Deutschland

Trotz Einreisesperre: Flüge aus betroffenen Ländern bleiben bestehen

Das deutsche Einreiseverbot für mehrere Länder ist seit Samstag in Kraft. Am Boden bleiben Flieger deshalb zunächst aber nicht.
30.01.2021 16:30
Aktualisiert: 30.01.2021 16:30
Lesezeit: 3 min
Trotz Einreisesperre: Flüge aus betroffenen Ländern bleiben bestehen
An den Flugplänen der Lufthansa ändern die Reiseverbote vorerst nichts. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Die deutschen Einreisesperren für Menschen aus mehreren Ländern mit gefährlichen Coronavirus-Varianten hatten am Wochenende zunächst wenig Auswirkungen auf den Flugverkehr. Die Lufthansa will ihre Verbindungen nach Portugal, Irland, Großbritannien, Südafrika und Brasilien zunächst nicht einschränken. Dabei sind diverse Verkehrsverbindungen pandemiebedingt ohnehin stark reduziert.

Da die Verordnung Ausnahmen vorsieht - darunter für Deutsche, in Deutschland lebende Ausländer sowie Transitpassagiere - gebe es genügend Menschen, die fliegen dürften, sagte Lufthansasprecher Martin Leutke am Samstag der dpa. Man werde die Lage aber im Blick behalten und die Flugpläne in den kommenden Tagen gegebenenfalls der Nachfrage anpassen.

Die Bundesregierung hatte am Freitag beschlossen, dass Fluggesellschaften, Bahn-, Bus- und Schiffsunternehmen bis zum 17. Februar grundsätzlich keine Passagiere aus Virusvarianten-Gebieten mehr nach Deutschland befördern dürfen. Damit soll die Ausbreitung der als besonders ansteckend geltenden Mutationen des Erregers Sars-CoV-2 gebremst werden. Es gibt aber Ausnahmen, auch der Warenverkehr bleibt unangetastet. Am Sonntag kommen mit Lesotho und Eswatini zwei kleine südafrikanische Staaten hinzu.

Die Lufthansa betonte, sie dürfe gemäß der Anordnung ausschließlich Passagiere mit deutscher Staatsbürgerschaft oder mit permanenter Aufenthaltsgenehmigung aus den betroffenen Staaten nach Deutschland fliegen. Die Beschränkungen würden zudem nicht für Umsteigepassagiere gelten, die zum Beispiel über Frankfurt in ein nicht zum Schengenraum gehörendes Land wie die USA weiterreisen wollten, sagte Leutke. Jeder Passagier müsse vor dem Abflug einen negativen Corona-Test vorlegen, der den Vorgaben des Robert Koch-Instituts entspreche und bei Ankunft in Deutschland maximal 48 Stunden alt sein dürfe.

In die fünf großen Mutationsgebiete gab es nach einer Auswertung der Deutschen Flugsicherung vom 1. bis 26. Januar jeweils rund 60 Hin- und Rückflüge pro Tag. Alleine die Lufthansa bietet derzeit jeweils 55 Hin- und Rückflüge pro Woche in die betroffenen Länder an.

Der Hochgeschwindigkeitszug Eurostar, der Großbritannien durch den Eurotunnel mit dem Kontinent verbindet, hat seine Fahrten wegen der geringen Nachfrage bereits drastisch reduziert. Statt fast im Stundentakt fährt derzeit nur noch je ein Zug pro Tag von London nach Paris und Brüssel sowie zurück. Mitarbeiter und Grenzbeamte würden Reisende vor der Abfahrt auffordern zu überprüfen, ob die Reise in ihr Zielland erlaubt sei, hieß es von einer Sprecherin. Der Eurostar verbindet Großbritannien nicht direkt mit Deutschland, ist jedoch - etwa mit Umstieg in Brüssel - eine wichtige Reiseroute ins Land.

Die Billig-Airline Easyjet erklärte, es gebe bereits seit Mitte Januar keine Easyjet-Flüge mehr zwischen Großbritannien und Deutschland. Grund sei der britische Lockdown mit dem weitgehenden Reiseverbot. Auch von British Airways hieß es, man habe den Flugplan bereits auf eine «reduzierten und dynamischen Plan» zusammengeschrumpft und beachte internationale Beschränkungen.

