollen....

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
11.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Finanzen
Finanzen Gerresheimer-Aktie im freien Fall: Jahresabschluss verschoben, SDAX-Ausschluss droht – was der Bilanzskandal für Anleger bedeutet
11.03.2026

Für die Gerresheimer-Aktie reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. Nach Bilanzfehlern und Untersuchungen der BaFin verzögert sich...

DWN
Politik
Politik EU-Rüstungsprogramm Safe: Polens Präsident lehnt EU-Rüstungskredite ab
11.03.2026

44 Milliarden für Polens Rüstung? Präsident Nawrocki blockiert ein EU-Programm und setzt auf eigene Ideen. Was steckt hinter dem...

DWN
Politik
Politik Abgelehnte Asylbewerber: Fast zwei Drittel aller Abschiebeversuche 2025 gescheitert
11.03.2026

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Zahl der Abschiebungen deutlich zu steigern. Es dürfte ihr nicht gefallen, dass...

DWN
Politik
Politik IEA: Deutschland gibt wegen Iran-Kriegs Teil der Ölreserven frei
11.03.2026

Seit Beginn des Iran-Kriegs vor gut einer Woche schnellt der Ölpreis in die Höhe. Um dagegen anzugehen, wird jetzt ein seltenes...

DWN
Politik
Politik Spritpreise in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW: Iran-Krieg trifft deutsche Wirtschaft wenig - aber treibt Preise
11.03.2026

Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die Konjunktur in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft ist eher...