Auch aus dem besonders hart von der Corona-Pandemie betroffenen Portugal können Deutsche oder Bürger anderer Staaten mit Wohnsitz in Deutschland weiterhin nach Deutschland fliegen. Sowohl die Lufthansa wie auch andere Fluggesellschaften boten am Samstag für die kommenden Tage weiterhin Flüge an, wenn auch weniger und zum Teil mit kleineren Maschinen als in normalen Zeiten.

Zwar hat Portugal, wo die Corona-Zahlen zuletzt in die Höhe geschossen sind und die ansteckendere britische Variante des Virus stark um sich greift, seine Grenzen seit Freitag geschlossen. Dies gilt aber nur für Portugiesen. Somit sollte es für Deutsche möglich sein, das Land auch auf dem Land- oder Seeweg zu verlassen. Spaniens Innenministerium teilte mit, dass Ausländer, die auf dem Landweg in ihre Heimatländer zurückkehren wollten, die Grenze von Portugal aus Richtung Spanien passieren dürften.

Auch auf den Südafrika-Routen biete die Lufthansa weiterhin Flüge an, sagte Boris Ogursky, Lufthansa-Sprecher für Europa, Nahost und Afrika. Die Lufthansa hatte ihre Flugpläne am 25. Januar auf je drei Verbindungen pro Woche nach Johannesburg und Kapstadt gestutzt. Per Landweg Südafrika zu verlassen ist derzeit nicht möglich, da der Kap-Staat alle Landgrenzen geschlossen hat. Das gilt auch für den komplett von Südafrika umschlossenen Kleinstaat Lesotho sowie das Gebirgs-Königreich Eswatini, das im Osten an Mosambik grenzt.

Der deutsche Botschafter in der brasilianischen Hauptstadt Brasília, Heiko Thoms, veröffentlichte am Freitag einen Brief zum Coronavirus. Demnach seien die Flugverbindungen zwischen Brasilien und Europa stark zurückgegangen und die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass es kurzfristig zu weiteren Reduzierungen kommt. Noch fliegen Lufthansa und weitere Fluglinien von São Paulo oder Rio de Janeiro.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte den Verzicht auf jede nicht zwingend notwendige Auslandsreise als «Bürgerpflicht» bezeichnet. «Jetzt ohne wirklich zwingenden Grund in Mutationsgebiete zu reisen, (...) wäre geradezu töricht», sagte der CSU-Politiker der «Augsburger Allgemeinen» (Samstag).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Claude-Entwickler lockt mit Wachstum und warnt zugleich vor enormen Kosten
27.10.2026

Das Anthropic-IPO könnte zu einem der wichtigsten Börsengänge des Jahres werden. Der Claude-Entwickler meldet explosives Umsatzwachstum,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ingenieurmangel trotz Rekordarbeitslosigkeit: Warum Deutschlands Technikarbeitsmarkt gespalten ist
27.10.2026

Mehr offene Stellen, aber gleichzeitig ein neuer Höchststand bei der Arbeitslosigkeit: Deutschlands Ingenieur- und IT-Arbeitsmarkt sendet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
27.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
27.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Microsoft-Aktie im Fokus: US-Konzern bietet 60.000 Mitarbeitern Abfindungen an
27.10.2026

Der US-Softwarekonzern Microsoft bietet rund 60.000 Beschäftigten in vier Ländern einen freiwilligen Abschied gegen eine Abfindung an....

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Technology-Aktie zwischen KI-Boom und China-Risiko: Was Anleger jetzt beachten sollten
27.10.2026

Nach heftigen Kursschwankungen steht die Micron-Aktie erneut im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Der Speicherchiphersteller profitiert...

DWN
Politik
Politik EZB-Zinsentscheid: Bleiben die Zinsen stabil oder deutet Lagarde schon die nächste Erhöhung an?
27.10.2026

In dieser Woche stehen zwei Zinsentscheidungen an. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed, am Donnerstag folgt der EZB-Zinsentscheid.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wolfgang Grupp junior: Audis Vier-Milliarden-Werk in den USA verschärft die Standortdebatte in Deutschland
27.10.2026

Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp junior kritisiert den Fokus auf den politischen Auftritt des Audi-Chefs in den USA. Er fragt...